Es war das «pièce de résistance» im Zuozer Verkehrs- und Parkierungskonzept: Das Parkhaus Minz, das mitten im Dorf, umgeben von alten Häusern, hätte gebaut werden sollen. 123 Autos hätte das Parkhaus geschluckt, die meisten davon unter dem Boden. Geschäfte, Restaurants, Hotels und Zuozer Sehenswürdigkeiten wären innert kürzester Zeit zu erreichen gewesen. Kostenpunkt: 9,7 Millionen Franken.
Gebaut wird das Parkhaus aber nicht. Das hat die von 166 Stimm-
berechtigten besuchte Gemeindeversammlung am Mittwochabend entschieden. Mit 98:68 Stimmen wurde die Kreditvorlage deutlich abgelehnt. Die Konsternation beim Gemeinderat und insbesondere bei Gemeindepräsident Flurin Wieser war sehr gross. «Ich war sicher, dass der Kredit angenommen wird. Dieser Entscheid bedeutet für Zuoz einen Schritt zurück ins Mittelalter», sagte der schwer enttäuschte Präsident gleich im Anschluss an die Versammlung gegenüber der «EP/PL».
Viel Geld ausgegeben
Auch wenn es nicht gerade das Mittelalter ist: Diskussionen, den Verkehr aus dem im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführten Dorfzentrum zu bringen, reichen weit über 20 Jahre zurück. Seither sind einige Studien verfasst worden, Arbeitsgruppen haben sich mit der Zukunft auseinander-
gesetzt und Projekte sind aufgegleist und teilweise auch realisiert worden. Das Parkhaus Ost mit 46 verkauften oder dauervermieteten Parkplätzen unter dem so genannten Dreiecksplatz oder eine Umfahrung von S-chanf herkommend. Erst im Anfangssta-
dium der Planung befindet sich eine Umfahrung West, die den Dorfteil in Richtung Madulain vom Verkehr entlastet hätte. Diese Arbeit kann gemäss Wieser mit dem Nein auch gestoppt werden. «Es gibt keinen Plan B, ohne das Parkhaus Minz kommt das Verkehrskonzept nicht zum Funktionieren», sagt er.
Wie viel Geld für die gesamte Planung in den letzten Jahren ausgegeben worden ist, kann heute niemand mehr sagen. Gemeindeaktuar Claudio Duschletta geht von «rund einer Million Franken» aus. Sicher ist: Der Wettbewerb für das Parkhaus Minz hat 80000 Franken gekostet, 600000 Franken hat der Souverän vor gut
einem Jahr alleine für den Planungskredit gesprochen.
Kosten, Lage, Bequemlichkeit
Völlig überraschend kommt das Nein zum Parkhaus allerdings nicht. Bereits beim Planungskredit war Gegenwind spürbar. Der Kredit wurde von der Versammlung damals «nur» mit 34:22 Stimmen angenommen. Und auch die Zustimmung zu den Tauschverträgen mit den Grundeigentümern führte im Februar 2011 zu 18 Gegenstimmen. Am Mittwochabend war aus den Voten rasch einmal zu hören, dass die Grundstimmung eher negativ ist. Zu reden gaben die hohen Kosten von rund 100000 Franken pro Platz. Diese konnten damit begründet werden, dass das Bauen an dieser exponierten Lage per se teuer ist. Kritisch beurteilt wurden die an der Versammlung präsentierten Betriebskosten, die viel zu tief angesetzt seien. Aber auch ganz grundsätzlich wurde die Notwendigkeit eines Parkhauses an dieser Lage
in Frage gestellt. Dies vor allem von Anwohnern der Via Dimvih d‘Aguêl. Über diese Strasse wäre das Parkhaus erschlossen worden, befürchtet wurde eine Zunahme des Verkehrs. Und auch das Argument, das in der Schweiz wohl bei jedem Versuch, ein Zentrum autofrei zu machen, zur Sprache kommt, wurde genannt: Mögliche Einbussen, wenn die Kunden mit ihren Autos nicht mehr direkt vor das Geschäft fahren können. «Niemand geht in den Volg einkaufen, wenn er nachher seine Tasche in das Parkhaus schleppen muss», sagte ein Votant
unter Applaus.
Dazu wird es nach dem Nein vom Mittwoch vorläufig nicht kommen. Eine Neuauflage des Projektes ist in den nächsten Jahren nicht geplant, dafür war das Resultat zu deutlich. Und alternative Standorte für ein
Zentrums-Parkhaus sind gemäss Wieser geprüft und aus den verschiedensten Gründen wieder verworfen worden.















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