«One, two. One, two, three, four» …Werner Steidle gibt den Takt an, die Musiker setzen zu ihrem Spiel an. «Take me back, Baby» wird geübt, ein Blues-Klassiker von «Champion» Jack Dupree. Das langsame Stück erfordert nicht nur die volle Konzentration der Instrumentalisten, auch die Sängerin muss versuchen, ihren Gesangspart so überzeugend wie möglich zu gestalten. «Der Blues wird aus dem Bauch heraus gespielt und gesungen. Das ist was anderes als klassische Musik», meint Steidle, der die Probe der Gymnasiasten leitet. Eine von vielen, welche die Schüler der Academia Engiadina in den letzten Wochen absolviert haben. Vor Weihnachten fingen sie mit dem Blues-Projekt an, am 20. Januar wird es mit einem Konzertauftritt vorläufig seinen Abschluss finden: Die acht 17- bis 19-jährigen jungen Frauen und Männer geben ihr Debüt als Ad- hoc-Blues-Band am Out of the Blue’s Festival von Samedan. Kurz vor sieben werden die «Academia Blues Students» als WarmUp-Band das Publikum auf einen langen Bluesabend einstimmen. Doch bis dahin gilt es, allein zu Hause wie auch im Ensemble nochmals intensiv zu üben, denn immerhin sollen acht Stücke so gut wie möglich sitzen. «Alle werden wir wahrscheinlich gar nicht aufführen können, dafür ist die Zeit zu knapp», meint Steidle. Doch das mache nichts.
Improvisieren lernen
«Ich will, dass alle improvisieren können. Das ist mein Ziel», fügt er an. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Steidle möglichst einfache Blues-Stücke ausgesucht. In erster Linie mussten die Schüler sich also mit dem klassischen zwölftaktigen Blues-Schema vertraut machen, mit Tonika, Subdominante und Dominante. Und ferner natürlich in den gängigen Blues-Tonarten sattelfest werden. Das ist für sie kein Ding der Unmöglichkeit, spielt doch die Mehrheit von ihnen schon seit geraumer Zeit mindestens ein Instrument und ist Mitglied der Academia Big Band, die von Steidle geleitet wird. Doch es gibt die eine oder andere Schwierigkeit zu bewältigen… «Bei den langsamen Stücken ist es weit schwieriger zu improvisieren», meint Trompeterin Sabrina Steidle. Das sieht auch E-Gitarristin Madlaina Caflisch so, die vom Jazz her kommt und froh um dieses Projekt ist: «Das ist eine super Gelegenheit, diesen Stil kennen zu lernen», sagt sie.
Mit Gefühl spielen
Die Probe gehtweiter. Am «No Speed Limit Blues» muss noch geschliffen werden. Abwechselnd versuchen die Instrumentalisten ihr Geschick mit
einem Impro-Part. Die Blues-Tonleiter zu beherrschen, ist das eine. Doch man muss seinem Spiel auch noch Ausdruck verleihen. Dieses «aus dem Bauch heraus» Spielen oder Singen ist für die acht Schüler was neues, aber etwas, was sichtlich Spass macht. Da darf der Vibrato-Hebel auf der E-Gitarre für einmal hemmungslos zum Einsatz kommen und das Schlagzeug schon fast «vermöbelt» werden. «Der Gesang dürfte noch etwas frecher daherkommen», kommentiert Steidle, der auf einer Konga den Rhythmus mittrommelt und die Einsätze gibt.
«Dieser Auftritt am Festival und die Proben vorher sind ein willkommener Ausgleich zum eher kopflastigen Teil des Musikunterrichts. Und das Improvisieren lernt man in der Praxis, beim Spiel mit anderen am besten», erläutert Steidle das erstmalig durchgeführte Blues-Projekt, das vielleicht in der einen oder anderen Form eine Fortsetzung haben wird.
«Salt and Pepper» ist das letzte Stück, das die «Academia Blues Students» an diesem Dienstagmittag noch einüben, kurz bevor sie in Richtung Mensa eilen: Ein flotter Blues-Rock mit einem «Intro» am E-Piano und einem ellenlangen «Outro», wo Schlagzeuger und Bassist das Ende des Stücks (und des Konzertauftritts) richtig in die Länge ziehen können, genau so, wie es die Grossen des Genres auf der Bühne eben auch machen.
Die «Academia Blues Students» bilden von der Instrumentierung her
gesehen keine klassische Blues-Formation. Doch mit Querflöte, Altsax, Trompete, Posaune, E-Gitarre, E-Bass, Keyboards, Drums und Voice werden Marco Baumann, Madlaina Caflisch, Adamo Costa, Luisa Costa, Michelle Freund, Samira Meier, Sabrina Steidle und Valeria Steidle dank ihrem Talent und Engagement einen bluesigen Sound hinkriegen, der nicht nur ihre Verwandten und Bekannten begeis-
tern, sondern das siebte «Out of the Blue’s» bereichern wird.
www.samedanblues.ch
Autorin: Marie-Claire Jur















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