Französisches Flair zum Dreikönigstag

An Dreikönigabend gastierte die Kammerphilharmonie Graubünden mit spritziger und duftender Musik im Pontresiner Rondo.
Dirigent Sebastian Tewinkel liess sein Orchester leuchten, der Cellist Maximilian Hornung begeisterte mit seinem Solo-Spiel.

Gewiss, der 25-jährige deutsche Cellist Maximilian Hornung ist kein Geheimtipp mehr. Er musiziert mit renommierten Orchestern und ist bestens etabliert. Seine Interpretation vom ersten Cellokonzert von Camille Saint-Saëns war schlicht umwerfend. Da stimmte einfach alles: saftiger Ton, Temperament, meisterhafte Phrasierungen. Eine spannende Konversation zwischen Solist und Orchester: mal energisch-tänzerisch, mal sinnlich-ausdrucksvoll. Kein Wunder, dass sich der Komponist damit in Paris etablierte.

 

Viel Stimmung und Farbenreichtum

Zu Beginn des Konzerts eine Perle des französischen Impressionismus am Ende des 19. Jahrhunderts: «Prélude à l’après-midi d’un Faune» von Claude Debussy. Nicht gedacht als Programmmusik, sondern als gefühlter Eindruck des Gedichts Stéphane Mallarmés in Tönen. Stimmungsvolles Empfinden von schwüler Sommerluft reicht zum betörenden Singsang der Nymphen. Fabelhaft begann die von Katharina Brunner geblasene Flöte. Der herrliche Klang der Harfe von Katrin Bamert. Auch Konzertmeister Yannick Frateur an der Geige hatte kleine solistische Einwürfe. Dirigent Sebastian Tewinkel leuchtete mit seinen Musikern mit
wacher Akribie all die Schattierungen dieser Musik aus.
Klangschöne Leichtigkeit auch bei der Musik von Gabriel Fauré zur Oper «Pelléas et Mélisande». Ein Stoff, mit dem sich einige Komponisten beschäftigt haben. Eine Musik voll farbiger Leuchtkraft, manchmal auch traumverloren, eben: romantisch. Ganz herrlich, wie Harfe und Flöte im dritten Satz das Thema vorstellten. Melodramatisch endet die Suite mit dem Tod von Mélisande im Pianissimo, auch hier gestaltete das Orchester souverän.

 

Aggressive Rhythmen

Ganz andere Qualitäten zeigte es in Darius Milhauds «Le Boeuf sur le toit». Ein Potpourri brasilianischer Melodien, wobei vor allem die Blechbläser mit bizarren harmonischen Reibungen glänzten. Eine schillernde Instrumentalisierung mit unerhört reizvollen Klangkombinationen, absolut mitreissend gestaltet. Da forderte der Dirigent alles vom Orchester, um diese exzessive Musik mit ihren häufigen Tempowechseln und Modulationen in Gang zu halten. Ein Fest der Farben und Rhythmen. Übrigens wirkten alle vier Komponisten nahezu gleichzeitig am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.
Als Zugabe eine kleine Nachtmusik: Die Romanze für Cello und Orchester von Saint-Saëns, ein wunderschöner Abschluss. So kam das begeisterte Publikum in den Genuss farbenfroher französischer Musik und das Orchester zu einer Übernachtung in Pontresina, da die Rückfahrt wegen Lawinengefahr nicht möglich war.

 

Autor: Gerhard Franz

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