Am 29. August wäre Emil Schumacher 100 Jahre alt geworden. Dieser Kunstschaffende aus Deutschland wurde schon zeit seines Lebens von der Fachwelt als einer der ganz grossen Maler des 20. Jahrhunderts erachtet; mit entsprechend vielen Veranstaltungen und Gedenkausstellungen ist deshalb weltweit in diesem Erinnerungsjahr zu rechnen.
Lebte und arbeitete in Samedan
Eine Werkschau wird dieses Jahr auch in St. Moritz im Schaulager und in der Galleria Curtins von Franz Rödiger zu sehen sein. Emil Schumacher fühlte sich nämlich nicht nur in seinem westfälischen Geburts- und Wohnort Hagen wohl, sondern auch im Engadin. Grösstenteils unerkannt verlebte er in Samedan insgesamt rund 20 Jahre seines Lebens, wobei er sich von der hiesigen Natur auch für seine künstlerische Arbeit inspirieren liess. Kontakt hatte Schumacher damals auch mit dem Galeristen und Druckexperten Franz Rödiger, der ihn anregte, sich auch im Engadin ein Atelier einzurichten. Rödiger machte den Künstler auch mit der Serigraphie-Technik vertraut, und so kam es, dass in den letzten Lebensjahren des Künstlers, der am 4. Oktober 1999 auf Ibiza verstarb, eine ganze Reihe interessanter Werke entstanden ist, die jetzt auch in der aktuellen St.Moritzer Sonderausstellung zu sehen sein werden.
Engadiner Bergdohlen
Schumacher liebte das starke Engadiner Licht, sowohl im Sommer wie im Winter. Es trieb den bis zu seinem Tod noch sehr diszipliniert arbeitenden Künstler förmlich dazu, seine Inspirationen zu Papier oder auf die Leinwand zu bringen. «Es kribbelt mir sofort in den Fingern, was zu tun. Das kommt von dieser Lichtquelle. Die Blumen hier oben strahlen und glänzen. Im Unterland sind sie nur fahle Abbilder», bemerkte er im August 1999 in einem Interview mit der «Engadiner Post». Besonders inspiriert hatten ihn damals die Engadiner Bergdohlen, die er von seiner Wohnung hoch über Samedan aus bei ihrem Flug und ihrem Gezänke ums Futter auf dem Balkon beobachten konnte. Sie haben ihn zu einem eigentlichen Bilderzyklus veranlasst, den Serigraphien, die diesen Winter im Schaulager und kommenden Sommer – in einer erweiterten Ausstellung – auch in der Gallerie Curtins in St.Moritz Dorf zu sehen sein werden.
Auf verschieden farbigem Untergrund haben diese Engadiner Bergdohlen ihr Flugliniengeflecht hinterlassen, verewigt durch die Hand des Malers, der mindestens so energiegeladen und wild mit den eigens gemischten Pigmentfarben aus der Farbtube und dem Kratzer hantierte, wie seine Modelle aufgekratzt und streitsüchtig um jeden Wurstbrocken wirbelten.
Die aktuelle Ausstellung im Schaulager wird durch einige wenige Werke von Emil Nolde ergänzt und durch die Projektion eines Dokumentarfilms
bereichert, den das ZDF noch zu Lebzeiten des Malers gedreht hat.
Autorin: Marie-Claire Jur















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