Als durchschnittlich begabter IT-Anwender (Selbsteinschätzung) wird man ab und zu mit Problemen konfrontiert, die je nach Tagesverfassung ein müdes Lächeln kosten, zu einer Schimpftirade führen oder einen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen. Ein persönliches Waterloo im Umgang mit dem Computer habe ich kürzlich erlebt. Nicht etwa, weil ich den Anhang zu einer E -Mail nicht öffnen konnte oder nicht kapiert hätte, warum sich ein Dokument partout nicht drucken lassen will. Nein, mein Problem nennt sich CAPTCHA. Noch nie gehört? Dann gehören Sie wohl – entschuldigen Sie meine E inschätzung – nicht zu den durchschnittlich begabten IT-Anwendern. Das ist in diesem Fall nicht schlimm und erst noch schonender für die Nerven.
Also, da sitzt man vor dem Computer und will den O nline-Kommentar eines geneigten E P-Lesers freischalten. E s wartet eine letzte kleine Hürde. Der Computer will, dass in ein leeres F eld die fünf Zeichen eingetippt werden, die in einem anderen F eld zu sehen sind. Kein Problem (durchschnittlich begabter IT -Anwender… sie erinnernsich), «B 5 C h m» und fertig. «Es ist ein Fehler aufgetreten, die Zeichen stimmen nicht mit der Lösung überein. Sie erhalten einen neuen Code.» No problem, ein kleiner Tippfehler kann ja mal passieren, easy. «Z 3 L i q». «Es ist ein F ehler aufgetreten, die Zeichen stimmen nicht mit der Lösung überein. Sie erhalten einen neuen Code.» O kay, das L könnte auch ein I gewesen sein – wird die Lesebrille doch zum T hema? Und muss man sich eigentlich an die Gross-/Kleinschreibung halten und wie sieht das mit den Abständen aus?
Ein dritter, vierter, fünfter, sechster Versuch, jedes Mal das gleiche Resultat. «…Sie erhalten einen neuen Code.» Nein, nein, nein! I ch will keinen neuen Code, ich will nur diesen «Sch…»-Kommentar des geneigten EP-Lesers freischalten und dann endlich meinen Feierabend geniessen. Die Nerven liegen blank, das Selbstvertrauen ist im Keller. I ch habe es nicht geschafft, bin gescheitert, ein Versager, ausgeschlossen aus der ach so wunderbaren Welt der modernen Technologie.
Einen Beruhigungstee später google ich CAPTCHA, was mir sogar als unterdurchschnittlich begabter IT -Anwender erfolgreich gelingt. Was dort steht, macht die Wirkung von Melissenblättern, Hopfenzapfen und Baldrianwurzeln schlagartig zunichte. «In CAPTCHAs sind die gestellten Aufgaben so, dass sie für Menschen einfach zu lösen sind, für Computer hingegen sehr schwierig.» Umkehrschluss: Ich hab’s nicht geschafft, also bin ich kein Mensch. Hilfe, ich bin ein Computer!
P.S. Mein Kollege wollte kürzlich ein Buch online bestellen und musste dafür den CAPTCHA-Code eingeben. Er ist gescheitert. Ich war beruhigt.
Autor: Reto Stifel
Foto: pixelio.de/S. Hofschlaeger















Kommentare
Jachen Carl
Mo, 02/06/2012 - 17:59
Fredy Troxler
Di, 02/07/2012 - 00:20
Reto Stifel
Di, 02/07/2012 - 22:01
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