Gian Gilli, operativer Leiter des «Vereins Olympische Winterspiele Graubünden», war am vergangenen Dienstag in Chur und orientierte Mitglieder des Grossen Rats über den Stand der Bündner Olympia-Pläne. Gilli konnte aber nicht viel mehr als ein allgemeines Bekenntnis zu Olympia und zu den Grenzen eines solchen Grossanlasses im Kanton abgeben, wie aus den Bündner Medien zu erfahren war. Details zum Stand der Machbarkeitsstudie oder wie man die Bevölkerung für Olympia begeistern will, konnte er den Grossräten nicht erzählen.
Strategiesitzung mit Ueli Maurer
Am Mittwochabend lud dann Ueli Maurer zu einer Strategiesitzung auf höchster Ebene nach Bern ein, mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik. An dieser Sitzung ging es zum Beispiel um die Frage, mit was für Botschaften, Kernaussagen, Claims und Logos Olympische Winterspiele im Jahr 2022 nach St.Moritz und Davos geholt werden können. Laut Sigi Asprion war dies «der erste Stresstest für die Schweizer Olympia-Vision». Wie der St.Moritzer Gemeindepräsident bestätigt hat, wurde man sich an der Strategiesitzung jedoch nicht einig. Das heisst, an der Schweizer Olympia-Vision muss noch weiter gearbeitet werden.
Die Zeit drängt
Viel Zeit bleibt den Olympia-Promotoren aber nicht mehr. Denn bis zur Einreichung der Bewerbung in einem Jahr warten viele Abstimmungshürden. Die erste findet am 24. Mai statt. Dann entscheidet das Schweizer Sportparlament, ob die Bündner Olympia-Kandidatur weiterverfolgt werden soll oder nicht. Dazu muss der «Verein Olympische Winterspiele Graubünden» ein umfassendes technisches Dossier vorlegen. Eigentlich war geplant, dass das Sportparlament am 27. April tagt. «Wir haben den Termin mit der Präsidentenkonferenz der Sportverbände abgetauscht», erklärt Gian Gilli. So bekomme man etwas mehr Luft für die Erarbeitung des Dossiers.
Abstimmung erst im März 2013?
Nach dem Entscheid des Sportparlamentes geht es dann so richtig los mit dem Hürdenlauf und der Überzeugungsarbeit. Die grösste Hürde dürfte sein, das Bündner Stimmvolk für das Projekt Olympische Winterspiele in St.Moritz und Davos zu gewinnen. Vorgesehen ist, dass das Bündner Stimmvolk am 25. November 2012 über die Olympia-Frage abstimmen kann. Aber auch dieser Termin ist nicht so fix, wie bislang angenommen, und könnte nach hinten verschoben werden. Denn es gibt im «Verein Olympische Winterspiele Graubünden» Stimmen, die für eine Verschiebung der Volksabstimmung auf den März 2013 sind; weil man befürchtet, bis im November nicht alle Fakten auf dem Tisch zu haben. Das sagte der zuständige Regierungsrat Hansjörg Trachsel auf Anfrage der «Engadiner Post».
Die Regierung sei zwar schon jetzt daran, die Abstimmungsbotschaft auszuarbeiten, so Trachsel. «Die Gliederung ist klar. Nicht die Finanzfrage wird im Vordergrund stehen, sondern die Risiken und Chancen einer Olympia-Kandidatur.» Das heisst, der Bevölkerung wird die Grundsatzfrage Ja oder Nein zu Olympia gestellt und nicht eine Kreditvorlage präsentiert. «Das interessiert die Leute und nicht die Finanzfrage», meint Trachsel. Ausserdem habe die Regierung im Rahmen von Infrastrukturprojekten ohnehin die Möglichkeit, Gelder für Olympia-Bauten zu sprechen ohne Volksbefragung.
Deadline am 16. Mai 2013
«Ziel ist, die Abstimmung am 25. November durchzuführen», so Trachsel. Aber das hänge natürlich davon ab, ob der Kanton die nötigen Fakten und Grundlagen rechtzeitig bekommt. Der Regierungsrat betont zudem: «Der Grosse Rat entscheidet letztlich über das Abstimmungsdatum. Und der Grosse Rat kann die Vorlage auch zurückweisen, wenn er detaillierte Abklärungen zu einem Thema wünscht.» Weiter komme es auch darauf an, was der Bundesrat beabsichtigt. Denn die Olympia-Frage muss auch noch durch die eidgenössischen Räte.
Ewig lassen sich Abstimmungstermine und Parlamentsdebatten aber nicht hinausschieben. Denn ein Termin ist fix: der 16. Mai 2013. An diesem Tag muss St.Moritz als Host City die Bewerbung beim IOC in Lausanne einreichen, bis dann müssen alle Abstimmungshürden genommen werden. Im Juni 2016 entscheidet dann das IOC, welche Stadt im Jahr 2022 Olympische Winterspiele durchführen wird.
Autor: Franco Furger















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