Singende Silser

Wer singt, tut sich selber einen Gefallen und beglückt andere. Rund 30 einheimische Choristen teilten ihre Gesangsfreude im
Silser Hotel Waldhaus an einem unterhaltsamen, abendfüllenden Konzert.

Die Mehrzahl der Oberengadiner Dörfer hat mindestens einen Chor, der traditionelles Liedgut pflegt oder sich einem anderen Repertoire der Gesangskunst verschrieben hat. In Sils schien «Singen» lange Zeit ein Fremdwort zu sein. Bis zum Tag, an dem eine gewisse Laura Wallnöfer-Küng aus Bever zuzog, ihre Stelle an der Silser Primarschule antrat und das Singen im Dorf zum Thema machte. Vor fünf Jahren formierte sich der gemischte Chor «Viva», dem mittlerweile zwei Dutzend Erwachsene aus Sils, Maloja, Champfèr und Silvaplana angehören. Einige Primarschülerinnen, denen Wallnöfer-Küng die Freude am gemeinsamen Singen vermittelt hatte, pflegten dieses Hobby auch nach Ende der Schulzeit weiter und bildeten die «Girls». Beide Chöre, begleitet durch Stefano Bollmann am Flügel, konzertierten anfangs Woche im Silser Hotel Waldhaus und boten Einheimischen wie Feriengästen einen unterhaltsamen choristischen Abend in der Hotelhalle.

 

Hits mit Swing, Hits fürs Gemüt
Eingängige Pop- und Rocksongs aus den letzten 50 Jahren bildeten den Kern des Konzertprogramms. Peppige Ohrwürmer wie «Barabar’Ann», ein Hit der Beach Boys von 1965, oder getragene Balladen à la «Eres tu», einem Eurovision-Song-Contest-Beitrag aus den Siebziger Jahren waren zu hören. Ausflüge in die Welt der Gospels und Spirituals fanden statt sowie ins Schweizer und rätoromanische Liedgut, wobei die «Girls» die erste Konzerthälfte bestritten, die erwachsenen Choristen die zweite.
In besonders guter Erinnerung wird die Interpretation des Michael-Jackson-Hits «We are the World» bleiben oder Ferdinand Hubers Schweizer Lied «Luegid vo Berg und Tal». Auch dass mit «Engiadina» eine bekannte Ballade des La Punter Liedermachers Paulin Nuotclà (mit Gitarrenbegleitung) gesungen wurde, kam nicht nur beim einheimischen Publikum gut an. Szenische Abwechslung gab’s beim Song «Wähle eine Wellnesskur» von Manfred Bühler: Die Choristen streiften flugs Bademäntel über ihr schwarz-rotes Konzertoutfit oder schlugen sich Badetücher um die Hüften. Das erhöhte die Wirkung dieser (satirischen) Wellness-Hymne. Zum Konzertabschluss gab es als Zugabe noch den Song «Only you», nicht den weltberühmten Elvis-Presley-Hit, aber den Yazoo-Song von anfangs der 1980er- Jahre, mit dem die «Flying Pickets» in einer A-capella-Version die internationalen Charts stürmten.

 

Chöre mit Potenzial
Bei den beiden Chören handelt es sich um Laienformationen, die es noch nicht seit Langem gibt. Vergleiche mit Profichören oder solchen, die schon seit Jahrzehnten bestehen, sind deshalb unangebracht. Was Chorleiterin Laura Wallnöfer-Küng mittels ihrer ansteckenden Gesangsfreude und Energie mit ihren Sängerinnen und Sängern bereits auf die Reihe gebracht hat, ist beeindruckend. Wenn dereinst
einige Männerstimmen mehr zu den Choristen dazugestossen sind, ein Teil des Repertoires auch auswendig, also mehr aus dem Bauch heraus gesungen werden kann, und zudem vermehrt an der Dynamik der Interpretationen gefeilt wurde, werden die Chöre «Viva» und «Girls» noch weit mehr von sich reden machen, als sie es heute schon tun.

 

Autorin: Marie-Claire Jur
 

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