Im November 2010 haben die wenigen anwesenden Silvaplaner Stimmberechtigten einen Kredit von 5 Millionen Franken für den Campingplatz mit vereinzelten Gegenstimmen gutgeheissen. Dies für ein neues Betriebsgebäude mit Réception, sanitären Anlagen und diversen Verbesserungen auf dem Platz selber. Es war ein Geschäft, das keine hohen Wellen warf, die Mehrheit der Silvaplanerinnen und Silvaplaner war wie der Gemeindevorstand überzeugt, dass der Campingplatz erneuert werden muss, um den Ansprüchen der Gäste weiterhin genügen zu können.
Fehlende Kostenüberprüfung
Mit dem Bau wurde wie geplant im Herbst des letzten Jahres begonnen, der Rohbau ist fertig, die Arbeiten für den Innenausbau sind jetzt wieder aufgenommen worden. Auf anfangs Sommersaison soll sich der Platz in
einem neuen Kleid präsentieren. Spätestens seit der Gemeindevorstand die Botschaft für die Gemeindeversammlung vom kommenden Mittwoch verschickt hat, ist Feuer im Dach. Der Grund: 1,4 Millionen Franken oder
28 Prozent teurer wird der Ausbau. Wie hat es so weit kommen können?
Ein Architekt aus dem Unterland, der selber Campingplätze betreibt und spezialisiert ist auf diesem Gebiet, hat ein erstes Grundprojekt entworfen. Nach dem Kostenvoranschlag wurden diverse Anpassungen vorgenommen, so wurde unter anderem auf Wunsch der Schutzorganisation Pro Lej da Segl der Anbau mit den sanitären Einrichtungen einstöckig gehalten. Diese
Projektänderungen hatten zur Folge, dass die Kubatur nicht mehr wie bei dem von der Gemeindeversammlung verabschiedeten Projekt 3500 m3 betrug, sondern 5382 m3, über 50 Prozent mehr. Nur: Das wusste gemäss Gemeindepräsidentin Claudia Troncana zu diesem Zeitpunkt ausser dem Architekten niemand.
In der Folge wurde der Auftrag für die Bauausführung öffentlich ausgeschrieben und ein lokales Architekturbüro beauftragt. Die Kubaturen und die Kosten wurden nicht mehr geprüft. Es erfolgten weitere Anpassungen am Grundprojekt. So wurde das Gebäude unterkellert anstatt nur unterfangen, der Aufenthaltsraum wurde nicht wie geplant im alten Betriebs-
gebäude belassen, sondern im neuen Gebäude integriert und dank der anderen Dachform konnten mehr Solarpanels installiert werden. «Unser grosser Fehler war, dass wir die Kubatur- und Kostenüberprüfung nicht mehr gemacht haben», sagt Claudia Troncana rückblickend. Gemerkt hat offenbar niemand etwas: Weder der neu beauftragte Architekt, noch das Bauamt, noch der Gemeindevorstand. Das Baugesuch auf jeden Fall wurde bereits mit den neuen Kubaturen publiziert, die Profile entsprechend gestellt und bereits beim Aushub war offenkundig, dass eine Unterkellerung des Gebäudes gemacht wird. «Im November 2011 dann ist der Architekt gekommen und hat mir die Hiobsbotschaft mit der Kostenüberschreitung überbracht», erinnert sich die Gemeindepräsidentin.
Fehler ja, fehlende Information nein
Heute weist das Gebäude eine Kubatur von knapp 6000 m3 und eine Nutz-
fläche von 1030 m2 aus, geplant gewesen wären ursprünglich 652 m2. Der Camping-Neubau ist also viel grösser und viel teurer geworden als geplant. Er hat gemäss der Gemeindepräsidentin aber auch viel mehr zu bieten. «Wir werden genügend Nasszellen
haben, später hätten diese bei Bedarf nicht mehr gebaut werden können», nennt sie einen Vorteil. Zudem sei es möglich, in der Nebensaison einen Teil des Sanitärtrakts zu schliessen und so den Reinigungsaufwand zu
reduzieren. Sie ist überzeugt, dass Silvaplana ab diesem Sommer über einen modernen Vier-Sterne-Campingplatz verfügen wird, der die Ansprüche der Gäste erfüllt. Bereits im letzten Jahr ist ein neues Konzept umgesetzt worden mit weniger fixen Standplätzen für Saisoncamper, dafür mehr Raum für Passanten.
Dass sie einen Fehler gemacht hat, ist für Troncana unbestritten. Der Vorwurf, sie hätte früher informieren müssen, lässt sie aber nicht gelten. «Ich habe ja selber erst im vergangenen November von der Kostenüberschreitung erfahren, die Gemeindeversammlung vom Mittwoch ist der frühest mögliche Zeitpunkt für eine Information und den Nachtragskredit», sagt sie. Auch ein Baustopp habe sich nicht aufgedrängt, seit Ende
November hätten die Arbeiten so-
wieso geruht, erst jetzt werde mit dem Innenausbau weitergefahren.
Was aber, wenn der Souverän den Nachtragskredit nicht bewilligt? «Dann müssen wir Einsparungen vornehmen», sagt Troncana. Beispielsweise bei der Solaranlage, den Lüftungen oder auf dem Platz selber. Doch eines ist klar: «Die ganzen 1,4 Millionen Franken werden wir nicht mehr einsparen können», sagt sie.















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