Selten war das alte St. Moritzer Schulhaus so proppenvoll wie am Donnerstag um die Mittagszeit. Rund 250 Personen drängten sich am 31. Mai in der Turnhalle zusammen, um den Vergabe-Entscheid zur alpinen Ski-WM 2017 in Echtzeit mitzuerleben.
Live-Schaltungen zum FIS-Kongress in Südkorea und zur dortigen St. Moritzer WM-Delegation hatten vorab die Spannung zwei Stunden lang sukkzessive ansteigen lassen. Foto- und Video-Präsentationen von früheren St. Moritzer Ski-WMs und Olympischen Winterspielen hatten ab zehn Uhr Wintersport- und Wettkampfstimmung verbreitet. Beherrschten am Morgen noch hantierende Medienleute, Gipfeli kauende Schüler und Pensionierte vor Kaffeebechern die Szenerie, füllte sich die Turnhalle ab elf Uhr nach und nach mit «Tout St. Moritz»: Angestellte, Politiker und Bürger, Gewerbetreibende, Tourismusdienstleister und Mamas mit Kleinkindern. Dazwischen neugierige Passanten, die von Musik, Radiokommentaren und Bratwurstgeruch angelockt worden waren.
Ja oder Nein?
«Wir werden sie bekommen, diese WM, da bin ich mir hundert Prozent sicher!» – «Wart’s ab, vielleicht haben die Italiener doch noch einen Trumpf im Ärmel!» – «Vielleicht gibt’s noch einen Sprengkandidaten» – «Wie gut steht ?eigentlich Schweden da?» …In Grüppchen diskutierten die Supporter lustvoll über die anstehende Entscheidung des FIS-Komitees. Mit steigendem Weissweingenuss wurden die Werweissungen spekulativer: «Werden da nicht auch Briefumschläge unter dem Tisch durchgereicht, oder geht das alles wirklich ohne Bestechung ab?» – «Hütet euch vor den Italienern, die sind auch noch in letzter Minute zu einer Charme-Offensive fähig» – «Warum haben die so lange für den Entscheid? Der sollte doch schon längst draussen sein!»
Nach der Nervosität die Festfreude
Den Diskussionen um Vor- und Nachteile einer Ski-WM 2017 samt den optimistischen wie pessimistischen Prognosen ist um 12.10 Uhr ein Ende gesetzt. Auf dem Grossbildschirm erscheint Gian-Franco Kasper am Rednerpult. In der Turnhalle kehrt angespannte Ruhe ein, denn die Live-Zuschaltung ist etwas wacklig, und die englischen Statements Kaspers sind teils kaum zu verstehen. Mehrmals ist die Leitung gekappt…
«Das war erst die Bekanntgabe der Snowboard-Wettkämpfe» – «Nach den Nordischen kommen dann die Alpinen dran!» Im Saal macht sich eine knisternde Spannung breit, unterbrochen von einigen mahnenden «Pschschscht»...
«The FIS Alpine Ski World Championship will be organized in St. Moritz, Switzerland.» Kaum hat das Wort «St. Moritz» den langen Weg von Asien durch den Äther bis in die Turnhalle geschafft, bricht Jubel aus. Voluntari-Freunde fallen sich in die Arme, WM-Fans jauchzen und klatschen im Rhythmus. Sportliche Supporter steigen auf Tische und rufen «Hey, hey, hey». Eine Welle wogt durch das jubilierende Publikum, Champagnerflaschen werden entkorkt, der WM-2003-Song wird angestimmt: St. Moritz hat es geschafft!
Autorin: Marie-Claire Jur












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