Das Baubewilligungsverfahren für die Sanierung des Engadiner Museums ist angelaufen. Unlängst stellte die Projektleitung aber fest, dass das Gebiet, in dem sich die St. Moritzer Kulturstätte befindet, Teil einer Planungszone ist, die am 12. Juli 2010 für die Dauer von zwei Jahren erlassen und vor zwei Wochen nochmals verlängert wurde. Grund für die Planungszone ist die Beschaffenheit des Untergrunds im westlich des Dorfzentrums gelegenen Teil von St. Moritz. Der Hang von «God Ruinas» ist labil. Wie unstabil er wirklich ist, konnte bisher nur punktuell eruiert werden, anhand von Messungen, die das Institut für Geotechnik der ETH Zürich jeweils durchführt, wenn ein Bauvorhaben umgesetzt wird. Die Spezialisten waren auch vor wenigen Wochen vor Ort, um den Boden beim Engadiner Museum zu prüfen, haben aber ihre Untersuchungen während der touristischen Hochsaison eingestellt, bestätigt der St. Moritzer Bauamtchef Marco Caminada auf Anfrage.
Messdauer von einem Jahr
Zur Prüfung der Hangbeschaffenheit kommt die Technik der «Inklinometrie» zum Zug. Anhand von Bohrprofilen, die in zeitlichen Abständen erstellt werden, kann die jeweilige Ver-?dichtung des Untergrunds festgestellt und der Gleithorizont eruiert werden. In anderen Worten: So wird ersichtlich, an welcher Stelle genau welche Erdschichten sich wie schnell und in welche Richtung bewegen. Das Resultat der Messungen hat direkte Folgen auf die einzelnen Bauvorhaben. So empfiehlt das Institut, das im Auftrag der Gemeinde diese Untersuchungen vornimmt, in Problembereichen beispielsweise nur «kleine und gedrungene» Neubauten zu bewilligen und Nebenbetriebe wie Garagen vom Hauptgebäude zu trennen. Ferner wird ein etappierter Bauprozess angeregt, während dem immer auf den so genannten Gewichtsausgleich zu achten ist. Will heissen: Nicht nur im Endstadium muss der Bau dem Druck des Hangs Stand halten, sondern während des Bauens muss mit technischen Mitteln der Hangbewe-gung entgegengewirkt werden.
Ganz genau definiert ist der Umfang des gefährdeten Gebiets gemäss Caminada noch nicht. Die Westgrenze befindet sich im Bereich der englischen Kirche/Elektro Koller, die östliche unweit des Steffani-Kreisels. Südlich verläuft die Grenze entlang der Via Aruons.
Auslöser für den Erlass der Planungszone «God Ruinas» waren Schäden an der Villa «La Vedetta», die durch ein anderes Bauvorhaben ausgelöst worden waren. Der Hang hatte sich innerhalb eines Monats um zehn Zentimeter verschoben und in der Folge die Villa faktisch zerstört.
Beim Engadiner Museum wurde kürzlich eine «Nullmessung» vorgenommen. Weitere Messungen sind vorgesehen. Sie sollen sich gemäss dem St. Moritzer Bauamtchef sowie Professor Alexander Puzrin, Leiter des Instituts für Geotechnik der ETH Zürich, noch über ein Jahr erstrecken. Erst dann können etwaige Auflagen zum Umbau des Engadiner Museums festgelegt werden. Nur schon aufgrund dieser geotechnischen Untersuchungen muss aber mit einer Verzögerung des Baustarts gerechnet werden. Wie in einer Mitteilung von Monzi Schmidt, Mitglied des Oberengadiner Kreisvorstands und Vorsitzende der Baukommission Engadiner Museum, geschrieben steht, ist «momentan nicht abzuschätzen, ob das Projekt deswegen Mehrkosten verzeichnen wird».
Eröffnung 2014 unwahrscheinlich
Umbauten in historischen Bauten bergen erfahrungsgemäss Überraschun-gen. Deshalb war der bisher festgelegte Zeitplan sehr provisorisch. Ursprünglich hätte das Museum im Januar 2013 geschlossen werden und nach rund einem Baujahr im Frühling/Sommer 2014 wieder geöffnet werden sollen. Wie die Lage sich zurzeit präsentiert, ist wohl eher mit einem Baubeginn im Herbst 2013 oder im Frühling 2014 zu rechnen, was schliesslich einer Verzögerung von einem Jahr entspricht. Museumsleiterin Monika Bock sieht in diesem zeitlichen Aufschub keine Nachteile: «Vielmehr haben wir jetzt die Chance, das Projekt und die Abläufe zu optimieren», sagt sie.
Grundwasser mit ein Problem
St. Moritz ist an mehreren Orten auf unstabilem Grund gebaut. Während sich im Osten das Quartier Brattas aber auf einem «normalen Kriechhang» befindet, ist das Gebiet «God Ruinas» ein so genannter «schlafender Rutschhang», der sich in einem labilen Zustand befindet, der schwerer einzuschätzen ist und für den deshalb strengere Bauvorschriften definiert werden. Verschiedene Faktoren spielen bei diesen Hangbewegungen mit. «Die Neigung ist ein Parameter, aber auch der Grundwasserspiegel», erklärt Professor Puzrin. Rund ein bis zwei Zentimeter jährlich bewegt sich der Hang im Durchschnitt. «Zu achtzig Prozent finden die Bewegungen zwischen November und Juni statt», sagt der Fachmann. Puzrin und sein Institut befassen sich in der ganzen Schweiz mit Prob-lemhängen und stehen betroffenen Gemeinden beim Erlass von Bauvorschriften zur Seite. Dass das Erdreich unter St. Moritz sich bewegt, ist seit Langem bekannt. «Schon 1908 hat Professor Heim die Bewegungen am Brattas-Hang beschrieben», so Puzrin.
Autorin: Marie-Claire Jur












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