In diesen Tagen werden St. Moritz und das Engadin von vielen Kunstinteressierten bevölkert. Sammler, Künstler, Galeristen und Kunstliebhaber sind unterwegs, um sich Hunderte von Werken anzuschauen, die im Innen- und Aussenraum präsentiert werden. Auf einem «Walk of Art», einem Kunstspaziergang, lässt sich ein Teil des Gebotenen auf angenehme Weise erkunden. Noch dazu, wenn dieser Spaziergang unter kundiger Führung absolviert wird, wie dies derzeit tagtäglich möglich ist. Es gibt eine Tour für St. Moritz-Dorf und eine, die durch St. Moritz-Bad führt.
Lutz und Guggisberg im Bad…
Wer gleich beide Touren kombiniert, gewinnt einen repräsentativen Einblick in das Werk des Künstlerduos Lutz und Guggisberg. Im Paracelsus-Gebäude neben dem St. Moritzer Heilbad, das für die Dauer der Kunstschau geöffnet ist, präsentieren die beiden Schweizer Andres Lutz und Anders Guggisberg die Video-Installation «Galaxy Evolution Melody», in der sich banale und ausrangierte Alltagsgegenstände aus dem Sammelfundus des Duos selbstständig zu machen scheinen. Eine Viertelstunde lang rollen, fliegen oder verschieben sich die unterschiedlichsten Objekte zu immer neuen Kompositionen. Fasziniert folgt der Betrachter diesem kreativen Spiel, zu dem sich aus dem Hintergrund ein Klangteppich aus Objektgeräuschen und Musik gesellt. Die eine oder andere der gezeigten Videoinstallation begegnet dem Publikum – in unbewegter Form – auf dem Fussboden der ehemaligen Trinkhalle des Paracelsus-Gebäude wieder. Fixiert auf eine Unterlage, die vom Taglicht, das durchs Dach dringt, gut ausgeleuchtet ist. 36 solcher Tafeln liegen schön ordentlich angelegt auf dem Boden. Wie zufällig hingeworfen, aus einem kunterbunten Materialienmix gefertigt, aber doch durchdacht und – wohl nicht immer von Bierernst geprägt – die verschiedensten gesellschaftlichen und kulturhistorischen Themen aufgreifend, wie beispielsweise die Komposition «Revolution», bei der ein ausrangiertes gelbes Zitronennetz den Rauch aus einem Mörser- oder Kanonenrohr symbolisiert. Die Objektassemblagen können als visuelle Protokolle eines Schaffensprozesses angesehen werden, die ein dichtes Geflecht von abstrakten Bildgeschichten abgeben.
…und im Dorf
Einer anderen Facette des Künstlerduos begegnen die Kunstspaziergänger in der Filiale der Julius-Bär-Bank in St. Moritz-Dorf, zwischen Hauptpost und Hotel Badrutt’s Palace gelegen. Es handelt sich um Exponate aus der Sammlung Julius Bär sowie bisher noch unbekannte Arbeiten aus ihrem Atelier: formschöne, zwischen Figürlichkeit und Abstraktion schwebende Skulpturen, die wie in Marmor gemeisselt scheinen, in Tat und Wahrheit aber aus Materialien wie Styroschaum, Gips und Lack gefertigt wurden. Das breite Spektrum, die Vielfalt der verwendeten Materialien und umgesetzten Ideen dieses seit 1996 kooperierenden und mittlerweile weltberühmten Schweizer Künstlerduos ist erstaunlich. Die geführten «Walks of Art» finden täglich und alternierend mal durch St. Moritz-Bad, mal durch St. Moritz-Dorf statt. Sie starten jeweils um 11.00 Uhr in der Julius Bär Art Lounge beim Posthaus oder beim Kempinski Grand Hotel des Bains und dauern rund zwei Stunden.
www.lutz-guggisberg.com
www.stmoritzartmasters.com
Autorin: Marie-Claire Jur












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