Graubünden gehört sowohl auf der Strasse wie auch auf der Schiene zu den Regionen, die am schlechtesten erreichbar sind. Dies zeigen die Indikatoren des Bundesamtes für Statistik. Besonders betroffen von dieser tieferen Standortqualität sind gemäss einer Medienmitteilung der Regierung Tourismusorte wie Davos, die Lenzerheide, Arosa und das Oberengadin.
Wie die am Donnerstag öffentlich gewordene Botschaft zur Planung neuer Verkehrsverbindungen zeigt, dürfen sich die drei erstgenannten Destinationen zumindest Hoffnungen machen, dass sich ihre Situation in naher oder ferner Zukunft verbessern könnte. Zwei der drei Projekte, die von der Regierung als prioritär eingestuft worden sind, betreffen Davos, die Lenzerheide und allenfalls Arosa (siehe Kasten).
Auf den ersten Blick geht Südbünden leer aus. Wobei zu berücksichtigen ist, dass das Engadin indirekt ebenfalls profitieren dürfte von einem geplanten Halbstundentakt zwischen Zürich und Chur. Diesem Projekt misst die Regierung sehr hohe Bedeutung bei. Und: Sollte eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 tatsächlich Realität werden, sind gerade für das Oberengadin erhebliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur geplant (siehe Artikel auf dieser Seite).
Trotzdem überwiegt vor allem im Unterengadin heute ganz klar die Enttäuschung. Was nicht verwundert: Zwei der insgesamt elf evaluierten Grossprojekte sind aus dieser Region eingereicht worden. Konkret betrifft das die Verbindung zwischen dem Engadin und dem Vinschgau mit einem Tunnel von Scuol nach Mals. Und eine neue Bahnlinie zwischen Scuol und Landeck. Die Anbindung vom Unterengadin ins Vinschgau mit geschätzten Kosten von gut einer Milliarde Franken, wird von der Regierung schubladisiert. Will heissen: Das Projekt könnte später allenfalls wieder einmal aktuell werden. Noch schlechter steht es um die neue Bahnverbindung nach Landeck: Dieses Projekt landet im Papierkorb und wird nicht mehr weiterverfolgt.
Georg Fallet ist CVP-Grossrat aus dem Val Müstair und Präsident des internationalen Aktionskomitees der Engadin-Vinschgau-Bahn. Er ist enttäuscht über den Regierungsvorschlag. Dieser zeige klar, dass die Investitionen im Norden geplant seien, der Süden hingegen als unwichtig eingestuft werde. Er wundert sich, dass beispielsweise bei den Kosten nicht mitberücksichtigt worden sei, dass das Tunnelprojekt nach Mals, aber auch die Verbindung nach Landeck von anderen Staaten mitfinanziert worden wären. Gleich sieht es Reto Rauch, Geschäftsführer der Pro Engiadina Bassa. «Schade, dass die beiden Vorhaben nicht unter dem Gesichtspunkt eines Dreiländerprojektes betrachtet worden sind», sagt er. Sowohl Fallet wie auch Rauch sind überzeugt, dass wichtige Tourismusräume besser hätten erschlossen werden können. An einer Sitzung soll nun das weitere Vorgehen besprochen werden. «Wir werden das nicht einfach so auf uns sitzen lassen», sagt Fallet.
Aus finanziellen Überlegungen als völlig aussichtslos sieht die Regierung die Realisierung des Alp Trains. Dieses Projekt hätte die Zentren Zürich, Mailand und München miteinander verbunden, mit Tunnels zu den Bündner Tourismuszentren wie das Oberengadin. Dieses Projekt hätte Milliarden verschlungen.
Die Botschaft wird nun im Dezember in den Grossen Rat kommen. Allerdings nur zur Kenntnisnahme.
Autor: Reto Stifel
Foto: Keystone/Martin Ruetschi












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