Der wolkenverhangene Himmel und der spiegelglatte, tiefgrüne See erzeugen zusammen mit dem fernen Rauschen des Wasserfalls eine mystische Stimmung. Stille liegt über dem Wasser, zu hören ist nur das Ein- und Auftauchen des Paddels (das bei erfahrenen Stand-Up-Paddlern verpönt ist) und die Stimme von Kitesurf- und Stand-Up-Paddle-Lehrer Carl-André Rauth, dessen Paddel natürlich keinen Laut von sich gibt.
Sehr viele Einsatzmöglichkeiten
Stand Up Paddle Surfing oder Stand Up Paddling (SUP) ist die neue Wasser-Trendsportart. Die Surfbretter sind unterschiedlich lang und breit sowie vielseitig verwendbar. Wer gerne Action mag, nimmt das Brett aufs Meer und surft Wellen. Für grosse Wellen braucht es ein langes Brett, für kleinere ein rundes, eher breites. Wer es etwas ruhiger mag, «süppelt» auf einem See mit den Allround-Boards.
Gleichgewicht, Kraft und Technik
Schliesslich gibt es auch Touring und Racing Boards. Erstere für Flussfahrten, letztere für schnelle Rennen. «Stand Up Paddling ist eine schöne Art, sich auf dem Wasser fortzubewegen. Es bietet für jeden etwas und steht allen Altersklassen offen», sagt SUP-Lehrer Carl-André Rauth.
Bevor es dem mit Surfbrett aufs Wasser geht, erklärt Carl-André, den alle Charly nennen, wie man im Sitzen und im Stehen paddelt, wie das Brett gewendet wird oder wie man von einer knienden Position aufsteht. Dann geht es ab aufs Wasser. Man beginnt im Knien, hält das Paddel mit beiden Händen gerade vor sich und steht auf «wie ein Gewichtheber». Am Anfang fühlt es sich wackelig an. Man steht breitbeinig in der Mitte des langen Bretts, die Füsse leicht nach aussen abgedreht.
«Du musst das Paddel so weit vorne wie möglich gerade einstecken und kraftvoll nahe am Brett entlang nach hinten ziehen, bis zur Hüfte, dann in einem 45-Grad-Winkel raus und vorne wieder gerade rein», sagt Charly und zeigt es vor. Das Gleichgewicht auf dem langen, breiten Surfbrett kommt schnell, aber den Kurs zu halten ist nicht einfach. Statt gerade zu fahren, driftet es immer leicht nach rechts oder nach links. Um den Kurs zu korrigieren, wechselt das Paddel öfters von einer Seite auf die andere.
Ursprung in Hawaii
Neu ist der Trendsport eigentlich nicht. Er kommt aus Hawaii, wo die lokalen Surfcracks in den 50er- und 60er-Jahren versuchten, den Touristen damit zu helfen, in die Wellen zu kommen. Genannt wurde der Sport damals «Beach Boy Surfing». Mit den immer kürzer werdenden Brettern verschwand der Wassersport jedoch wieder. Ab den 2000er-Jahren kam er in Maui auf Hawaii wieder auf und verbreitet sich seither weltweit. «Wir haben vor vier Jahren mit drei Brettern angefangen und haben inzwischen zwölf», sagt Charly. SUP sei das «no wind, no wave»-Programm. Ziel aber ist es, noch mehr geführte Touren auf dem Silvaplaner-, St. Moritzer- und Silsersee durchzuführen.
Auch bei Regen schön
Mitten im Silvaplanersee auf einem Brett zu stehen, mit einem Paddel in der Hand und eine Wasseroberfläche zu überqueren, in der sich die Berge und der Himmel spiegeln, eröffnet einem tatsächlich eine andere Perspektive auf die vertraute Landschaft. Heute spiegeln sich zwar Wolkentürme im Wasser und auf dem Rückweg regnet es, aber das trübt die euphorische Stimmung nicht. Was vorher kurz vor Erreichen des Beachclubs Sils so wunderbar geklappt hat, als der Kurs endlich gerade war und die Paddelstösse kräftig genug, um mit Speed voranzukommen, will nun mit den kleinen Wellen und dem leichten Wind und Regen nicht mehr gelingen. Doch schliesslich kommen die SUPs nass, aber glücklich und unter grossem Einsatz der Bauchmuskulatur wieder beim Kitesurfzentrum in Silvaplana an.
Autor: Sarah Walker












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