Kinder erleben Musik

2011 ist der Heilpädagogische Dienst Graubünden (HPD) 40 Jahre alt geworden. In diesem Rahmen wurden in verschiedenen Regionalstellen in Graubünden Klanggärten aufgebaut.

Ungewohnte Musik ertönt aus dem Garten des Heilpädagogischen Dienstes Graubünden (HPD) in Samedan. Zehn Kinder entlocken Instrumenten aus natürlichen Materialien wie Stein und Holz sanfte Töne. Eine kleine Gruppe von Kindern versammelt sich um eine steinige Klangschüssel und lässt darin Kugeln, die ebenfalls aus Stein geformt sind, herumrollen. Zu diesen hellen Klängen mischen sich die Töne einer Steinorgel, die von zwei anderen Kindern zum Klingen gebracht wird. «Das ist ja die Tonleiter und das hier ist das C. Bei mir auf der Geige klingt das aber ganz anders», bemerkt ein kleiner Junge. Des Weiteren stehen im Garten ein Lithophon, welches in seinem Aussehen stark an ein übergrosses Xylophon aus Stein erinnert, und ein Klingtisch, der mit einer Steinstange zum Klingen gebracht wird. Zusammen mit zwei Früherziehern und zwei Psychomotoriktherapeuten entdecken die Kinder Musik von einheimischen Naturprodukten in neuen Dimensionen.

40 Jahre HPD Graubünden
Der HPD erbringt pro Jahr umfassende Dienstleistungen für rund 500 Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten oder Behinderungen im Vorschul- sowie im Schulalter. Zusätzlich erhalten Eltern und Fachpersonen eine beratende Unterstützung. Das 40-jährige Bestehen im vergangenen Jahr nutzte der Audiopädagoge der HPD und Musiktherapeut Jan Flendrie, um in den Räumlichkeiten der Regionalstellen ein spezielles Instrumentarium zur Verfügung zu stellen. In verschiedenen Regionalstellen des Kantons wurden so temporär Klanggärten eingerichtet, die den betreuten Kindern, ihren Begleitpersonen und den Mitarbeitenden des HPD die Möglichkeit boten, sich auf eine Klangreise zu begeben. Der Jubiläumsakt klingt in dieser Woche im Engadin aus.
«Wir haben das Thema Musik gewählt, weil wir herausfinden wollten, welche Wirkung die Musik auf Körper und Psyche hat», so Anny Unternährer, Psychomotoriktherapeutin und Koordinatorin der Region Engadin und Südtäler. Das Spezielle an diesen Instrumenten ist, gemäss Unternährer, dass die Kinder diese nicht erst lernen müssen, sie können einfach drauflosspielen. «Das Musizieren fordert die Kinder in verschiedenen Aspekten. Auf Kinder, die eher hyperaktiv sind, wirkt es beruhigend, zurückhaltenden Kindern hingegen gibt es die Möglichkeit, aus sich herauszukommen.» Wichtig sei auch die Tatsache, dass die Leistung nicht gewertet werde, so entstehe kein Druck.

Flächendeckender Dienst
«Für die nächsten 40 Jahre wünschen wir uns eine noch bessere Integration für Kinder mit Behinderungen oder Entwicklungsauffälligkeiten», sagt Unternährer. «Uns ist sehr wichtig, dass wir einen flächendeckenden Dienst in ganz Graubünden anbieten und für die Früherziehung zu den Familien nach Hause gehen können», fügt Silvana Dermont, Heilpädagogische Früherzieherin hinzu. Auch die Psychomotorik ist ein wichtiges Angebot der HPD. Kinder mit psychomotorischem Entwicklungsrückstand fallen im Sozial-, Emotional- sowie im Bewegungsverhalten auf. Demnächst kommt eine wichtige Veränderung auf den HPD zu. Der Bereich der Psychomotorik wird mit der Umsetzung des neuen Schulgesetzes in die Verantwortung der Schulgemeinde übergehen. «Für uns wäre es ideal, wenn die HPD angestellt bleiben und die Schulen die Therapien einfach bei uns einkaufen würden. Das wäre die einfachste Lösung für alle Beteiligten, da wir bereits über Fachpersonal und Räumlichkeiten verfügen», sagt Unternährer.
Zum Schluss dürfen die Kinder ein «Gewitter» veranstalten. Dabei gibt es Instrumente, die Wind, Regen, Donner und Sonne symbolisieren. Vor allem der Donner – ein riesiger Gong – scheint es den Kindern angetan zu haben. Auf die Frage hin, ob es ihnen gefallen hat, antworten die Kinder mit einem einstimmigen und lauten «Schi».

Autorin: Vanessa Müller

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