Der St. Moritzer Gemeinderat hat am vergangenen Donnerstag im Grundsatz Ja gesagt zur Gründung der Talentschule. Der letztlich klare Entscheid hatte sich zu Sitzungsbeginn noch nicht abgezeichnet. Da waren vor allem seitens der CVP und der FDP Vorbehalte zu hören. Von einem nicht aktuellen Konzept wurde gesprochen, von einem fehlenden Businessplan oder einem unklaren Budget. «Es sind einfach noch zu viele Fragen offen, um heute entscheiden zu können», sagte Gemeinderat Beat Mutschler seitens der CVP-Fraktion.
In der Tat sind einige Fragen zur Talentschule ungeklärt. Insbesondere ist offen, welche Kinder überhaupt eine solche Schule besuchen dürfen. Gemäss dem St. Moritzer Schulleiter Reto Matossi ist der Besuch der Talentschule an strenge Bedingungen geknüpft, die vom Bündner Amt für Volksschule und Sport erst noch kommuniziert werden müssen. Matossi rechnet mit einem Entscheid in den nächsten Wochen. In seinen provisorischen Berechnungen ist er von einer Schülerzahl von 14 ausgegangen, «eher ein pessimistisch gerechneter Wert», vermutet Matossi.
Erst ab der Oberstufe
Allerdings ist das mögliche Schülerpotenzial durch einen Entscheid des zuständigen Regierungsrates Martin Jäger kleiner geworden. Dieser hat nämlich festgelegt, dass Talentklassen erst ab der Oberstufe geführt werden dürfen und nicht bereits für die 5. und 6. Klasse. «Das war für mich eine Hiobsbotschaft, mit der ich nicht gerechnet habe», gab Matossi unumwunden zu. Gerade in der vorpubertären Phase wäre die Förderung sehr wichtig. Zudem hätte der Einbezug der Mittelstufe II der Talentschule eine gewisse Planungssicherheit gebracht. Die Schüler sollen nicht nur aus der Region kommen, sondern aus dem ganzen Kanton und der Schweiz.
Finanziert wird die Talentschule über Beiträge der Gemeinden, des Kantons und der Eltern. Die Trainer werden von den Vereinen und Verbänden gestellt und auch von diesen entschädigt. Trotzdem dürfte die Schule nicht kostendeckend zu betreiben sein, dafür wären 45 Schüler nötig. «Das ist eher unrealistisch», sagte Matossi.
«Die Frage ist doch einfach die, was uns diese Schule wert ist», sagte Gemeinderat Rino Padrun (FPD). Die Schule habe eine enorme Bedeutung für die Talschaft, da seien 50'000 Franken Defizit mehr nicht matchentscheidend. Für Gemeindevorstand Hansruedi Schaffner (FDP) ist politischer Mut gefragt. Bremswirkung bei allzu roten Zahlen habe sowieso die Budgetversammlung. An das Grundsatz-Ja des Gemeinderates ist die Bedingung geknüpft, dass der Gemeinderat und im Dezember auch die Gemeindeversammlung das Budget gutheissen.
Grosser Zeitdruck
Reto Matossi freute sich über den Entscheid. Bis Mitte Monat soll eine Elterninformation stattfinden, bis Ende Oktober müssen die Anmeldungen vorliegen. Dann werden Lehrer gesucht und sobald das Budget genehmigt ist auch angestellt. Verläuft alles plangemäss und liegen genügend Anmeldungen vor, soll auf das Schuljahr 2013/14 mit der Talentschule für Sport und Musik in Champfèr gestartet werden. Den grossen zeitlichen Druck will Matossi nicht wegdiskutieren. Für ihn stellt sich die Frage, ob man von Anfang an dabei sein will oder nicht». Andere Schulen wie Ftan würden nur darauf warten, selber Talentklassen in einer öffentlich-rechtlichen Schule führen zu können. Das Hochalpine Institut in Ftan trägt das Label «Swiss Olympic Sport School», erhält aber als privat geführte Mittelschule keine finanzielle Unterstützung vom Kanton. Erst vor einer Woche hat das Unterengadiner Regionalparlament mögliche Lösungen diskutiert.
Autor: Reto Stifel












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