Maloja liegt an besonderer Lage – geografisch zwischen dem Südtal Bergell und dem Kulminationspunkt der Oberengadiner Seenlandschaft. Politisch gehört der Weiler zur Gemeinde Bregaglia, touristisch hat er mehr mit dem Oberengadin gemein.
Die touristische Vermarktung erfolgt seit einigen Jahren, nachdem die Bergeller Gemeinde-fusion in Kraft trat, durch zwei Organisationen – die Destination Engadin St. Moritz (ESTM) und Bregaglia Engadin Turismo (BET). ESTM betreibt die Infostelle in Maloja und übernimmt einen Teil von Vermarktung und Verkauf des lokalen touristischen Angebots. Der BET obliegt die Kooperation mit Graubünden Ferien («Klein aber fein»), ebenfalls Vermarktung sowie die Organisation von Veranstaltungen vor Ort. Die Zusammenarbeit zwischen dem damaligen Kurverein von Maloja und ESTM basierte auf einem fixen, verlängerbaren Vertrag, der mit der Tal-fusion von der Gemeinde Bregaglia übernommen wurde, per Ende 2011 jedoch auslief. Für 2012 wurde zwischen den Partnern eine Übergangslösung vereinbart: Für die Dienstleistungen der ESTM zahlt die Gemeinde Bregaglia rund 270 000 Franken.
Vier Kooperationsmodelle
Doch die Kooperation braucht ab 2013 wieder ein stabileres Fundament. Bei bisherigen Verhandlungen stand aber immer wieder die Kostenfrage im Zentrum: Die Gemeinde Bregaglia wollte weniger zahlen als ESTM verlangte. Dies brachte die Bergeller Tourismuskommission dazu, das Kooperationsmodell grundsätzlich zu hinterfragen. Wie deren Präsident Luca Giovanoli an der Gemeindeversammlung vom Donnerstag ausführte, wurden in den letzten Monaten vier Lösungsvorschläge diskutiert: Die Übernahme der Infostelle Maloja durch die BET – bei gleichzeitiger Teil-Vermarktung des Angebots durch die ESTM. Eine Variante, die von der Bergeller Tourismuskommission favorisiert wurde, für die ESTM aber nicht in Frage kam.
Als weitere Variante stand die Abkoppelung von der ESTM im Raum: Die BET hätte die Infostelle mitsamt Marketing übernommen. «Eine drastische Lösung», meint Giovanoli. Sie hätte Maloja in touristischer Hinsicht gleichsam vom Oberengadin getrennt.
Ein weiterer Vorschlag kam von der Destination, nämlich die Integration der BET in die ESTM, mitsamt des Marketings für das ganze Tal und den Infostellen Maloja, Stampa und Soglio. «Nachdem diese Variante lange Zeit für die Oberengadiner tabu war, hat uns dieser Vorschlag überrascht», sagte Giovanoli. Und von Hoteliers, Gemeindevorstand und Tourismuskommission als «noch nicht ausgereift» und «zu früh für eine Umsetzung» vorläufig ad acta gelegt.
Schlechte Zeit für Systemwechsel
Die vierte in Erwägung gezogene Kooperationsvariante war der Status quo, sprich die Beibehaltung des Vertragsmodells, wie es bis Ende 2011 Bestand hatte. Angesichts der kommenden Gebietsreform in Graubünden und der absehbaren Einführung einer kantonalen Tourismusabgabe werde es bestimmt bald zu strukturellen und betrieblichen Änderungen im Gefüge der Tourismusorganisationen kommen, führte Giovanoli aus. Deshalb sei es besser, zum derzeitigen Zeitpunkt keine grossen Änderungen einzuleiten und die Kooperation zwischen ESTM und BET über die nächsten drei Jahre nach dem gehabten Muster weiterlaufen zu lassen. Für einen Jahreskostenanteil in der Grössenordnung von 320 000 Franken. Ein Betrag, bei dem die Gemeinde noch «gut davon komme», urteilte Hotelier und Gemeindevorstand Jürg Wintsch. Vor allem angesichts der absehbaren Aufstockung des Globalbudgets der ESTM um jährlich eine Million Franken, das den Tourismus für die Oberengadiner Gemeinden über die nächsten vier Jahre verteuern werde (siehe Artikel auf der Front dieser Ausgabe).
Die Bergeller Stimmbürger folgten der Argumentation von Tourismuskommission und Gemeindevorstand und hiessen einen entsprechenden Antrag um Fortführung der Zusammenarbeit in diesem Sinne gut. Die weiteren Geschäfte wurden ebenfalls gut geheissen (Friedhofreglement, Planung grenzübergreifendes Schulprojekt, Kostenrechnung Gemeindezentrum samt Zusatzkredit für Schallisolation).
Maloja soll 2013 bis 2015 weiterhin auch von der ESTM vermarktet werden. Ein Systemwechsel wird zum jetzigen Zeitpunkt als ungünstig angesehen.
Autorin: Marie-Claire Jur












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