2008 sorgte ein Hotelprojekt in Celerina für grosse Diskussionen: Der geplante 77 Meter hohe Kristall des Tessiner Architekten Mario Botta kam allerdings nicht über das Stadium der Projektskizze hinaus: Mit einer Dreiviertel-mehrheit wurde die Idee in einer Konsultativ-Abstimmung beerdigt. Die Dimensionen des Projektes und die Architektur waren ausschlaggebend gewesen für das Nein. Das hat eine später von der Gemeinde durchgeführte Umfrage aufgezeigt. Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung hatte sich damals aber auch gewünscht, dass die Gemeinde bei der Hotelförderung eine aktivere Rolle übernimmt.
Konkrete Absichten
Konkret ist dann aber nichts passiert. Zwar gab es immer wieder Interessenten für den Bau eines Hotels, über unverbindliche Gespräche hinaus sind die Kontakte aber nie gegangen. Bis jetzt die Gemeinde und die AG Suvretta-Haus miteinander ins Gespräch gekommen sind. Die Betreiberin des 100-jährigen Luxushotels Suvretta House in St. Moritz möchte in Celerina investieren: In ein Hotel mit 100 bis 120 Betten, in Mitarbeiterunterkünfte mit 80 bis 100 Betten und in 30 Wohneinheiten für Mitarbeitende. Mit dem Hotel soll gemäss einer Medienmitteilung der Gemeinde eine Alternative im mittleren Preissegment zu den Vier- und Fünf-Sterne-Häusern geboten werden. Als Zielgruppe werden unter anderem eine jüngere Kundschaft und Familien genannt.
Zu stehen kommen soll der Hotel- und Wohnkomplex mitten im Dorf, dort wo sich heute die Tennisplätze, das Feuerwehrlokal, ein Restaurant, eine Bäckerei und der Spielplatz bei der Schule befinden. Nähere Informationen zum Projekt und zu den Kosten waren auf Anfrage nicht in Erfahrung zu bringen. Die AG Suvretta-Haus will zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen und verweist auf die Gemeinde.
Dorfkern beleben
Celerinas Gemeindepräsident Räto Camenisch bezeichnet das Projekt zusammen mit diesem Partner als Chance, die es zu packen gilt. Celerina habe in den letzten Jahren viele Betten in der Hotellerie verloren. «Die Belebung und Attraktivitätssteigerung ist ein klares Ziel der Gemeinde. Das können wir mit diesem Projekt erreichen», ist er überzeugt.
Noch ist der Weg bis zur Realisation ein weiter. Als Erstes ist eine Koopera-?tionsvereinbarung unterzeichnet worden. Zurzeit wird eine konkrete Projektstudie ausgearbeitet und da will die Gemeinde mitreden können. «Gerade die Gestaltung ist an dieser exponierten Lage sicher ein wichtiger Aspekt», sagt Camenisch.
Abgabe im Baurecht
Das Land, das heute in Gemeindebesitz ist, würde als selbstständiges und dauerndes Baurecht für 90 Jahre abgegeben. Zudem muss eine Umzonung erfolgen. Sowohl zur Umzonung wie auch zum Baurechtsvertrag können sich die Stimmbürger äussern, voraussichtlich an einer Gemeindeversammlung in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres. Welchen Teil der Investitionskosten die Gemeinde tragen wird, ist zurzeit noch nicht klar. Sicher die 150 bis 200 öffentlichen Parkplätze, die in der unterirdischen Einstellhalle geplant sind, und das Langlaufzentrum, das ebenfalls in den Komplex integriert würde. Offen ist, wer das geplante Restaurant als Ersatz für das «La Perla» oder Verkaufslokalitäten finanzieren würde. Neue Standorte gefunden werden müssen zudem für die Plätze des Tennisclubs, für das Feuerwehrlokal und den Spielplatz. Offen ist auch die Frage der Erschliessung. Gemäss Camenisch geht man heute von einer oberirdischen Zufahrt aus, denkbar sei aber auch eine unterirdische Erschliessung des neuen Parkhauses und eventuell sogar der Bergbahnen über einen Tunnel. «Das ist aber heute nicht mehr als eine Vision», sagt er.
Autor: Reto Stifel












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