Das halbvolle Glas – ein Kommentar

Der Souverän von Celerina hat entschieden: Auf dem Fussballplatz San Gian kann ein Betriebsgebäude realisiert werden. Gelegenheit, eine jahrzehnte alte Pendenz zu erledigen. Nachfolgend der Kommentar dazu.

Der Optimist freut sich über das halbvolle Glas. Der Pessimist hingegen ärgert sich, weil das Glas halbleer ist. Bezogen auf den Fussballplatz San Gian in Celerina wird es die geben, die einfach nur froh sind, dass die unhaltbare Situation mit den zusammengewürfelten Containerbauten endlich zu einem Ende kommt. Andere wiederum sehen das Glas halbleer – sie trauern der Chance nach, dass im Projekt nicht gleich auch ein zweiter Fussballplatz mit Kunstrasen und Beleuchtung realisiert werden kann. Oder dass die Frage der Sport-Infrastrukturen nicht aus einer gesamtheitlichen Optik angegangen worden ist. Stichwort Langlaufzentrum.
Bei nüchterner Betrachtung kommt man zum Schluss, dass für diesen Standort das Optimum erreicht worden ist. Noch vor wenigen Jahren waren die Fronten zwischen dem Fussballclub, der Gemeinde und dem Landschaftsschutz so verhärtet, dass jegliche bauliche Massnahmen in diesem nationalen Schutzgebiet praktisch undenkbar waren. Für die jetzt vorliegende Lösung mussten alle Parteien einen Kompromiss eingehen: Die Gemeinde hat mit der Übernahme der Investitionen von insgesamt über fünf Millionen Franken ein klares Bekenntnis zum Fussballsport in Celerina abgegeben. Der FC Celerina hat den Traum von einem zusätzlichen Kunstrasenfeld begraben müssen und die Landschaftsschützer werden mit einer Lösung leben können, die verglichen mit der heutigen Situation einem Quantensprung gleich kommt.
Für den Standort San Gian ist es eine gute Lösung. Alternativen sind geprüft, mangels Tauglichkeit aber wieder fallen gelassen worden. Eine gute Lösung ist es vor allem, weil ein Klub, der sich sehr stark und erfolgreich im Nachwuchsbereich engagiert, auch neben dem Rasen eine Infrastruktur erhält, die er eigentlich schon seit Jahren verdient hätte.
Wer das Glas immer noch halbleer sieht sollte bedenken, dass in Samedan, keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt, vor wenigen Monaten eine neue Sportanlage eingeweiht worden ist. Unter anderem mit einem Kunstrasen und Beleuchtung. Eine ideale Ergänzung zum Fussballplatz San Gian. Zu hoffen ist, dass diese Synergien erkannt und in Zukunft auch genutzt werden. Wenn das gelingt, ist das Glas definitiv mehr als halbvoll.

Autor: Reto Stifel

 

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