Gegensätzliche Meinungen

Sind Olympische Winterspiele in Graubünden machbar? «Ja», sagen die Befürworter. «Nein, unter keinen Umständen», die Gegner. Ein Podiumsanlass in St.Moritz zeigt: Eine Annäherung der Positionen dürfte schwierig werden.

Fazit eins der Podiumsveranstaltung vom vergangenen Freitagabend: Das Thema Olympia-Kandidatur St.Moritz/Davos bewegt: Rund 150 Personen haben den vom Forum Engadin organisierten Anlass in St.Moritz besucht. Dies obwohl es bis zur Abstimmung noch fünf Monate geht. Fazit zwei: Neues war von beiden Seiten nicht zu hören. Die Olympia-Promotoren sind an der Vertiefung der Machbarkeitsabklärung – viele Fragen sind offen. Die Kritiker operieren mit den Argumenten, die sie bereits bei früheren Olympia-Bemühungen gebracht haben: Zu gross, zu teuer und nicht nachhaltig. Fazit drei: Die Gegner distanzieren sich ganz klar von der Idee. Zu einer Mitarbeit am Olympia-Konzept wird es – zumindest in der Kandidatur-Phase – nicht kommen.

«Kann nicht funktionieren»
Gian Gilli, Direktor des Kandidatur-Komitees und Hans F. Schneider, Geschäftsführer von Pro Natura Graubünden waren es, die unter der Gesprächs-?leitung von «Südostschweiz»-Redaktor Stefan Bisculm die Klingen kreuzten.
Für Schneider ist klar, dass Olympische Winterspiele in Graubünden nie funktionieren können. Weil so ein Anlass viel zu gross ist, weil die Kosten enorm sind und die Budgets im Normalfall um das Mehrfache überschritten werden und weil ein solcher Anlass nicht nachhaltig sein kann. «Temporäre Bauten für eine Milliarde Franken, die nach dem Anlass wieder verschwinden sind nicht nachhaltig», sagte er. Seiner Ansicht nach haben die Olympia-Promotoren mit ihrem Konzept sowieso ein falsches Verständnis des Begriffs Nachhaltigkeit.
«Olympia baut Bestehendes um und modernisiert, entgegnete Gilli. Nur schon die Kandidatur löse in den Regionen die wichtigen und nötigen Diskussionen aus, welche Infrastrukturen erneuert werden müssten. Das Engadin habe bezüglich Infrastruktur, Preis-Leistungsverhältnis und Angebot leider an Glanz verloren. «Wir dürfen nicht zum Reservat werden, wir müssen konkurrenzfähig bleiben, und wir müssen unseren künftigen Generationen Perspektiven aufzeigen», sagte Gilli. Das beurteilt Schneider ähnlich: Nur will er einen anderen Weg gehen. «Das Oberengadin muss den heutigen Tourismus qualitativ sichern oder aber einen anderen Tourismus anbieten.» Die Gegner einfach als ewige Nein-Sager abzustempeln, greife zu kurz. «Wir sind durchaus bereit, konstruktiv mitzuarbeiten», sagte er mit Verweis auf die Ski-WM. Allerdings nur dann, wenn man aus ökologischer Sicht die Chancen für Verbesserungen sehe. Und das sei bei Olympia definitiv nicht der Fall.

An Pionierleistungen anknüpfen
Im Publikum war die Stimmung eher für die Kandidatur. Verschiedene Votanten erinnerten an die Pionierleistungen früherer Jahre oder an Grossanlässe wie die Olympischen Spiele 1928 und 1948 oder die Ski-WM 2003. «Einfach nichts machen geht nicht. Mit grossen Events bleiben wir bekannt. Diese Chancen müssen wir packen», sagte ein Besucher unter Applaus. Auf der Gegenseite wurde gefragt, was denn das wirklich Innovative an solchen Spielen sei. Auch wurden bezüglich der Finanzen und der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aufdiktierten Vertragsbedingungen grosse Bedenken angemeldet.
Laut wurde es an diesem Abend nur einmal. Dann nämlich, als Schneider sagte, dass das IOC später durchaus verlangen könne, den Olympia Bobrun St.Moritz–Celerina – den einzigen Natureiskanal der Welt – in eine Kunsteis-Bobbahn umbauen zu müssen. «Sie behaupten einfach irgendetwas, ohne überhaupt je einmal an Olympischen Spielen gewesen zu sein», entgegnete ein sichtlich verärgerter Gilli.

Autor: Reto Stifel

Foto: Reto Stifel
 

Kommentare

Interessant ist es schon, das Für und Wider zum Thema Olympia. Keiner hat bis dato sich Gedanken gemacht, dass der mediale Aspekt bis zum jahre 2022 ein ganz erheblicher sein wird; nämlich u,U. auch zum großen Nachteil. Dann nämlich, wennin warme Wohnzimmer, große Hallen in 3D; HD+, und und, was da sioch noch entwickelt, die Zuschauer ganz woanders sich aufhalten werden: Da, wo es kein Verkehrchaos gibt, keine Wetter und Kälteeinflüsse, wo kein Anstehen bei Getränkekauf herrscht und wo die Engadiner Kalbsbratwurst nur 6 Fanken 50 kostet und keine 28,50 und auch noch kein Eintritt berappt werden muss, Also Abwarten, was passiert!!
Ja, Herr Lüscher, das haben Sie recht, aber das erledigen die Engadiner auch ohne Olympiade, die Kunden werden auch ohne diese vertrieben.
ja, Gäste hat es schon seit längerer Zeit keine mehr im Engadin; man nennt sie Zahler oder etwas freundlicher Kunden. Olympia 2000weissdergeierwann, wird auch diese endgültig vertreiben.
Die Olimpischen Winterspiele sind eine interesante Sache für die Sponsoren. Doch für das Engadin, und für Graubünden eine zu Kurze und zu Teuere Veranstaltung. Die hotels müssten wie damals Ski WM 2003 Ihre Stammgäste vertrösten, und falls die vertrösteten Stammgäste in den folgenden Winter und Sommer ausbleiben kann man nur noch eine grosse Staumauer am Anfang und am Ende des Tals Bauen und die Ländereien der Firma REPwoer überschreiben - nur noch ein Stausee wäre dann sinnvoll.
Welche Gäste? hat ja bereits jetzt keine mehr.

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