Kommentar – Den Dialog verweigert

Am Freitag, 29. September, hat in St. Moritz eine Podiumsveranstaltung zur möglichen Olympiakandidatur stattgefunden. Die Klingen gekreuzt haben Gian Gilli (pro) und Hans F. Schneider (contra). Nachfolgend ein Kommentar zu diesem Anlass.

Man kann heute, fünf Monate vor der Abstimmung, zur Olympia-Kandidatur stehen, wie man will. Wichtig ist, dass die Idee nicht einfach weggewischt wird wie die lästige Fliege auf der Nase. Die Stimmbürger sollen sich mit dem Projekt beschäftigen, sich mit Pro und Contra-Argumenten auseinandersetzen und sich für den Urnengang vom 3. März eine eigene Meinung bilden.
Der Dialog in der Bevölkerung findet statt. Dieses Ziel haben die Olympia-Promotoren bereits erreicht. Ob am Stammtisch, im Sportverein, auf dem Schulhausplatz oder im Online-Forum: Olympia ist ein Thema, die Diskussion wird geführt, das Interesse ist geweckt. Und das ist gut so.
Klar ist die Haltung der Umweltverbände. Sie verweigern jede Zusammenarbeit mit den Olympia-Promotoren mit dem Hinweis, dass sie das Kandidatur-Dossier nicht «begrünen» wollen. In der Tat kann von den Verbänden nicht verlangt werden, dass sie an einem Projekt mitarbeiten, dass sie von allem Anfang an als Alptraum betiteln. Zumindest aber dürfte erwartet werden, dass die Kritiker in Diskussionsrunden wie am Freitagabend in St.Moritz ihre Meinung mit gut begründeten Argumenten einbringen. Wer aber primär Fundamental-Opposition betreibt, polemisiert und Pauschal-Kritik bemüht, die schon bei früheren Kandidaturen vorgebracht worden ist, verweigert den Dialog.
Auch die Gegner sollten zumindest anerkennen, dass diese Kandidatur eine ganz andere ist. Eine, die eine Alternative sein könnte zum Olympia-Gigantismus von heute. Eine, die neue Wege aufzeigt. Und eine, die es zumindest verdient, sachlich und fachlich beurteilt zu werden. Noch bleiben fünf Monate Zeit bis zur Abstimmung. Zu hoffen ist, dass auch den Umweltschutzverbänden daran liegt, Teil dieses Dialogs zu werden, der erfreulicherweise in Gang gekommen ist.
Am Freitagabend hat man davon leider wenig bemerkt.
 

Autor: Reto Stifel

Kommentare

Nur Mut, ich hoffe, dass die Zusage kommt, auch wenn Visionen und Nachhaltigkeit ausgesprochen werden. Warum denn Planungen wie "Umfahrung Bivio und Mulengs", Passöffnung Flüela, Wahnsinnsbauten in allen Ortsteilen des Oberengadins, Restplanungseingaben vor Zeitwohnungsgesetzt. Ich freue mich darüber, dann dann wird das Engadin 8 Jahre als Großbaustelle mit 55 Ampelregelungen die Touristen vollends "erschöpfen". Die Bergwelt ist weder kantig noch zugeknöpft, aber sie sollte einfach nur schön und nahe dem Menschen bleiben
Sehr gut geschrieben und die Stimmung sehr anschaulich zusammengefasst. Olympia für das Bündnerland eine Schuhnummer zu gross? Keinesfalls. Die Schweiz könnte visionär vorangehen und zukünftigen Mitbietern aufzeigen, dass 2022 und Nachhaltigkeit durchaus kein Widerspruch zu sein haben. Es gäbe zu denken, sollte das Projekt ausdrücklich am Klischee scheitern, die Bergwelt sei kantig und zugeknöpft. Wie wärs mit den urbündnerischen Charakterzügen frisch, natürlich, authentisch und weltoffen? Die Welt staunte über London. Sie kann auch über St. Moritz staunen.

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