Die meisten Südbündner Haushalte und Gewerbebetriebe können 2013 von einem tieferen Strompreis ausgehen. Die Preisreduktionen für einen Vierzimmer-Haushalt bewegen sich im Oberengadin im Mittel zwischen vier und fünf Prozent. Bei den kleinen Gewerbebetrieben (bis 30 000 kWh/Jahr) können die Tarifreduktionen teils bis gegen minus acht Prozent betragen.
Augenfällig ist im Gemeindevergleich die Höhe der Abgaben. Während in gewissen Gemeinden lediglich die obligatorische Bundes-Förderabgabe von 0,45 Rappen/kWh verrechnet wird (beispielsweise in Pontresina), haben Stromkunden in Samedan zusätzlich 0,8 Rappen pro Kilowattstunde an das Gemeinwesen zu bezahlen, in St. Moritz 1 Rp./kWh, in Bever 1,5 Rp./kWh und in Silvaplana 1,6 Rp./kWh. Augenfällig sind zudem die generellen Tarifschwankungen in der Region. Nimmt man den Schweizer Haushaltsdurchschnitt der Elcom (4-Zimmer-Woh-?nung) von 19,4 Rappen, bewegen sich etliche Oberengadiner Gemeinden im schweizweiten Strompreiswettbewerb im oberen Drittel der Skala. Bever, Samedan, Silvaplana und Pontresina zum Beispiel weisen Grundtarife von über 25 Rp/kWh aus. Leicht unterdurchschnittliche Stromtarife finden sich in dieser Vergleichskategorie im Unterengadin.
Wenn im Vergleich zu 2012 der Strom für die meisten Endverbraucher günstiger wird, so werden doch die einen oder anderen mehr zu bezahlen haben: In Samedan erhöht sich der Stromtarif des EW Samedan in der Kategorie gewerbliche Kleinbetriebe um knapp 41% auf 23.8 Rp./kWh, wobei die Preisanpassung für die Netznutzung um über 122 % ansteigt. Dies erkläre sich aus dem Deckungstarif, der aufgrund von Investitionen zur Anwendung gelange, erklärt Helmuth Egger von der Gemeinde Samedan.
Tiefpreise im Bergell
Zu einem unschlagbar tiefen Tarif können die Bergeller ihren Strom einkaufen. Als Konzessionsgemeinde der Elektrizitätswerke Zürich profitiert die Gemeinde Bregaglia Tal von Vorzugspreisen. 2011 betrug der Grundtarif 9.96 Rp./kWh (davon Abgaben von 1.32 Rp.) 2012 sank der Tarif auf gut 9.6 Rappen. Wie er nächstes Jahr aussieht, wird sich an der nächsten Budgevtersammlung der Gemeinde herausstellen.
Seit wenigen Jahren müssen die Stromrechnungen den Endverbrauchern im Detail präsentiert werden. Dadurch wird ersichtlich, dass vier Komponenten den Strompreis bestimmen, nämlich der Netznutzungstarif, also der Preis für den Stromtransport vom Kraftwerk ins Haus, der Energiepreis für die effektiv gelieferte Elektrizität, die Abgaben an das Gemeinwesen (kommunale oder kantonale Gebühren und Konzessionsabgaben) sowie Bundesabgaben zur Förderung erneuerbarer Energien (kostendeckende Einspeisevergütung KEV) und zum Schutz von Gewässern und Fischen.
Preisbestimmende Faktoren
Von diesen vier Bestandteilen ist einzig die Bundesabgabe fix. Sie wird jährlich vom Bundesrat festgelegt und ist landesweit gleich hoch. Die drei anderen Faktoren sind variabel, hängen von den Stromanbietern, Gemeinden und vom Kanton ab und werden alljährlich neu bestimmt. Einfluss nehmen hinsichtlich der Preisgestaltung können die Gemeinden in erster Linie beim Netznutzungstarif, wo sie mehr oder weniger für die Durchleitung des Stroms über ihre Gemeindeleitungen verlangen können. Repower, EWZ, Engadiner Kraftwerke heissen die grossen Stromversorger Südbündens. Dazu gesellen sich kommunale Kraftwerke, wie beispielsweise in St. Moritz, Samedan, Zernez oder Samnaun. Meist können diese kleineren Gemeinde-E-Werke den Strombedarf der lokalen Bevölkerung nur zeitweise abdecken. Sie müssen bei den grossen Anbietern zusätzlichen Strom einkaufen. Im Gegensatz zu den Grosskunden (ab 100 000 kWh/Jahr) können die Endverbraucher ihren Stromlieferanten nicht auswählen. Sie können ihre Stromrechnung lediglich durch die Menge und den Zeitpunkt ihres Energiekonsums beeinflussen oder durch die Wahl des einen oder anderen spezifischen Stromproduktes (Aufschlag für div. Ökostrom-Varianten). Wie hoch die Stromrechnung des Endverbrauchers letztlich ausfällt, ist also von vielen Faktoren abhängig und macht Tarifvergleiche sehr schwierig.
Dennoch gewährt der Strompreisvergleich der eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom interessante Informationen. Gerade was die Strompreisgestaltung fürs kommende Jahr betrifft, in dem ein Schweizer Durchschnittshaushalt 19,3 Rappen pro kWh Strom bezahlen wird.
Autorin: Marie-Claire Jur












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