Man könnte meinen, das windige Oberengadin biete ideale Voraussetzungen für eine Windkraftanlage. Offenbar nicht.
Wie die Aussagen des Vereins «Clean Energy St. Moritz» aufzeigen, ist es nicht möglich, die Windkraft auf ökonomische Weise zu nutzen: Die Instandhaltungskosten einer Windkraftanlage übersteigen deren produktiven Nutzen: «Vor allem bei unzureichenden Windverhältnissen steigen die Kosten um den Faktor drei», sagt Gallus Cadonau, Präsident des Vereins «Clean Energy St. Moritz». Auch der St.Moritzer Max Weiss, Vizepräsident des Vereins, ist dieser Meinung: «Die Unterhaltskosten für diese Anlage waren unverhältnismässig hoch.»
Auch die Kommission Energiestadt sowie der Gemeindevorstand St. Moritz kamen zum Schluss, dass die Anlage durch die vielen Standzeiten nicht als optimale Vorzeigeanlage für die Verwertung von Windenergie bezeichnet werden kann und sahen deshalb von einem Kostenbeitrag ab.
Doppelte Windstärke nötig
Um die natürliche Ressource Wind als erneuerbare Energiequelle zu nutzen, muss dieser eine gewisse Geschwindigkeit haben. «Die Windverhältnisse sind im Engadin nicht ideal. Der Wind ist nicht stark genug, um damit auf ökonomische Weise Strom produzieren zu können», so Cadonau. Der Wind im Oberengadin messe eine Geschwindigkeit von dreieinhalb bis vier Metern pro Sekunde im Jahresdurchschnitt, dies sei zu wenig, sagt Cadonau. Die Windgeschwindigkeit müsste mindestens das Doppelte dieses Wertes betragen, meint er.
Anlage nicht effizient genug
Das Engadin ist zwar windig, aber offenbar nicht windig genug. Von Seiten des Vereins sind aus diesem Grund keine neuen Projekte geplant, welche den Bau von Windkraftwerken betrifft.
Der Verein «Clean Energy St. Moritz», welcher sich für erneuerbare Energien sowie einen effizienten Energieverbrauch einsetzt, war überzeugt, es müsse möglich sein, die Windenergie im Engadin zu nutzen. Im Jahr 2003 liess der Verein deshalb eine Windanlage in St. Moritz errichten.
Nun steht die Anlage seit einiger Zeit nicht mehr an ihrem Platz auf dem Munt da San Murezzan, sondern liegt abgebrochen an der Talstation von Salastrains.
«Die Unterhaltskosten für die Anlage waren schlicht zu teuer im Verhältnis zum generierten Nutzen», sagt Max Weiss. Auch seien von Seiten des Erstellers falsche Prognosen gestellt worden, so hat die Anlage weniger Strom produziert als vorausgesagt. «Sie hat nicht gehalten, was uns der Ersteller versprochen hat. Statt den 20 000 Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a), welche uns anfangs zugesichert wurden, produzierte die Anlage nur durchschnittlich 9000 Kilowattstunden pro Jahr», gibt Cadonau Auskunft.
Hoffnung in «PlusEnergieBauten»
«Wir sind froh, dass uns die Anlage nicht mehr finanziell belastet», sagt Cadonau. Dafür erhofft er sich, dass vor allem «Minergie-P» sowie «PlusEnergieBauten» in Zukunft gefördert würden: «Sie sind mit Abstand am ökonomischsten. Hier liegt ganz klar das grösste Potenzial. Mit ‹PlusEnergieBauten› kann man den heutigen Energieverlust um 85 Prozent reduzieren. Man muss nicht mehr unnötig Energie produzieren, welche wieder verschwendet wird.»
Zurzeit werden aber vor allem Wasserkraftwerke subventioniert. Cadonau steht dem kritisch gegenüber: «Wir subventionieren damit die Zerstörung der Landschaft», meint er.
St. Moritz als Pionierin
St. Moritz hat schon früh eine Trendsetter- und Pionierrolle im Bereich erneuerbare Energien übernommen: Durch verschiedene Projekte, zum Beispiel Solarenergie-Anlagen entlang der Corvigliabahn, dem Ökostromlehrpfad zwischen St. Moritz-Dorf und Piz Nair und der Unterstützung von energiesparenden Bauten. Auch die Nutzung des Seewassers, um Wärmepumpen anzutreiben, ist eine der innovativen Ideen. Im August dieses Jahres wurde St. Moritz das Label «Energiestadt» für weitere vier Jahre übergeben.
Autorin: Lorena Plebani
Foto: www.shutterstock.com












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