Zum Gedenken an Gian Alexander Andreossi, 1947 - 2012

Fr, 07. Dez. 2012

Gian Andreossi, der in St. Moritz aufgewachsen ist, ist 2012 nach langer Krankheit im Alter von 65 Jahren verstorben. Sein Leben war von Reisen und vielen innovativen Gedanken geprägt.

Gian und seine drei
Geschwister Marietta, Enrico und Susanna
waren «Kinder der Via Stredas»
in St. Moritz. Die Chesa Andreossi
stand an strategisch bester Lage. In den
Fünfziger- und Sechzigerjahren trafen
sich auf der Strasse vor dem Eingang zur
Chantarellabahn regelmässig Schüler
der Primar- und Sekundarklassen des
nahen Schulhauses nach dem Unterricht
und an Wochenenden zum Spiel
und zur Freundschaftspflege. Vater
Murezzan war als Bürgermeister von
St. Moritz (von 1940 bis 1958) und Eishockey-
Nationalspieler (Bronzemedaille
an den Olympischen Spielen von
St. Moritz 1928) ein Vorbild für die ganze
Familie Andreossi. Murezzan lehrte
seinen Kindern die romanische Sprache
und den respektvollen Umgang mit
Menschen aus aller Welt die St. Moritz
besuchten. Im Alter von erst elf Jahren
verlor Gian seinen Vater. Mutter Doris
konnte die vier Kinder in guten Verhältnissen
grossziehen.
Die Reisebüro-Lehre bei «Wagons
Lits Cook» in St. Moritz prägte den jungen
Gian sehr. Kaum hatte er den Abschluss
hinter sich, wagte er den
Sprung ins Unterland. Gian wurde von
der Fluggesellschaft TWA am Flughafen
in Zürich-Kloten eingestellt. Später
wechselte er zu Olympic Airways, der
griechischen Fluglinie von Onassis, für
welche er erst die Frachtabteilung aufbaute
und dann als eidg. dipl. Verkaufsleiter
wirkte.
Während seiner Zeit im Flugbusiness
reiste Gian in der ganzen Welt herum.
Er liebte das Reisen über alles. Doch die
Verbindung ins Engadin riss nie ab.
Mutter Doris freute sich immer wieder,
ihren Sohn in St. Moritz zu beherbergen
und seinen Reisegeschichten
zuzuhören.
Als Verkaufsleiter bei der Rothorn
Bahn in Lenzerheide erlebte Gian eine
interessante Zeit im schweizerischen
Tourismus. Bald aber investierte es sein
ganzes berufliches Interesse in den Reise-
Journalismus. Gian machte sich
1980 selbstständig. Seine Pressebureau
PGA wuchs rasch. 1981 lancierte er in
Zürich das Reisebüro Magazin «Travel
Inside». Der Aufbau des Magazins
glückte und «Travel Inside» ist bis heute
ein führendes helvetisches Insidermagazin
für die Reisebranche.
Mit seiner zweiten Firma Anvapress
stieg Gian in das Eventmanagement
ein. Zusammen mit Andrea Vasalli und
Reto Gaudenzi organisierte er den ersten
Polo-Event auf Schnee in St. Moritz.
Im Jahre 1991 änderte sich das Leben
von Gian. Mit Regula Ackermann-
Schläpfer und ihrem dreijährigen Sohn
Lukas gründete er eine Familie und
transferierte seinen Lebensmittelpunkt
von Zürich nach Eglisau, wo bald ihr
Sohn Nicola geboren wurde. Drei Jahre
später zog die Familie in ihr neu gebautes
Eigenheim in Hochfelden bei
Bülach ein. Gian bezog ein Büro in Zürich-
Oerlikon und widmete sich von
dort aus seinen Mandaten. Wie Vater
Murezzan vermittelte auch Gian seinen
heranwachsenden Söhnen einen weltoffenen
Umgang und unterstützte sie
bei Problemlösungen und dem Treffen
von Entscheidungen. Die vielen Ferienreisen,
bei denen Gian seine ganzen
Reiseerfahrungen einfliessen lassen
konnte, waren für die ganze Familie gemeinsam
erlebte glückliche Höhepunkte.
Den Bezug zum Engadin hatte Gian
in all den Jahren stets gepflegt und erhalten.
Die Freundschaften der «Kinder
der Via Stredas» aus der Jugendzeit waren
herzlich und nachhaltig und die
Heimat seiner Kindheit war ihm Ansporn
und Inspiration. Ein «Gästemagazin
» im Tabloid-Format für die
Gäste des Engadins wurde zum zentralen
Projekt seiner Tätigkeit. Mit dem
«Inn» entstand 2005 ein Gratismagazin
im Engadin, das sich rasant von Maloja
bis nach Scuol ausdehnte. Die Feriengäste
erfreuten sich an den Informationen
des Gratismagazins. Ein Beweis dafür,
dass Gian richtig lag. Die Arbeit
verlangte nun immer mehr nach seiner
Präsenz im Engadin. Gian hatte Freude
an dem, was er tat. Kritisch und doch
mit Liebe zum Engadin verfasste er die
Artikel in verschiedenen Sprachen und
lieferte, was in anderen Publikationen
fehlte.
Im Februar 2009 erhielt er im Spital
Samedan eine niederschmetternde
Diagnose, die schlagartig sein Leben
veränderte. Von nun an kämpfte Gian
mit viel Hoffnung, einer positiven Einstellung
und einem starken Willen gegen
einen heimtückischen Tumor. Die
grosse Unterstützung seiner Familie
und seine Arbeit für die «Inn»-Zeitung
gaben ihm Kraft für weitere drei Jahre.
Er genoss die geschenkte Zeit, wie er
später sagte, ganz bewusst für weitere
Reisen und viele schöne Momente mit
Familie und Freunden.
Am längsten Tag dieses Jahres, am
21. Juni, brach Gian dann allein zu seiner
letzten Reise auf, welche, so war im
Trauerzirkular zu lesen, auf keiner Karte
zu finden ist. Ja, Gian war einer von
uns, den «Kindern der Via Stredas».
Gute Reise, Gian…
Giancarlo Cattaneo

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