Drei neue Jungautoren

Mo, 02. Sep. 2013

Der Schreibwettbewerb der «Engadiner Post» ist entschieden. Die drei besten Geschichten stammen von Luisa Eichelberg, Timon Köhler und Gianna Duschletta.

Die heutige Jugend schreibe nicht mehr, heisst es allenthalben. Bei dieser Behauptung muss es sich um ein Missverständnis handeln. Die Kids von heute schreiben sehr wohl, oft aber in einer anderen Sprachform. Die digitalen Formate von Facebook und sms verführen dazu, sich mittels Kurz- und Kürzestbotschaften auszutauschen – was übrigens nicht nur Jugendliche tun. Ob all dieser Kurzkommunikation soll aber das traditionelle Schreiben nicht zu kurz kommen. Gedanken und Beobachtungen detailliert zu Papier bringen, Szenen bildhaft schildern, Gefühle transportieren: Hierfür braucht es mehr als «Fünf-Worte-Sätze».
Was in Schulaufsätzen geübt wird, sollte im Rahmen eines Schreibwettbewerbs ebenfalls gefördert werden. Auf eine Idee von Jungautor Patrick Nussbaumer hin entschloss sich die «Engadiner Post», die Siebt- bis Neuntklässler der Region einzuladen, eine Geschichte zum Thema «Social Media» zu schreiben und diese dann auch zu publizieren. Im Hinterkopf hatten die Initianten auch die Idee, der Engadiner Literaturszene damit einen Impuls zu verleihen. Als Sponsor des Projekts konnten sie die UBS St. Moritz ins Boot holen, für die der Schreibwettbewerb in ihr Jugendförderungskonzept passt.
 

42 unterschiedliche Beiträge

Sah es anfänglich so aus, wie wenn niemand sich für diese Idee begeistern liesse, wurde die Jury (Präsident Patrick Nussbaumer, Romana Ganzoni, Sarah Walker und Marie-Claire Jur) während der Sommerferien mit Beiträgen überschwemmt: 42 Jungen und Mädchen haben sich hinter den Computer geklemmt und die unterschiedlichsten Beiträge zum Thema Social Media verfasst. Die Spannweite der eingereichten Geschichten reicht von der nüchternen Bestandesaufnahme der heute genutzten Kanäle (samt Wikipedia-Definitionen) bis zum fantasievollen Krimi (inklusive Verfolgungsjagd und Tiefkühltruhe). Teilgenommen haben Mädchen und Jungen aus dem Ober- und Unterengadin, aber auch einige Oberstufenschüler aus dem Bergell. Bei einigen Texten merkt man die redigierenden Eingriffe einer Drittperson, bei anderen wiederum scheinen die Autoren frei von der Leber geschrieben und ihren Beitrag unkorrigiert eingesendet zu haben. Der Rechtschreibung und Zeichengebung haben die Juroren wenig Beachtung geschenkt. Bei der Beurteilung der Wettbewerbsbeiträge fielen andere Kriterien ins Gewicht: Gelang es den Autoren, eine spannende Geschichte zum Thema zu erzählen? Eine Story mit einer Pointe zu verfassen und die Leser bis zum Schluss bei der Stange zu halten? Von Belang war natürlich auch die Sprachgewalt der Schreibenden: Wie bildhaft konnten sie sich ausdrücken? Welchen Wörter und welche Satzkonstruktionen setzten sie ein?
 

Die Siegerstorys…

Die Jury musste nicht lange tagen, um die fünf besten Texte zu eruieren: Siegerin des Schreibwettbewerbs ist Luisa Eichelberg, Achtklässlerin der Sekundarschule in Stampa, mit ihrem Beitrag «Tick, tick, tick». Ihre aus der Ich-Perspektive geschriebene Geschichte dreht sich um die Trennung zweier Freundinnen, die dank Facebook in Kontakt bleiben können, wie auch um die Sucht, die dieses Medium auslösen kann und wie diese überwunden wird. Auf Platz 2 schrieb sich der fünfzehnjährige Timon Köhler aus Celerina mit einer fantasievollen Lovestory, in der ein geheimnisvoller «Facebook-Faun» eine zentrale Rolle spielt. Gianna Duschletta aus Zuoz landete mit ihrem Beitrag «Die virtuelle Realität» auf Rang 3. Ihre futuristische Story spielt im Jahre 2113, wo sich das soziale Leben nur noch auf Facebook abspielt. Einer (Ich-)Person gelingt es dennoch, dank einem Video über eine unternommene Skitour zum Piz Arpiglia, die Leute aus der virtuellen wieder in die reale Welt zu locken. Jarno Vincenz aus Sils, Schüler der zweiten Real in St. Moritz, bringt mit «Selber schuld» das Thema des Cyber-Mobbings auf den Punkt und landet damit auf Platz 4. Sira Crameri aus Samedan schliesslich schreibt in «Der letzte Schmerz» eine berührende Story aus der Perspektive eines Jungen, dem es dank dem Kauf eines Laptops und Facebook gelingt, aus einer bedrückenden Familienatmosphäre auszubrechen.
 

…und die Preise

Alle Wettbewerbsteilnehmer bekommen von der UBS eine Schreibmatte samt Kugelschreiber geschenkt. Die Fünftplatzierte und der Viertrangierte erhalten zusätzlich ein Sparkonto mit einer Einlage von 150 Franken. Den Autoren von Platz 1 bis 3 ermöglicht die Bank ein Schreibwochenende mit Patrick Nussbaumer im Hotel Waldhaus Sils. Alle Wettbewerbstexte sind bereits auf www.engadinerpost.ch aufgeschaltet. Die fünf besten Geschichten werden zudem in den kommenden Wochen in der «Engadiner Post» publiziert.

 

Text und Foto: Marie-Claire Jur

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