Ruggusseli mit Groove, Beat und Pop

Di, 22. Okt. 2013

Sie sind jung, sie sind frech und sie sind witzig: Die Hitzigers aus dem Appenzell jodeln und rappen, dass es eine wahre Freude ist. So auch zum Zehn-Jahr-Jubiläum der Hüttenwarte der Segantini-Hütte.

Der Beginn des Konzertes ist so, wie man es von einem Appenzeller Jodelchor erwarten darf. Im Halbkreis aufgestellt, in Appenzeller Tracht, die Männer die Hände im Hosensack, stimmt der neunköpfige Chor einen wunderschönen Innerrhoder Natur-jodel – ein Ruggusseli – an. Doch der Beginn ist zugleich das Ende vom Normalen. Denn plötzlich wird das Ganze von verbal erzeugten Beat Boxes aufgemischt. Die junge, brave Truppe bricht aus – nicht zum letzten Mal an diesem Abend – um sich am Ende des Liedes wieder beim Ruggusseli zu finden. Den Traditionalisten dürften jetzt schon die Haare zu Berge gestanden sein und die werden sich bis zum Ende des Konzertes nicht mehr gelegt haben.

Experimentieren und provozieren
Die Hitzigers stehen durchaus zu ihren Wurzeln. Die Tracht ist nicht blosses Deko und ihre Jodellieder gehen unter die Haut. Doch das hindert sie nicht daran, das Traditionelle mit dem Modernen zu verstricken, zu experimentieren, vielleicht sogar zu provozieren. Doch das immer auf eine witzige, spielerische Art. Da sind nicht abgebrühte Bühnenprofis zu sehen sondern neun junge Appenzellerinnen und Appenzeller, die ganz offensichtlich Spass haben an dem, was sie auf die Bühne bringen.
Ob Gospel, Chansons, Rock oder Pop, ob «Uf de Alpe obe», «By the Rivers of Babylon» oder «Thriller»: alles wird neu interpretiert, Stil und Sprache können in einem einzigen Stück mehrere Male wechseln. Apropos Wechsel: Nach der Pause bleiben für einen Moment auch die Trachten im Schrank und werden von schlabbrigen Trainern und coolen Caps abgelöst. Erst jetzt wird einem so richtig bewusst, wie jung eigentlich die Truppe ist – älter als 25-jährig dürfte keiner sein. Spätestens gegen Ende des Konzertes – die Traditionalisten dürfte es vor dem Haarausfall gerettet haben – stehen die Hitzigers wieder in ihren Innerrhoder Tracht auf der Bühne. Und bei der Reise in den Süden macht sich rasch das Heimweh nach dem Appenzell bemerkbar – dieser wunderbaren Hügellandschaft mit ihren weit verstreuten Bauernhöfen. «Öses Lendli» würden die Hitzigers sagen und dazu ein Joliduli Yo juchzen. Anlass für den Auftritt des Hitziger Appenzeller Chors war das Zehn-Jahr-Jubiläum von Susanne Bonaca und Angelo Baggenstos als Hüttenwarte auf der Segantini-Hütte. «Wir wollten mit diesem Konzert unseren Gästen und unseren Geschäftspartnern etwas zurückgeben», sagt Susanne Bonaca.

Verbundenheit von zwei Gegenden
Eine spezielle Begegnung in ihrem ersten Hüttenwart-Jahr mit einem Appenzeller Gast hat zu einer Freundschaft und zur Verbundenheit zu den beiden Halbkantonen geführt. Eine Verbundenheit, die am Samstag zwei der schönsten Gegenden musikalisch und bildlich zusammengeführt hat. Und ein Anlass, der bei den 450 Besuchern grossen Anklang gefunden hat. Der Erlös des Abends von rund 6000 Franken kommt der gemeinnützigen Institution protemp im Engadin zu Gute.

Autor und Fotos: Reto Stifel

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Kommentare

An Reto Stifel. Gratuliere, Sie haben die Hitzigen treffend charakterisiert. So macht Zeitung lesen Spass. Ich war nicht am Konzert, kenne aber den Chor von Auftritten am Bodensee.

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