Potenzielles Leinenchaos-Risiko im Griff

Sa, 01. Mär. 2014

Zwei Events, ein friedliches Miteinander: Der internationale Event Ozone Snowkite Masters legt für Donnerstag und Freitag die Disziplin «Race» zusammen mit den Schweizermeisterschaften im Snowkiten. Am Samstag gehts wieder auf den Berninapass.

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr ist er, wenn auch etwas von der falschen Seite; vor einer halben Stunde hat der kühle Wind von Maloja her begonnen, über den gefrorenen Silvaplanersee zu fegen. Fähnchen flattern im Wind, vom eigens aufgestellten DJ-Pult tönt gemütliche «Lounge-Music», welche hie und da von einem im Wind knatternden Kite übertönt wird. In der Mitte des Sees ist ein Durcheinander von farbigen Drachen und noch farbigeren Fahrern zu erkennen. Sie alle nehmen an einem Snowkite-Rennen teil – die mit den roten Startnummern an den Schweizermeisterschaften, die mit den schwarzen an den Ozone Snowkite Masters (OSKM).

Zwei unabhängige Events, die sich für die «Race»-Disziplin zusammengeschlossen haben. «Das hat sich so ergeben», sagt Inga Wobke, Ok-Mitglied der OSKM. Eigentlich hätte dieser Event auf dem Berninapass stattfinden sollen. Wegen des fehlenden Nordwindes wurden die Rennen zumindest für Donnerstag und Freitag nach Silvaplana verlegt. «Hätten wir Nordwind gehabt, wären die von der Schweizermeisterschaft auf den Bernina gekommen. Es macht sowieso mehr Spass, wenn wir mehr Fahrer sind.»

Aus aller Herren Länder
Der erste von vier Läufen ist vorbei – die Rennleitung winkt mit der Zielflagge, bis der Letzte seine Runde auf dem ausgesteckten Kurs beendet und über die Ziellinie fährt. Hat es denn genug Wind? «Naja», meint einer der rund 50 Teilnehmer, «für die anderen mit den schnellen Rennschirmen schon». «Also ich finde den Wind perfekt», wirft ein Zweiter ein. Einige Fahrer landen ihre Kites, nutzen die kurze Pause, um wieder Kraft für den nächsten Lauf zu sammeln. Die Sprachen mischen sich... Französisch, Englisch, Deutsch... «Die ersten OSKM vor sechs Jahren sind den Fahrern super in Erinnerung geblieben. So sind viele wieder gekommen – aus England, Irland, Tschechien, Spanien, Polen, Russland, Deutschland oder auch Schweden», sagt Inga Wobke.

Einige Minuten Zeit bleibt den Fahrern noch, dann ertönt die Sirene: Fünf Minuten bleiben ihnen von da an, sich vor der Startlinie aufzustellen, Kite an Kite dicht gedrängt in der Luft. Das Risiko eines potenziellen Leinenchaos besteht, doch die Fahrer sind Profis und haben ihre Schirme voll unter Kontrolle. Die Rennleitung wechselt die weisse Flagge gegen eine rote aus – das Startzeichen. Die Kiter machen sich auf ihre Runden; einmal um die vier aufgestellten Bojen, ähnlich einer Segelregatta.

Wer später kommt, kriegt Punkte
«133, 82, 03», diktiert Rennleiter Raphael Kiener der Swiss Kitesailing Association die Startnummern der Fahrer, welche die Ziellinie passieren. Seine Kollegen notieren. «Ich kann nicht mehr», ruft eine junge Frau im Vorbeifahren. «Es sind harte Bedingungen mit dem vielen Schnee. Die Schlaglöcher gehen ziemlich in die Beine», so das OK-Mitglied der Schweizermeisterschaften. 15 Minuten haben die Kiter Zeit, um so viele Runden wie möglich zu fahren – mindestens drei, um nicht disqualifiziert zu werden. Der Platzierung entsprechend erhalten die Fahrer Strafpunkte: Wenn man als Fünfter über die Ziellinie fährt, also fünf Strafpunkte. Der schlechteste Wert der vier Läufe wird gestrichen, der mit den wenigsten Punkten gewinnt.

Die Rennleitung feuert jeden an, der die Linie passiert und diskutiert über die Fortschritte der einzelnen Fahrer – man kennt sich in der Szene. «Solche Events sind nicht nur für die Kiter wichtig, um zu sehen, wo sie stehen, sondern auch für die Produktentwickler», sagt Kiener. «Bei solchen Rennen können sie die Neuerungen testen und auch mit den Konkurrenzprodukten vergleichen.»
 

Im Zickzack gegen den Wind
Der Wind hat sich gedreht – beim dritten Lauf ist es selbst für die Besten nicht mehr möglich, in einem Zug gegen den Wind zu fahren. Sie müssen aufkreuzen – im Zickzack gegen den Wind. Neben der Richtung hat auch die Stärke gewechselt. «Jetzt müssen sich die Fahrer noch stärker gegen den Kite stemmen, um die Kraft zu halten, die der Drachen entwickelt», sagt Raphael Kiener. Wie sich die junge Frau wohl fühlt, die schon im zweiten Lauf «nicht mehr konnte»? Wahrscheinlich ähnlich wie die meisten Kiter nun – die Gesichter werden immer verkrampfter. «Die haben sich jetzt alle eine Pause verdient», so Kiener, bevor sie sich dann zum letzten Mal für den heutigen Tag in den Kampf gegen Wind und Gegner stürzen.

Erster möglicher «Best-Line»: Samstag 11.00 Uhr auf dem Berninapass. Änderungen aufgrund des Windes vorbehalten.
http://www.ozonesnowkitemasters.com/2014/
http://www.kitesailingworld.ch/

Text / Fotos: Alexandra Wohlgensinger

Video: Ozone Snowkite Masters (http://vimeo.com/87454679)

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