«Jahrelang musste ich Insulin spritzen»

Sa, 15. Nov. 2014

Am 24. November fand der Weltdiabetestag statt. Diabetes, eine Krankheit die uns alle geht. Wie erfährt dies der 19-jährige Adrian Fesller aus Zuoz? Inwiefern soll auf die Ernährung geachtet werden und welche Therapien sind möglich?

Sechs Jahre alt war der heute 19-jährige Adrian Fessler aus Zuoz. Er erinnert sich gut, wie er kurz bevor man seine Krankheit erkannte, dauernd zur Toilette gehen und ständig was trinken musste. «Ich sehe mich noch immer in meinem Zimmer auf dem Teppich liegen, müde und still kleine Spielzeugautos herumzuschieben. Als Kind wusste ich ja gar nicht, was los war», berichtet Adrian Fessler. Schliesslich stellte der Arzt bei ihm die Diagnose Diabetes mellitus Typ eins.
In der Schweiz sind 500 000 Menschen an Diabetes erkrankt. Die Tendenz ist steigend. Weltweit sind 366 Millionen Menschen davon betroffen, dies entspricht 8,3 Prozent der Weltbevölkerung. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Diabetes. Beim Diabetes mellitus Typ eins, früher auch insulinabhängiger Diabetes genannt, ist die Bauchspeicheldrüse nicht in der Lage, Insulin zu produzieren. Menschen mit dieser Krankheit sind lebenslang auf die Zugabe von Insulin angewiesen. Dieser Typ Diabetes tritt häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, kann aber Personen in jedem Lebensalter treffen. Beim zweiten Typ, Diabetes mellitus zwei, auch nicht insulinabhängiger Diabetes oder Altersdiabetes genannt, entwickeln die Zellen der Betroffenen eine gewisse Insulinresistenz. Es ist also genug Insulin vorhanden, doch der Körper kann damit nichts anfangen. In diesem Fall können Erbfaktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel die Krankheit begünstigen. In den meisten Fällen tritt er erst ab einem Lebensalter von über 40 Jahren auf, zunehmend trifft er aber auch jüngere Menschen mit starkem Übergewicht.

Insulinpumpe erleichterte die Lage
Nachdem bei Adrian Fessler die Diagnose feststand, musste er sechs Jahre die Prozedur des Insulinspritzens über sich ergehen lassen. Eine einschneidende Veränderung innerhalb der Familie sei es nicht gewesen, sagt der 19-Jährige. «Dass ich nichts Süsses essen durfte, empfanden meine vier Brüder schlimmer als ich», erinnert sich der junge Mann. Für seine Mutter sei das sicher nicht so einfach gewesen, musste sie ihm doch täglich die Spritzen verabreichen. «Meine Mutter hat das sehr gut gemacht und dafür bin ich ihr dankbar.»
Im Alter von zwölf Jahren wurde es für Adrian Fessler ein bisschen erträglicher, da er eine Insulinpumpe erhielt. Bei dieser Therapieform versorgt eine Insulinpumpe den Körper mit dem Insulin-Grundbedarf. Das Insulin wird folglich nicht mehr mehrmals am Tag injiziert, sondern von einer kleinen, programmierbaren Pumpe über einen Katheter und eine Injektionsnadel in den Körper geleitet.

«Manchmal habe ich schon Angst»
Für Adrian Fessler bedeutete diese Therapieform, die er noch heute praktizieren muss, eine wesentliche Verbesserung der Situation. Der Tagesablauf wurde für ihn viel einfacher. Auch in der Schule habe es nie Probleme gegeben, meint er. «Meine Klassenkameraden gingen sehr verständnisvoll mit mir um. Ich habe auch stets zu Beginn einer neuen Klasse meine Mitschüler und Lehrer informiert. Damit war das Thema für die anderen abgeschlossen.» Er selbst habe sich mit der Zeit an diese Situation gewöhnt, versucht das Beste daraus zu machen und hat nie mit dem Schicksal gehadert. Es sei eben sehr wichtig, wie man sich auf eine Krankheit einstelle. «Manchmal allerdings kriege ich schon ein bisschen Angst davor, was noch alles passieren könnte. Vor allem davor, wegen meiner Krankheit ein Bein zu verlieren.»
Ist der Blutzuckerspiegel ständig erhöht, wirkt sich das schädigend auf den Körper aus. Am bekanntesten sind Durchblutungsstörungen der Beine, insbesondere der Füsse. Auch drohende Erblindung aufgrund von Veränderung der Netzhaut ist mittlerweile eine geläufige Folgeerkrankung von Diabetes. Weniger bekannt hingegen ist, dass Diabetes unter anderem einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall nach sich ziehen kann.
Adrian Fessler ist trotzdem zuversichtlich und hofft, dass in naher Zukunft eine Heilungsmöglichkeit besteht.

Individuelle Beratung
Flurina Pitsch, dipl. Ernährungsberaterin HF, Spital Oberengadin, hat oft mit Menschen zu tun, die an Diabetes erkrankt sind. Die meisten Patienten besuchen Flurina Pitsch erst dann, wenn der Diabetes bereits vorhanden ist. Für sie ist es enorm wichtig, dass ihre Beratung nicht nach Schema X geführt wird, sondern dass jeder Diabetiker eine individuelle Beratung erhält. Die Basis bei der Ernährung für Diabetiker sei Ausgewogenheit, sagt sie. «Sie müssen jedoch ein besonderes Augenmerk auf die Menge, Konsistenz und Kombination der Kohlenhydrate richten. Kohlenhydrate sind in der Stärkebeilage wie zum Beispiel Teigwaren, Brot, Kartoffeln, Reis, Früchten, Fruchtsäften, Milch, Joghurt und Haushaltszucker enthalten. Da die Kohlenhydrate einen direkten Einfluss auf den Blutzucker haben, kann eine Ernährungsumstellung kombiniert mit Bewegung die Blutzuckerwerte positiv beeinflussen.» Weiter führt sie aus, dass bei bestehendem Übergewicht bereits ein Gewichtsverlust von drei bis fünf Kilo die Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte verbessern könne. Ein absolutes Tabu bei der Ernährung gäbe es nicht. «Wir empfehlen grundsätzlich, gezuckerte Getränke und Fruchtsäfte zu meiden, da diese zu einem schnellen und starken Blutzuckeranstieg führen. Unser Ziel ist, dass der Diabetiker sich nicht unnötig einschränken muss und sieht, dass auch Süsses gegessen werden kann, wenn er bestimmte Punkte beachtet.»
Text: Astrid Longariello Fotos: Shutterstock.de und Adrian Fessler

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