Bergeller Hexenverfolgungen

| So, 12. Apr. 2015

Die Hexenverfolgung und die brutalen Folterungen und Hinrichtungen spielten im Bergell eine grosse Rolle. Anhand eines Theaterstückes bekommen Besucher des Bergeller Kunstfestivals einen Einblick in die Ereignisse. In Vicosprano erfahren Besucher an Hand eines Theaterstückes mehr darüber. EP 42.

Im Jahre 1875 schrieb Giovanni Andrea Maurizio die Tragikomödie «La Stria» (Die Hexe). Das Theaterstück ist im Bergeller Dialekt verfasst. Ziel des Verfassers war es, uns allen, vor allem aber der Jugend, die Geschichte und Kultur sowie die schönen und brutalen, schlimmen Ereignisse vor Augen zu führen. Das Stück ist im Bergell mehrmals aufgeführt worden, in der Regel alle 25 bis 30 Jahre, letztmals 1979. Renata Giovanoli, die anlässlich des diesjährigen Bergeller Kunstfestivals Führungen zu den Spuren der grausamen Hinterlassenschaften der Hexenverfolgungen durchführt, ist waschechte Bergellerin und liebt Kultur und Geschichte. So weiht sie die Besucher anhand des Theaterstückes «La Stria» in die Geheimnisse längst vergessener Zeiten ein.

«Damit sowas nie mehr passiert»
Sie selbst spielte in der letzten Aufführung des Theaters mit. Leider würde es nun nicht mehr aufgeführt, da die Leute dazu nicht mehr zu finden seien, bedauert Renata Giovanoli. «Dabei wäre es so wichtig, denn das Stück wurde geschrieben, damit sowas nie mehr passiert», sagt Giovanoli. Die Handlung ist im Grunde genommen simpel. In die heutige Zeit versetzt, wäre es eine typische Dreiecksliebesgeschichte, jedoch mit einem Happy End. Damals liebte Tumee Anin, ein schönes, armes Mädchen, dessen Eltern gestorben sind, sodass sie alleine da steht. Doch sie hat eine Rivalin, Ursina. Bei Anin handelt es sich um die Hexe, die dem Werk die Überschrift «La Stria» lieferte. So wird Anin ein Opfer von der Bösartigkeit Ursinas. Denn diese will, dass ihre Nichte Menga Tumee heiraten kann. Also bezichtigt sie Anin einfach der Hexerei. Das arme Mädchen wird gefoltert und legt aus Angst vor weiteren Qualen ein falsches Geständnis ab. Daraufhin wird sie zum Tode verurteilt. Gerade als Anin dem Henker ausgeliefert werden soll, bekennt die inzwischen erkrankte Menga aus Angst vor Gott, dass Anin ihretwegen unschuldig verurteilt wurde. So hat doch das Gute und das unerschütterliche Vertrauen in Gott gesiegt. In der Schlussszene des Stückes wird Anin anstatt zum Henker zum Traualtar mit Tumee geführt.

Ein Stück Bergeller Geschichte
Auch die Geschichte spielt in «La Stria» eine grosse Rolle. Es wird ersichtlich, dass sich das Bergell im 16. Jahrhundert von der katholischen Kirche gelöst hat und bis heute reformiert geblieben ist. Leider haben die Bergeller der damaligen Zeit die Hexenverfolgung, die von der katholischen Kirche während der Inquisition eingeführt worden war, übernommen. Leute, die man heute als kulturell, kreativ und stark bezeichnen würde, mussten eliminiert werden. Renata Giovanoli weist darauf hin, dass die Männer grosse Angst vor aussergewöhnlichen Frauen, wie beispielsweise Heilerinnen oder Hebammen, hatten. Mit klugen oder gar weisen Frauen konnten sie schon gar nicht umgehen. Folglich wurden diese einfach als Hexen bezeichnet und brutal gefoltert, bis sie zugaben, mit dem Teufel getanzt oder vergiftete Kräuter hergestellt zu haben. «Nach den Folterungen legte jede Frau ein falsches Geständnis ab und wurde verbrannt», weiss Giovanoli. An ihrer Führung zeigt Renata Giovanoli auch die Holzskulpturen des Künstlerduos Ugo Giacometti und Patrik Giovanoli. Diese Figuren haben alle das Zeichen des Teufels in Form eines Sterns oder einer Sonne auf ihrem Körper. Dies bedeutet symbolisch, dass jeder von uns wegen etwas, sei es nun Wahres oder Falsches, verurteilt werden könnte. Eine eindrückliche und interessante Führung auf den Spuren der Hexen und des Bergells.

Text: Astrid Longariello

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Kommentare

Auf das Theaterstück will ich hier nicht eingehen, ich habe es selbst nicht gesehen. Aber der Abschnitt "Ein Stück Bergeller Geschichte" strotzt nur so von Klischees und von der Forschung längst widerlegten Meinungen über die Hexenverfolgungen. So lässt sich die angebliche Verfolgung weiser Frauen und Hebammen nirgends belegen, und dass die böse "katholische Kirche" mit ihrer Inquisition als für die Hexenprozesse verantwortlich hingestellt wird, entspricht ebenfalls nicht dem Forschungsstand. Schade.
woher kommen Sie Herr Jäggi? Es ist eine Tatsache, dass die Hebammen und weissen Frauen als Hexen verfolgt wurden. Nicht nur im Engadin, sondern in allen Deutsch- und Romanisch- und Französisch-sprechenden Ländern. Die Geschichtsbuecher und Hexenprotokolle sind ueberzeugend genug

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