Mehrsprachige Kinder haben Vorteile

| Mo, 10. Jul. 2017

Im Fokus der Dienstagsausgabe der «Engadiner Post/Posta Ladina» steht die Zwei- und Mehrsprachigkeit in der Schule. «Je früher Kinder in Kontakt mit mehreren Sprachen kommen, umso einfacher entwickeln sie ein metasprachliches Wissen», so ein Sprachheilpädagoge der Universität Fribourg.

Der achtjährige Bento Simao aus Zuoz ist ein Sprachjongleur: Er wechselt im Minutentakt zwischen Romanisch, Portugiesisch, Deutsch und sogar Schweizerdeutsch. So wie dem Zweitklässler aus Zuoz ergeht es vielen Kindern im Engadin. Das Engadin ist nämlich nicht nur zwei-, sondern seit Jahren mehrsprachig. Deswegen scheint die Fremdspracheninitiative, welche nur eine Fremdsprache in der Primarschule verlangt, eher schwierig umsetzbar. «Natürlich gibt es Kinder, die mit der Sprachenvielfalt in Graubünden überfordert sind», sagt Andrea Urech, Lehrer und Beauftragter für Zweisprachigkeit in Samedan. Seiner Meinung nach hat der grösste Teil der Kinder keine Mühe damit. «Bei uns können die Kinder gratis und franko zwei Sprachen lernen», weist er auf die Vorteile des Zweisprachigkeitsmodells von Samedan hin.

Auch für den Sprachheilpädagogen der Universität Fribourg, Christoph Till, haben mehrsprachig aufgewachsene Menschen Vorteile: «Mehrsprachigkeit bedeutet für mich Weltoffenheit, Kommunikationsfreude, Neugier und vor allem Flexibilität», sagt er im Interview mit der zweisprachigen «Engadiner Post/Posta Ladina».

Die ganze Woche thematisiert die EP/PL die Zwei- und Mehrsprachigkeit im Engadin. In der Dienstagsausgabe vom 11. Juli stehen Schule und Bildung im Fokus. Neben den Interviews mit einem Sprechheilpädagogen und dem Beauftragen für Zweisprachigkeit in Samedan wird auch der junge Sprachjongleur Bento Simao aus Zuoz porträtiert. Zudem hat die EP/PL einen Romanischkurs in Zürich besucht. Dazu mehr im romanischen Teil der Ausgabe. Generell sind Romanischkurse im Trend: Insgesamt 80 Anmeldungen konnte die Fundaziun Planta in Samedan in diesem Jahr registrieren. «Viele Leute wollen Grundkenntnisse erlangen, das Interesse für eine Vertiefung in die romanische Sprache aber fehlt», sagt Mario Pult, Regionalmitarbeiter der romanischen Dachorganisation Lia Rumantscha.

Das Engadin ist aber nicht nur zweisprachig Deutsch-Romanisch, sondern auch Deutsch-Italienisch. So sind zum Beispiel die Bedürfnisse des Bergells ähnlich wie die der romanischen Gemeinden im Unterengadin. Etwas spezieller ist die Sprachensituation in Maloja. Am Donnerstag geht es dann um die Mehrsprachigkeit im wirtschaftlichen und touristischem Umfeld.

Text: Nicolo Bass / Foto: Fotolia.com/Robert Kneschke

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