Das Hotel San Gian wird zum Rechtsfall

| Di, 28. Nov. 2017

Die 2011 widerrechtlich sanierten Balkone beim Hotel San Gian müssen zurückgebaut werden. Das ist nach dem Nein der St. Moritzer Stimmberechtigten zur Teilrevision der Ortsplanung klar. Hotelier Hans Jürg Buff will den Rechtsweg beschreiten. 

Rund 8,7 Millionen Franken hat Hotelier Hans Jürg Buff 2011 in die Sanierung des Hotels San Gian in St. Moritz Bad gesteckt. 50 Hotelzimmer wurden umgebaut, Dach und Fassade erneuert und – darum ging es bei der Abstimmung vom Sonntag – die damals offenen Balkone wurden ohne entsprechende Bewilligung eingekleidet und somit in den Wohnbereich des Hotels überführt. Diese Bausünde hätte nun mittels einer nachträglichen Überführung der Parzelle in eine Hotelzone korrigiert werden sollen. Am Sonntag haben die St. Moritzer diese Umzonung mit 472 zu 443 Stimmen abgelehnt.

Nach diesem Entscheid ist eines klar:  Die geplante Aufstockung des Hotels um drei Stockwerke ist vom Tisch, und die 2011 erfolgte Erweiterung der Hotelzimmer muss rückgängig gemacht werden. Gemäss Gemeindepräsident Sigi Asprion ist es nun an der St. Moritzer Baubehörde – dem Gemeindevorstand – die entsprechenden Schritte in die Wege zu leiten. Wie das vor sich gehen soll, wurde bereits gestern Montag, nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, im Vorstand diskutiert. Gemäss Asprion geht die Gemeinde davon aus, dass der Hotelier den Rechtsweg beschreiten wird und die Gerichte zu beurteilen haben, ob ein solcher Rückbau verhältnismässig ist. 
Hans Jürg Buff selbst geht von einem jahrelangen Rechtsstreit aus, der darin enden könnte, dass St. Moritz wieder ein Hotel weniger hat. Für Buff ist der Entscheid der Stimmbürger vom Sonntag eine «Bankrotterklärung an die Hotellerie» allgemein im Engadin und in St. Moritz im Speziellen. Wie es nun genau weitergeht, konnte Buff am Montag noch nicht sagen. Das Nein bestätige ihn in seinem Entscheid, ausserhalb des Engadins zu investieren. «Das Abstimmungsresultat bestärkt mich, meine ganze Schaffenskraft und meine finanziellen Mittel in das geplante Gesundheitshotel in Konstanz einzubringen», sagt er. Ob Buff mit seiner Swiss Mountain Hotel Group mit insgesamt fünf Hotels im Oberengadin und in Bivio sowie mehreren Restaurants, Bars und Nachtclubs weiterhin in der Region tätig sein wird, lässt er zum heutigen Zeitpunkt offen. Er gibt zu bedenken, dass er in den letzten Jahren rund 20 Millionen Franken in die eigenen Häuser investiert habe und mehr als 100 Personen beschäftige. 

Für Gemeindepräsident Asprion ist das Thema an der Urne vor allem auf der emotionalen und nicht der sachlichen Ebene entschieden worden. Die Stimmbürger hätten dem Hotelier die nachträgliche Legalisierung nicht zuge‧standen. Dass das Nein auch mit Versäumnissen der Gemeinde zu tun hat, bestreitet Asprion. «Wir haben unseren Job gemacht», sagt er. So sei die Behörde rechtzeitig eingeschritten, als die unzulässige Erweiterung der vorgegebenen Nutzung bekannt wurde. Einzig die Busse sei aufgrund einer falschen Einschätzung der Rechtslage nicht erteilt worden.

Autor: Reto Stifel

Foto: Archiv EP/PL

Kommentare

Verlangen nach Gerechtigkeit ist nicht gleich Neid!
Aber wer hat denn jetzt was von diesem Entscheid? Ein paar Anwälte vielleicht. Ansonsten nur Geschädigte. Neid Entscheide bringen nix!
Liebe Maria N. sind sie eine Anarchistin? Denn hätten wir keine Gesetze wäre auch der schöne Fussgängerweg um den St. Moritzersee zugebaut.
Neid? Vielleicht. Aber eben auch die Überzeugung, dass das Zusammenleben besser klappt, wenn sich alle an die Regeln halten. Auch beim Bauen und Investieren.
Unglaublich: Das ist nicht nur eine Bankrotterklärung, es zeigt wie tief der Neid in der St. Moritzer Bevölkerung sitzt, schade! P. + E. Coray-Gautschi ehemals St. Moritz

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