Gott straft sofort

| Sa, 11. Nov. 2017

Wildunfälle sind häufiger als man denkt. Auch Journalistinnen sind nicht vor ihnen gefeit, wie aus dem  PS der Samstags-EP vom 11. November zu erfahren ist.

Journalisten geniessen eine gewisse Freiheit, auch was die Wahl der Themen anbelangt, über die sie berichten möchten. Da in unseren Breitengraden im Herbst die Tage kürzer und die Nächte länger werden, schien es mir nicht abwegig, meine Aufmerksamkeit den Wildunfällen auf Strassen zu widmen, die sich im Oktober und November wieder zu häufen beginnen. Ich fing an, Verkehrsunfallstatistiken des Bundes zu studieren, wendete aber meine Aufmerksamkeit zwischenzeitlich anderen, mir wichtiger oder dringender scheinenden journalistischen Aufträgen zu. Erst als ich kürzlich auf der Umfahrungsstrasse von Pontresina unterwegs war und die dortige Wildwarnanlage zu blinken begann, erinnerte ich mich daran, dass die unliebsamen Begegnungen zwischen Wildtieren und Fahrzeuglenkern eigentlich von aktuellerem Interesse sein könnten als alles andere, mit dem ich mich gerade befasste. Eine bald darauf stattfindende nächtliche «Near-Miss»-Situation auf der Engadinerstrasse mit einem jungen Reh, dem ich nur knapp ausweichen konnte, bestärkte mich in der Absicht, meine Recherchen bald abzuschliessen.

Offenbar brauchte es einen dritten Wink von oben, um mir vor Augen zu führen, dass es «hööchschti Iseban isch», die EP/PL-Leserschaft über dieses Thema zu informieren: Als ich nämlich vorgestern Nacht von einer Gemeinderatssitzung heimwärts fuhr, stellten sich mir zwischen St. Moritz Bad und Silvaplana gleich zwei prächtige Hirsche in den Weg. Einem der beiden konnte ich leider nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Das Wildtier wurde beim Crash verletzt und der alarmierte Wildhüter begann es zu suchen. Das Auto ist ramponiert und zum Versicherungsfall geworden. Und mir, die beim Unfall unverletzt blieb, kam – reichlich spät – die Erkenntnis: «Verschiebe nie aktuelle journalistische Themen auf morgen.» Alex, mein fussballverrückter und nie um einen Kommentar verlegener Neffe, würde zu diesem Vorfall wahrscheinlich lapidar bemerken «Selber schuld», oder «Gott straft sofort». Ganz Unrecht hat er wohl nicht.

mcjur@engadinerpost.ch

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Kommentare

Liebe Marie-Claire, es könnte ja auch sein, dass der Hirsch der Meinung war, du solltest dir ein neues Auto kaufen..... Glück im Unglück, wann kommt der Artikel?

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