Abhängigkeit vom Tiefbau

| Fr, 01. Dez. 2017

680 Millionen Franken will die öffentliche Hand 2018 in Infrastruktur-Bauten investieren. Das sind in Graubünden 55  Prozent des Bauvolumens. Im Engadin ist die Abhängigkeit noch grösser. 

Wenn sich die Südbündner Baumeister zu ihrer halbjährlichen Versammlung treffen, werden es immer weniger. Gab es in der Val Müstair vor zehn Jahren noch sechs Unternehmen, ist es heute gerade noch eines. «Eine desaströse Entwicklung», konstatierte der Zernezer Bauunternehmer Roland Conrad, der auch im Vorstand des Graubündnerischen Baumeisterverbandes (GBV) sitzt. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative vor gut sechs Jahren hat gemäss Andreas Felix, Geschäftsführer beim GBV zum erwarteten Stellenabbau in der Bauhauptbranche geführt. Rund 5000 Mitarbeiter werden heute im Kanton beschäftigt, 2011 waren es noch 5700 gewesen. «Wir sind nach der Annahme der Initiative von einem Abbau von rund 600 bis 800 Stellen ausgegangen. Unsere Prognosen waren also nicht Schwarzmalerei wie uns immer vorgeworfen wurde», sagt Felix.
 
Vorsichtig optimistisch
Schwarzmalen mögen die Baumeister heute sowieso nicht mehr. Gemäss Felix ist die Stimmung bei den Mitgliedern gut. Die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative auf die Branche seien zwar einschneidend gewesen, mittlerweilen aber habe sich das Ganze konsolidiert. «Jeder muss seinen Platz im neuen Marktumfeld finden», sagte Felix am Rand der Herbstversammlung in Zernez gegenüber der EP/PL. Zum Optimismus mit beitragen dürfte vor allem das hohe Volumen der öffentlichen Hand. Dieses macht mittlerweilen 55 Prozent des gesamten Bauvolumens aus, der Hochbau trägt die restlichen 45 Prozent bei. Früher war das Verhältnis gerade umgekehrt. Für Andreas Felix wäre das auch wieder anzustreben. Es ist der Hochbau, welcher seine primär private Nachfrage aus der realen volkswirtschaftlichen Entwicklung generiert. Eine zu hohe Abhängigkeit vom Tiefbau kann gefährlich sein, sagte er.
 
«Enormer Preisdruck»
Ähnlich sieht es Roland Conrad. Gemäss seinen Ausführungen, liegt der Anteil des Hochbaus in Südbünden zurzeit sogar bei rund 80 Prozent. «Das Volumen im Hochbau hat sich weiter reduziert, da geht praktisch nichts mehr», sagte er. Für Südbünden spricht er insgesamt von einem stabilen Bauvolumen, allzu positiv sieht er aber die derzeitige Lage auf dem Baumarkt nicht. Das hat gemäss Conrad auch mit den tiefen Preisen zu tun. «Der Preisdruck ist enorm. Die meisten Aufträge werden unter den Selbstkosten abgerechnet», ist er überzeugt. Conrad bedauert, dass seitens des Tourismus relativ wenige Investitionen getätigt würden. Auch ist in seinen Augen die Planungssicherheit trotz dem neuen Zweitwohnungsgesetz noch nicht gegeben. Mehr zum Tiefbau, den Aussichten im Baugewerbe und dem Weko-Verfahren gibt es in der gedruckten EP/PL vom 2. Dezember. 

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