Schnitz, schnitz, Schnitzer

| Sa, 30. Dez. 2017

Werte Damen, weshalb müht ihr euch in der Küche mit dem unhandlichen Schnitzer ab? Weshalb macht ihr es nicht den Männern nach und schneidet Gemüse, Fleisch oder Kräuter mit einem grossen, höllisch scharfen Kochmesser? Antworten gibts auch im PS keine.

Liebe Frauen, ich versteh Euch nicht! Letzthin zeigte mir eine Kollegin ihren, mit einem grossen braunen Pflaster verzierten, linken Zeigefinger. «Ich habe mir beim Kochen mit dem Schnitzer glatt durch den Fingernagel geschnitten», antwortet sie auf meine Frage, was um Himmels Willen sie bloss angestellt habe? Na ja, denke ich – Frauen und Kochen. Sie, die das Zubereiten von Speisen zur Ernährung der Familie in den Genen haben (müssten). Männer sind halt pragmatisch. Sie nutzen gerne grosse, scharfe Messer, räumen während dem Kochen gleich auf und trinken dazu erst noch entspannt ein Bierchen. Tatsächlich scheinen Frauen Angst zu haben vor grossen Kochmessern. Weshalb bloss? Stattdessen lieben sie das Allzweckmesser, diesen kleinen Helfer mit der gefährlich kurzen, schmalen Klinge. Ein Unding, welches Männer höchstens zum Freischneiden des Weinkorkens und auch dann nur widerwillig zur Hand nehmen. Frauen hingegen nutzen, wann immer sie Gelegenheit dazu haben, dieses höchstgradig unhandliche, ineffektive Allzweckmesser zum Rüsten, Zerteilen, Schneiden oder Hacken. Manchmal legen sie es aber auch zur Seite, nehmen die gute alte Schere zur Hand und zerkleinern damit Kräuter. Meine Damen, so war das vom Erfinder des Messers bestimmt nicht geplant. Schnitzer hier, Schnitzer dort, Schnitzer wohin das Auge reicht. Kein Wunder fliesst dauernd Blut und zieht sich das Zwiebelschneiden immer dermassen in die Länge. Tränen? Ach so, ja, die Tränen, daran hatte ich jetzt nicht gedacht. Morgen ist das letzte grosse Kochen im alten Jahr angesagt. Greifen Sie deshalb mutig zum langen, scharfen Kochmesser und legen Sie los. Sie kochen nicht gerne? Schade, aber dafür gibt es ein Gegenmittel welches Ihre Begeisterung fürs Rüsten, Schneiden und Kochen nachhaltig wecken wird: Schauen Sie mal sich im Internet die ersten vier Minuten des Taiwanesischen Films «Eat Drink Man Woman» an. Das wirkt garantiert und auch der Rest des 1994 erschienenen Spielfilms von Ang Lee haut sie in die Pfanne. Bestimmt! Ein Meisterwerk und ein grossartiges Manifest fürs Kochen. Sehen Sie hier die erwähnte Eingangsszene aus Eat Drink Man Woman

Bun di bun on a tuots!

jon.duschletta@engadinerpost.ch 

 

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Kommentare

Gender bulls***, sorry wir sind im 2018!

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