Man müsste – wir wollen!

| Sa, 17. Feb. 2018

Die Ski-WM 2017 ist seit einem Jahr Geschichte. Anlässlich einer Podiumsdiskussion haben sich verschiedene Votanten zur Frage geäussert, was vom Grossanlass geblieben ist. Hervorragende Noten hat der sogenannte NIV-Bericht erhalten. Mein Kommentar.

Ein Jahr nach den alpinen Ski-Weltmeisterschaften – was ist geblieben? Sicher: Die Erinnerung an ein perfekt organisiertes Skifest, die Freude über den Schweizer Medaillensegen, die Gewissheit, dass die Engadiner als herzliche Gastgeber weit über die Landesgrenze hinaus gepunktet haben. Aber: Reicht das, um den Anlass als nachhaltig zu bezeichnen? Bei einer weichen Auslegung des Begriffes Ja. Weil die WM heute noch in den Köpfen präsent ist, weil nicht zuletzt mit dem NIV-Ansatz vieles angestossen worden ist, was die Region voranbringen könnte. Ein Bespiel ist der vorbildliche Einbezug der Jugend.
Bei einer harten Auslegung Nein. Weil ein blosses Anstossen von Prozessen nicht ausreicht, solange die konkreten Resultate fehlen. Und weil ein solcher Anlass aus der ökologischen Perspektive betrachtet nie nachhaltig sein kann. Dem ist zu entgegnen, dass eine rein ökologische Definition des Begriffs Nachhaltigkeit zu kurz greift. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen sind ebenfalls zu berücksichtigen. Und es war trotzdem richtig und wichtig, sich mit dem Ansatz der Nachhaltigkeit, der Innovation und des Vermächtnis Gedanken darüber zu machen, was ein solcher Grossanlass für Impulse auslösen könnte. 
Was ist geblieben? Die Antwort auf die Frage ist eine subjektive, das hat auch der Anlass vom Donnerstag Abend gezeigt. Spannender ist sowieso die Frage, was wir aus den Erkenntnissen der Ski-WM machen. Nicht was man machen müsste. Nein, was wir machen wollen. In diesem Punkt bleibt auch der NIV-Schlussbericht zu schwammig. Die Verbindlichkeit für die operative Umsetzung fehlt. Ein Beispiel ist das Projekt für ein Alpines Leistungszentrum Ski Alpin am Pizzethang in Zuoz. Konkrete Schritte für die Realisierung fehlen. Was nicht verwundert solange nicht definiert ist, wer denn dafür verantwortlich zeichnet. Ist es der Präsident des örtlichen Skiclubs? Die Gemeinde Zuoz? Swiss Ski? Oder eben doch die Region?
Letztere müsste nach dem Wegfall des Kreises zumindest den Anstoss für die Umsetzung geben. Immerhin sind dort die zwölf Gemeindepräsidenten vertreten. Und von wem, wenn nicht von ihnen, müsste ein klares Bekenntnis zur Förderung des Skisports kommen? 
In den letzen Jahren sind in der Region Unmengen an Strategie-Papieren für alles mögliche erarbeitet worden. Davon brauchen wir nicht noch mehr. Es braucht klare Worte, definierte Ziele und Verantwortliche. Nicht «Man müsste». Nein, «Wir wollen!»

Autor: Reto Stifel

Foto: Jon Duschletta

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Kommentare

Grundsätzlich ist doch eine Ski-WM was positives und ein unmessbarer Werbe-Boost für die Region. Ich selbst arbeite im Tourismus - war aber nicht bei der WM vor Ort. Hier ein Streit vom Zaun zu brechen, ob jetzt Stammgäste verärgert wurden oder nicht bringt keinem etwas. @Fritz: Den Termin für eine WM oder anderen Weltcup-Veranstaltungen legt die FIS fest - nicht der Tourismusort. Bei uns findet auch jedes Jahr zur Hochsaison das Weltcup-Skispringen statt, obwohl die Betten auch mit "Wintergästen" gefüllt worden wären. Terminsache = FIS nicht der ausrichtende Ort. Alles in allem hat die Region werbetechnisch profitiert. Stammgäste verliert man, wenn man sie nicht mehr hegt und pflegt - nicht wegen einer Großveranstaltung.
Solange Organisationen wie die FIS oder das IOC nicht vom hohen Ross runter steigen können, habe ich das Gefühl ist auf lange Frist der Schaden grösser als der Nutzen. Sie selber schreiben ja genau den Punkt den ich meine „UNMESSBARER Werbe-Boost“, die Einnahmen der Stammgäste ist messbar. Ich habe nie geschrieben, dass der Zeitpunkt von einer WM der Tourismusort festlegt. Die FIS sollte selber merken, dass der Skisport (Wintertourismus) rückläufig ist und schon von sich aus einen anderen Zeitpunkt wählen. Wie will man Stammgäste hegen und pflegen, wenn sie nicht da sind (kommen können) wegen einer Grossveranstaltung?
Die paar Stammgäste die man vielleicht verloren hat wiegt die WM mehr als genug wieder auf. Zudem war Jahrzehnte vorher bekannt das im 2017 die WM stand gefunden hat. Zudem ist manchmal besser die eine Stammgäste kommen nicht wieder. Sollen neuen platz machen die nicht meinen sie seien was besseres.
Wie kann man jetzt schon (bloss nach einem Jahr) behaupten, dass die WM dies wieder aufwiegt? Ab drei Jahren und mehr spreche ich von Stammgästen. Wenn man schon Jahrzehnte davor weiss wenn die WM stattfinden soll, frage ich mich weshalb man nicht versucht dies auf einen anderen Zeitpunkt als die Hochsaison zu verschieben. Stammgäste sollen anderen Platz machen? Super Einstellung bei einem Tourismus der nicht mehr so rosig läuft.
Die Stammgäste die man verloren hat, weil ihnen Absagen verteilt wurden, da ja die WM genau im Februar in der Hochsaison stattfinden musste, werden einfach vergessen.

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