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Foto: Erwin Lorenzen/www.pixelio.de

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Zähne, Pingus und Furunkel

«Heute Gemeindeversammlung» heisst ein Theaterstück von Mike Müller. In der Tat lässt sich an den Gemeindeversammlungen Realsatire in ihrer schönsten Form erleben. So kürzlich auch in St. Moritz.

Als Journalist hat man immer wieder das Vergnügen, talauf talab an Gemeindeversammlungen teilzunehmen. Der Urzelle der direkten Demokratie, wie es so schön heisst. Und wenn man schon ein paar Jahre in diesem Beruf ist, summieren sich die Stunden in den Selas cumünelas, den Mehrzweckhallen oder Aulen dieses Tals. Und irgendwann einmal hat man das Gefühl, man könnte ein Buch schreiben. Über nicht enden wollende Diskussionen zu Kehrichthäuschen, über rhetorische Stilblüten von Politikern, über absurde Anträge und noch absurdere Gegenanträge.
Für die einen ist die Gemeindeversammlung der letzte Ort, an dem die direkte Mitsprache noch zelebriert werden darf, für die anderen ein scheindemokratisches Auslaufmodell, welches nicht totzukriegen ist. Ich bekenne mich klar zur ersten Gruppe. Weil solche Versammlungen können durchaus auch Unterhaltungswert haben.
Diesbezüglich über viele Jahre ein konstant sicherer Wert ist St. Moritz. Dort dürfen sich die Stimmbürger nur einmal pro Jahr treffen, entsprechend gross ist das Bedürfnis, denen da vorne «d’ Chuttle z’putze», wie wir Berner zu sagen pflegen. Da mokiert sich ein Stimmbürger über den geplanten Kreisel, der so unnötig sei wie ein Furunkel im Gesicht. Medizinisch nicht nachstehen mag ein anderer Stimmbürger, welcher im Zusammenhang mit der finanziellen Situation der Gemeinde von Paradontitis spricht. «Wir laufen nicht nur auf dem Zahnfleisch, wir verlieren viele Zähne», übersetzt er für Versammlungsteilnehmer wie mich, die des Lateinischen unkundig sind.
Und auch Pingu hat einen Auftritt. Vielmehr eine Stimmbürgerin, die es kleinkariert findet, dass die Gemeinde auf der Eisbahn Ludains zwei Franken verlangt für diese Stoss-Pinguine mit Haltegriff, die verhindern, dass die Kleinsten auf ihren Pampers-gepolsterten Hintern fallen.
Selbstverständlich wurde der Antrag, diese Verleihgebühr subito zu streichen, angenommen. Und dem muss Nachdruck verliehen werden. Falls Sie an diesem Wochenende auf der Ludains sind: Prüfen Sie, ob die Pingus gratis abgegeben werden. Wenn nicht, bitte sofort melden. Wir machen eine Skandalgeschichte daraus. «St. Moritz zockt Schlittschuhläufer ab!» Ja. Mit Ausrufezeichen. Das hätte dieser Titel verdient.
reto.stifel@engadinerpost.ch

Autor: Reto Stifel

Foto: Erwin Lorenzen/www.pixelio.de


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