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Foto: Andri Margadant

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Das Natureisstadion als Symbolbild dieser Spiele

Graubünden und olympische Winterspiele: Diese Liebe ist nach 1948 erloschen. Fünf Kandidaturversuche scheiterten. Ab heute ist die Sportjugend zu Gast im Engadin. Ein kleiner Anlass, der grosse Wirkung haben kann. Eine Einordnung.

1928 und 1948 wurden die bisher einzigen olympischen Spiele in der Schweiz ausgetragen: In St. Moritz. Spätere Versuche scheiterten. Sei es, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen anderen Bewerber berücksichtigte, sei es, weil das Stimmvolk keine Kandidatur wollte oder nicht bereit war, für eine solche Geld zu sprechen. 1980, 2010, 2014, 2022 und 2026 hätten olympische Winterspiele in Graubünden stattfinden sollen, wenn es nach den Promotoren gegangen wäre. Aber in der Schweiz haben die Stimmbürger das letzte Wort. Und die sagten mehr oder weniger deutlich jedes Mal Nein.
Dass nun St. Moritz trotzdem zum dritten Mal zu olympischen Ehren kommt, ist der Westschweiz zu verdanken. Diese hat sich, angeführt von Lausanne – wo das IOC auch seinen Sitz hat –, für die Olympischen Jugend-Winterspiele beworben, und 2015 den Zuschlag erhalten. Es sind dezentrale Spiele mit verschiedenen Austragungsorten – unter anderem mit St. Moritz für die Bob-, Rennrodel-, Eisschnelllauf- und Skeleton-Wettbewerbe.

Die Frage nach dem Stellenwert
Nun stellt sich die Frage, welchen Stellenwert eine solche Jugend-Olympiade hat. Sicher ist dieser nie vergleichbar mit «richtigen» olympischen Spielen. In Bezug auf das Budget, die Zuschauer, das mediale Interesse und vieles mehr. Trotzdem sollten diese Spiele auch nicht kleingeredet werden. Erwartet werden knapp 2000 Athletinnen und Athleten aus 70 Ländern. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang sind rund 2900 Sportlerinnen und Sportler aus 93 Ländern angetreten. In der Schweiz werden die 15- bis 18-Jährigen an den Start gehen. Nicht wenige dieser Sportler dürften in den kommenden Jahren auf internationaler Ebene für Furore sorgen. Könnte man also die olympischen Jugendspiele als «klein, aber fein» bezeichnen? Klein bedingt, fein, was die sportliche Qualität angeht, aber ganz sicher.

Peking statt St. Moritz
Klein, aber fein. Das erinnert an die Kandidatur von Graubünden, welche mit den Austragungsorten Davos und St. Moritz die Olympischen Spiele 2022 in die Schweiz bringen wollte. «Bescheidene Spiele, finanzierbar, ökologisch vertretbar und nachhaltig durchführbar», versprachen die Initianten damals. Es war ein Versuch, die Spiele dorthin zurückzuholen, wo sie hingehören: in die Berge, in den Schnee, in die Zentren des Wintersports. Der Versuch auch, vom IOC ein klares Bekenntnis zu erhalten für die Abkehr vom Gigantismus vergangener Anlässe in Vancouver, Sotschi und Pyeongchang. Das IOC musste den Tatbeweis nicht erbringen. Es kam zu keiner Kandidatur, die Spiele 2022 finden jetzt in Peking statt. In Skigebieten, die noch nie natürlichen Schnee gesehen haben. Dass Graubünden 2022 in einem so frühen Stadium gescheitert ist, ist eine verpasste Chance. Einer solchen nachzutrauern, bringt aber nichts. Mit der Partizi‧pation an den Jugendspielen hat St. Moritz zumindest den Spatz in der Hand. Ob der Griff nach der Taube auf dem Dach vielleicht doch wieder einmal ein Ziel ist, dürften andere Generationen entscheiden.
Während des Schreibens dieser Zeilen sind die ersten Athletinnen und Athleten im olympischen Dorf in der St. Moritzer Jugendherberge eingetroffen. Angereist mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In Lausanne wurde als Unterkunft ein spektakulärer Rundbau mit acht Stockwerken errichtet. Wenn die Spiele vorbei sind, dienen die Wohnungen rund 1000 Studierenden und lösen so ein akutes Wohnungsproblem. In St. Moritz muss für die vier Sportarten Bob, Rodeln, Skeleton und Eisschnelllauf kein Kubikmeter zusätzliche Infrastruktur gebaut werden. Alles ist vorhanden.

Zeichen mit Signalwirkung?
Und der Clou: Die Wettbewerbe der Eisschnellläufer finden auf dem gefrorenen St. Moritzersee statt. Nicht in einer Halle, die es in der Schweiz gar nicht gibt oder in einem Stadion im Ausland, zu dem man zuerst wieder Hunderte von Kilometern hätte hinfahren müssen. Dass das IOC dieser «Open-Air-Variante» zugestimmt hat, ist vielleicht ein kleines Signal dafür, dass auch die Sportfunktionäre die Zeichen der Zeit erkannt haben und bereit sind für den Richtungswechsel. So oder so: Der Eisschnelllauf auf dem See mit der St. Moritzer Kulisse in der verschneiten Berglandschaft könnte zu dem Symbolbild der olympischen Jugendspiele werden und zur Erkenntnis führen, dass weniger oft mehr ist.

Autor: Reto Stifel

Foto: Andri Margadant


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