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Foto: Dominik Hunziker

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Nicht auf Panik machen, aber auch nicht verharmlosen

14 Einsätze musste die Seerettung seit dem 7. Dezember im Oberengadin leisten. Wegen Personen, die im Eis eingebrochen waren. Die Situation ist und bleibt gefährlich. Ein «No-Go» ist gemäss Fachleuten zurzeit das Betreten des Silvaplanersees.

Sonntagnachmittag, kurz vor 14.00 Uhr am Ufer des Silsersees in der Nähe des Bootshauses. «Hilfe, Hilfe», tönt es plötzlich vom See, rund 150 Meter vom Ufer entfernt. Eine Person ist im Eis eingebrochen. Rasch eilen zwei Leute mit an einem Seil befestigten Rettungsring herbei, um erste Hilfe zu leisten. Doch der Mann kann sich rasch selbst wieder auf die tragende Eisfläche zurückziehen und erreicht das Ufer zu Fuss. Der Rettungsring wird wieder an die dafür vorgesehene Stelle zurückgebracht. Dieser Zwischenfall ist glimpflich abgelaufen, andere weniger. Fast zur gleichen Zeit war Cristiano Luminati am gleichen See bei der Bucht von Plaun da Lej mit einem Rettungseinsatz beschäftigt. Auch dort konnte die Person schliesslich gerettet werden.

Silvaplanersee nicht betreten
Cristiano Luminati ist Präsident der neu gegründeten Seenkommission mit Vertretern der Seengemeinden St. Moritz, Silvaplana, Sils und Bregaglia. 14 Einsätze mussten alleine seit dem 7. Dezember geleistet werden, dazu dürften noch etliche Zwischenfälle wie der eingangs beschriebene kommen, welche in keiner Statistik auftauchen. «Wir wollen nicht auf Panik machen, wir wollen nichts verbieten, aber die Situation ist zurzeit sehr gefährlich», sagt Luminati. Der Silsersee beispielsweise sei nicht, wie oft kolportiert, komplett zugefroren, die Eisdecke weise Lücken auf. Gerade bei Plaun da Lej gebe es eine riesige Schwachstelle. Ebenfalls auf dem St. Moritzersee beim Meierbogen sei die Situation gefährlich. Grösste Bedenken äussert Luminati beim Silvaplanersee. «Dieser sollte auf keinen Fall betreten werden», warnt er. Ein grosser Teil des Sees friere erst jetzt zu, oft sei die Eisdecke dort nicht viel dicker als einen Zentimeter. Luminati zufolge ist es eine der vordringlichen Aufgaben der Seenkommission, die seit dem 1. Januar tätig ist, noch besser zu informieren. Sei es mit mehr Informationstafeln oder auch mit Besuchen in den Schulen. «Wir können nicht alles absperren, und wir verbieten den Leuten nicht, auf die Seen zu gehen. Aber wir wollen auf die Gefahr aufmerksam machen.» Er appelliert aber auch an die Selbstverantwortung.

Verhaltensregeln beachten
«Wie bei einer Ski- oder Bergtour auch, muss ich mir überlegen, wo allenfalls Gefahren lauern könnten», sagt er. Entsprechend gelte es, gewisse Regeln zu beachten, wenn man sich im Winter auf den Seen bewege (siehe auch Kasten). So empfiehlt Luminati möglichst dort Schlittschuh zu laufen, wo es bereits Spuren auf dem Eis hat. Grössere Ansammlungen von Personen auf dem Eis – beispielsweise um mit dem Handy ein Selfie zu machen – sollten vermieden werden. Und er verweist darauf, dass sich auch Passanten, die begrüssenswerterweise Hilfe leisten wollen, oft selbst in Gefahr bringen, weil sie nicht abschätzen können, wie weit sie sich der eingebrochenen Person nähern können, ohne selbst im Wasser einzubrechen.

Auswirkungen der sozialen Medien
Dass am vergangenen Wochenende so viele Menschen auf den Seen unterwegs waren, führt Luminati neben dem schönen Wetter vor allem auch auf die Wirkung der sozialen Medien zurück. Dort würden sich schöne Bilder und die Botschaft, dass die Seen gefroren seien, enorm schnell verbreiten und dazu führen, dass noch mehr Leute dieses Erlebnis geniessen wollen. «Das sollen sie auch, aber bitte mit Vorsicht», betont Luminati.
Er erwähnt auch die Schlittschuhläufer, für die es fast zu einem Sport geworden ist, als Erste möglichst unberührte Eisflächen zu befahren und dies dann in den sozialen Medien auch zu posten. Häufig seien das Leute, die sehr gut ausgerüstet seien, unter den Kleidern eine Schwimmweste tragen würden und Hilfsgeräte bei sich hätten, um sich aus dem Wasser zu ziehen. «So ausgerüstet gehen sie aber tendenziell ein grösseres Risiko ein. Vor allem aber animieren sie andere, nicht so gut ausgerüstete Leute, ihnen zu folgen», gibt Luminati zu bedenken.

Koordinationsbedarf bei Rettern
In den 14 Unfällen wurde bis jetzt nur eine Person schwer verletzt. Gemäss Luminati läuft die Rettung zurzeit noch über zwei verschiedene Kanäle. Entweder wird über die Nummer 117 die Polizei alarmiert, dann rückten neben der Polizei auch Krankenwagen und Feuerwehr aus, welche für die Seerettung ausge‧bildet seien. Oder aber die Alarmierung läuft direkt über die Rega, welche die Rettung dann selbstständig organisiert. «Da gibt es sicher noch einen gewissen Optimierungsbedarf», sagt Luminati.

Autor: Reto Stifel

Foto: Dominik Hunziker

Die Verhaltensregeln bei Schwarzeis
Schwarzeis ist schön, aber auch trügerisch. Die Gemeinden mahnen zur Vorsicht und betonen: Das Betreten der Seen im Engadin geschieht auf eigene Gefahr. Wer das faszinierende Naturschauspiel Schwarzeis dennoch in all seinen Facetten erleben möchte, sollte folgende Grundsätze beachten:
Betreten Sie die Eisfläche nie alleine.
Meiden Sie Bruchstellen und milchige Partien sowie Einfluss-, Durchfluss- und Abflussstellen.
Eruieren Sie die Dicke der Eisdecke anhand von Rissen im Eis oder durch Probebohrungen mit Eispickel.
Betreten Sie die Seen nur bei guten Lichtverhältnissen.
Was tun, wenn es zu einem Eiseinbruch kommt? Reagieren Sie richtig:
Bewahren Sie Ruhe.
Breiten Sie die Arme aus und versuchen Sie, sich auf die Eisfläche hochzurobben – zurück in die Richtung, aus der Sie gekommen sind.
Falls das Eis nicht trägt, brechen Sie dieses mit den Ellbogen weg, bis Sie zu einer tragfähigen Stelle gelangen.
Sobald Sie wieder auf dem Eis sind, robben Sie zunächst auf dem Bauch liegend weiter von der Einbruchstelle weg.
Helfer sollten sich unter unbedingter Beachtung der eigenen Sicherheit dem Verunglückten vorsichtig auf dem Bauch nähern und versuchen, Skistöcke, Rettungsstangen, Rettungsring oder ein Seil zu reichen (Posten mit Rettungsmaterial sind zum Teil am Ufer vorhanden).
Passanten sollten umgehend die Rettungskräfte alarmieren: Tel. 117. (pd)


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