Der Abschied von der Langlaufschule

Fr, 18. Apr. 2014

Albert Giger hat sich aus der Langlaufschule St.Moritz verabschiedet. Nach 37 Jahren Tätigkeit. Der frühere Spitzenlangläufer hat eine wechselvolle Geschichte mit der Langlaufschule erlebt, bevor diese nun vom Österreicherhaus ins Ovaverva wechselt.

Eine Langlaufschule im Österreicherhaus: Diese Ära ist in St. Moritz mit dem Saisonende 2013/14 abgeschlossen worden. Die neu strukturierte Langlaufschule wird im Sommer nach Fertigstellung in das benachbarte Outdoorcenter im Ovaverva integriert. Zeit also für den 68-jährigen Langlaufleiter Albert Giger, den Hut zu nehmen. 37 Jahre war der frühere Spitzenlangläufer und heutige Technische Leiter des Engadin Skimarathons für die Langlaufschule St. Moritz tätig. Und weiss vieles zu erzählen. Von Boom- und den Baisse-Jahren oder von Prominenz unter der Kundschaft. So beispielsweise Niki Lauda, Vicky Leandros, führenden Wirtschaftskapitänen, den Politikern und einigen mehr.

Seit 1977 dabei
Albert Giger erinnert sich seiner Anfänge in der Langlaufschule im alten Kraftraum im damaligen Parkhotel Kurhaus. Erst sieben Jahre zuvor war die Schule gegründet worden, Hans Brunner war der erste Leiter gewesen, das Büro untergebracht in der Signalbahn-Talstation. «Wie ich gehört habe, waren das unhaltbare Zustände», meint Giger. Er selbst stieg 1977 ein, auf Vorschlag der Hotellerie und angesichts des herrschenden Langlaufboomes. Einer «Hausse», für die der Engadiner selbst mitverantwortlich war, hatte er doch 1972 bei Olympia in Sapporo mit der Schweizer Langlaufstaffel Bronze gewonnen. Was zu einer regelrechten Langlauf-Euphorie im Lande führte. Die Schule wechselte ins Kurhaus, der Boom dauerte an. Damals noch im klassischen Stil. «Wir hatten täglich über 30 Leute», erinnert sich Albert Giger zurück. Im Schnitt habe man vier bis fünf Lehrer beschäftigt, aber auch schon mal bis 15.

Damals wie heute
Den damaligen Boom vergleicht Giger mit dem heutigen Aufschwung bei «seiner» Sportart. Cologna und Co. lassen grüssen. «Wir haben einen guten Winter 2014 gehabt, zehn Prozent mehr als 2013», erklärt der jetzt abgetretene Langlaufschulleiter aus Bever. Und schon im Vorjahr habe man eine Steigerung von fünf Prozent gehabt.
Zurück zu den Aufschwungjahren: Anfang der 80er-Jahre drohte der Schwung ein bisschen zurückzugehen – bis die Skatingtechnik kam. Sie brachte eine komplette Änderung der Technik – und der Präparierung der Loipen. Zuerst befuhr der Skidoo die Strecken, nur wenig später konnten erstmals die breiten Maschinen eingesetzt werden. «Es kam zu einem rechten Boom, auch langlaufschulmässig», erinnert sich Albert Giger. «Der Skatingstil brachte neue Gäste auf die Loipen.» Und vor allem Arbeit für die Langlaufschulen.
Nach seinem Abschied aus der St. Moritzer Langlaufschule Ende der abgelaufenen Saison macht sich Albert Giger allgemein Gedanken zu seinem Sport und den Folgen für die Region. «Ein vielfältigeres Langlaufgebiet wie das Oberengadin es ist, gibt es in ganz Europa nicht», sagt der Beverser deutlich. Und Giger hält fest: «Die Wertschätzung für den Langlauf hat zwar zugenommen, aber er ist immer noch eine Alternativsportart.» Dabei sei Langlauf doch eigentlich auch die grosse Schlechtwettervariante für die Wintergäste. «Je mehr Schlechtwettertage, desto mehr boomt der Langlauf», hat er festgestellt. Und er ist überzeugt: «Der Langlauf gehört zum Tal.» Darum schmerzt es ihn, wenn in der Region bei einzelnen Tourismus-Exponenten die Wertschätzung des Langlaufs weiterhin nur gering ist.

Langjährige Gäste
Albert Giger erzählt von vielen «langjährigen Gästen» und von lustigen Ereignissen. «Eigentlich hätte ich die alle aufschreiben sollen, das wäre eine tolle Sache geworden.» Er ist auch von der Notwendigkeit der Langlaufschulen im Tal überzeugt. «Die braucht’s einfach.»
Dass ihm im nächsten Winter die Langlaufschule fehlen wird, ist dem Bronzegewinner von 1972 klar. Aber der 68-Jährige hat weiter zu tun. Nach wie vor führt die Familie den Farbenhandel in Bever, langweilig wird’s Albert Giger nicht, da er beim Engadin Skimarathon in seiner Funktion als Rennleiter weiter engagiert ist. Wie lange noch? «Ein bis zwei Jahre sicher», sagt er. Bis die vorgesehenen Neuerungen eingeführt seien.

Autor: Stephan Kiener

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