Neue Konzession fürs Kraftwerk Morteratsch

| Do, 01. Mai. 2014

Das Kraftwerk Morteratsch soll auch weiterhin Strom produzieren können – allerdings als rundum erneuerte Anlage, die Umweltbelange respektiert. Der Pontresiner Souverän hat hierfür sein Grundsatz-Ja gegeben.

Das Kraftwerk Morteratsch, eingangs des gleichnamigen Tals gelegen, ging 1891 in Betrieb und gehört zu den ältesten Wasserkraftwerken Graubündens. Im Hinblick auf die Ende Dezember 2013 auslaufende Konzession aus dem Jahre 1965 wurde 2011 eine Machbarkeitsstudie zur Erneuerung der Anlage erstellt. Die Abklärungen ergaben, dass eine Erneuerung der Anlage sowie eine Erhöhung der Ausbauwassermenge und der installierten Leistung durchaus Sinn machten. Eine Arbeitsgruppe zusammengesetzt aus Vertretern der Repower, Spezialisten verschiedener Fachbereiche – auch von diversen Fischereiorganisationen – kantonaler Amtsstellen und der politischen und Bürgergemeinde Pontresina nahm eine frühere Planung in dieser Sache auf und entwickelte sie weiter. Da die Kraftwerksanlage im BLN-Objekt 1908 «Oberengadiner Seenlandschaft und Berninagruppe» liegt, also in einer Landschaft von nationaler Bedeutung, musste auf Umweltbelange besonders Rücksicht genommen werden, weshalb das Kraftwerkprojekt letztes Jahr schon der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission vorgestellt wurde.
 

60-jährige Konzessionsdauer

An der Gemeindeversammlung von anfangs Woche waren die Pontresiner Stimmbürger aufgefordert, Stellung zu nehmen. Nach einer Projektpräsentation kam es schnell zur Abstimmung, nicht über das Projekt selbst, sondern zwei Verträge, welche die Basis für dessen Umsetzung bilden: den neuen Konzessionsvertrag sowie die Heimfallverzichtsvereinbarung. So darf die Repower AG Poschiavo die Wasserkraft des Berninabachs für 60 Jahre nutzen. Die Gemeinde Pontresina erhält eine einmalige Heimfallverzichtsentschädigung von 0,5 Millionen Franken, in der Übergangsphase bis zum Baubeginn eine einmalige Entschädigung von 50 000 Franken für Ersatzlampen der Strassenbeleuchtung sowie Gratis-Energie im Wert von 72 000 Franken jährlich. Danach sieht der Konzessionsvertrag Wasserzinsen von bis zu 10 000 Franken pro Jahr vor, abhängig von der Jahresproduktion eine Beteiligung am KEV-Ertrag von schätzungsweise 160 000 Franken jährlich während zwanzig Jahren. Dazu erhält die Gemeinde Pontresina 5 Prozent Gratis-Energie über die gesamte Konzessionsdauer.
 

Am gleichen Standort

Das neue Kraftwerk soll am bisherigen Standort erstellt werden, also wird das Wasser des Berninabachs weiterhin auf der Ebene von «Las Plattas» neben der Berninapassstrasse gefasst und dann in einer (neuen) Druckleitung zur Zentrale nahe der Bahnstation Morteratsch geführt. Die neue Anlage wird aber leistungsfähiger sein. Die so genannte Ausbauwassermenge soll von bisher 0,55 m3/s auf 1,5 m3/s erhöht, also gut verdreifacht werden, die installierte Leistung von 0,57 Megawatt auf 1,6 Megawatt. Damit kann die mittlere jährliche Energieproduktion von 3,6 auf 7,0 Gigawatt ansteigen, also sich im Vergleich zum Status quo verdoppeln.
 

Mehr als genug Restwasser

Bei der Planung wurden umfangreiche Umweltabklärungen getätigt, die in einem Umweltverträglichkeitsbericht festgeschrieben sind. Ein besonderes Augenmerk kam dabei der Frage der Restwassermenge zu, die auch aus landschaftlichen Gründen bedeutsam ist. So soll die Restwassermenge vom Frühling bis zum Herbst zuflussdynamisch erfolgen und 30 Prozent des jeweiligen Zuflusses betragen. Zusätzlich werden von August bis Oktober noch weitere 100 Liter Wasser pro Sekunde abgegeben.
Über den Winter wird eine konstante Restwassermenge von 140 Litern pro Sekunde gewährleistet. Neben diesen ausreichenden Dotierwassermengen sieht das Projekt diverse Ersatzmassnahmen vor. So soll das gewässerökologisch und touristisch wertvolle Gewässersystem «Plauns» (Campingbach) während und auch nach den Bauarbeiten mittels einer zweiten Überleitung vom Berninabach aus gespiesen werden, womit diesem Gebiet – unabhängig vom Kraftwerkbetrieb – gleich viel Wasser wie bis anhin zukommen würde. Ferner soll ein Teil der 23-kV-Freileitung in die Erde verlegt werden.
Die verschiedenen involvierten Stellen erachten den geplanten Ausbau als ökologisch vertretbar oder gar für ein sehr umweltverträgliches Projekt.

 

Betrieb ab Frühling 2017

Mit der Annahme des Konzessionsvertrags und der Heimfallverzichtsvereinbarung durch die politische und die Bürgergemeinde kann das Projektdossier bis Ende Mai beim Kanton eingereicht werden. Wenn das Genehmigungsverfahren bis Februar/März 2015 durch ist und ein Bauentscheid in der zweiten Jahreshälfte 2015 erfolgt, soll im Frühling 2016 mit dem Bauen begonnen werden. Die Inbetriebnahme des neuen Karftwerks Morteratsch ist für Mai 2017 geplant.

 

Text: Marie-Claire Jur

Foto: Repower AG

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