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Foto: Reto Stifel

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Ein schwieriger Spagat

Die Pro Lej da Segl feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Nicht mit Schulterklopfen auf das, was alles erreicht worden ist. Im Fokus steht die Frage, was getan werden muss, um den Schutz der Seenlandschaft weiter zu gewähren. Ein Kommentar. 

Das Oberengadin im Allgemeinen und die Seenlandschaft im Speziellen ist eine Region von weltweit seltener Schönheit. Dass diese Landschaft unter nationalem Schutz steht, ist wenig verwunderlich. Der etwas technokratische Begriff des Bundesinventars für Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) wird dieser Einzigartigkeit nicht gerecht und taugt wenig, identifikationsstiftend zu sein. Genau das aber bräuchte es, um der Allgemeinheit noch viel stärker bewusst zu machen, welch unbezahlbaren Wert das Oberengadin hat.
Dass ein solches Juwel auch Begehrlichkeiten weckt, ist nachvollziehbar. Waren es zuerst die Betreiber von Wasserkraftwerken, die das Wasser des Silsersees zu Geld machen wollten, folgte später der touristische Ausbau und der Bauboom, welcher mit dem ungebremsten Zweitwohnungsbau einen unrühmlichen Höhepunkt erlebte. Schützen und Nutzen stehen im Oberengadin seit jeher in einem sehr ausgeprägten Spannungsfeld. Mittendrin in diesen Diskussionen befindet sich die Pro Lej da Segl, die vor 75 Jahren gegründete Organisation, die sich zum Ziel setzte, die Seenregion des Oberengadins längerfristig zu schützen. Das «landschaftliche Gewissen» des Oberengadins hat eine lokale Wächterfunktion mit nationaler Ausstrahlung. Die Schoggitaler-Aktion 1946 ist nur ein Beleg dafür.
Es hat immer auch den Anstoss von aussen gebraucht, um Einzelne mit ihren überbordenden Begehrlichkeiten in die Schranken zu weisen. Eines aber darf nicht vergessen gehen: Die lokale Bevölkerung ist sich über die Jahrzehnte immer stärker bewusst geworden, was es bedeutet, mit einem solchen Naturschatz umzugehen. Zwei Beispiele: Der Zweitwohnungsbau wurde schon 2005 mit einer Kontingentierung auf Kreisebene gebremst, und die seit bald 20 Jahren andauernde Revitalisierung der Gewässer gilt schweizweit als Vorzeigebeispiel.
Natur- und Landschaftsschutz gegen die Bevölkerung funktioniert nicht. Das lebt die Pro Lej da Segl vor. Sie wird primär als Gesprächspartnerin mit durchaus klaren und den Verträgen verpflichtenden Vorstellungen wahrgenommen. Nicht aber als Verhinderin. Das Abwägen zwischen Schützen und Nutzen wird auch in Zukunft immer wieder zu Diskussionen und Auseinandersetzungen führen. Diesen schwierigen Spagat zu meistern, ist in den letzten 75 Jahren gut gelungen. Auch dank der Pro Lej da Segl.

Autor und Foto: Reto Stifel


1 Kommentar

1000/1000
Hans-Jürgen Eilert am 26.11.2019, 10:22
Es ist gut, das der Artikel in den ersten Sätzen auf die Einzigartigkeit der geballten Schönheit des Oberengadins hinweist. Das ist tatsächlich so. Und auch nach über 30 Jahren, wo ich ins Engadin als Besucher komme, stockt mir jedesmal auf's Neue der Atem, wenn ich über den Julier hinunter fahre und erstmals die Seen sehe....das ist schon beeindruckend genug, um es erstmal für sich zu verarbeiten. Wie im Artikel ewähnt, ist die logische Konsequenz, das dies bauliche Begehrlichkeiten weckt, insbesondere bei jenen, die es sich leisten können. Der Druck wird größer werden. Ich hoffe einfach nur, das schlußendlich immer die Vernunft siegen wird..., bevor diese Ausnahmelandschaft im Alpenraum so verbaut würde, das für das Gesamtbild, für den nachhaltigen Tourismus, für die Lebensqualität etc... keine positiven Optionen mehr übrig bleiben und man sich damit die Zukunft auf lange Sicht ruinieren würde. Ob das gelingt, da bin ich mir nicht sicher.
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