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Foto: Reto Stifel

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Der Laubtracker – ein Unwort

Der Laubtracker von Schweiz Tourismus soll den Gästen in der Schweiz zeigen, wo sich die Blätter im Herbst gerade am schönsten verfärben. Die Idee ist okay, das Wort Laubtracker hingegen gehört entsorgt. Es erinnert an vieles. Nicht aber an Herbstferien.

Der Tourismussommer 2020 dürfte für viele Destinationen über Erwarten abschneiden. Trotz Corona. Oder vielleicht gerade wegen Corona. Doch auch der schönste Sommer kommt zu einem Ende, und die Touristiker fragen sich, was bringt der Herbst? Und was der Winter? Dass sich dazu auch Schweiz Tourismus, die oberste Vermarktungsorganisation des Landes Gedanken macht, ist nicht mehr als richtig. Und wer sich Gedanken macht, kommt ab und zu auf Ideen. Wie auf jene des «ersten schweizweiten Laubtrackers», wie am Montag in einer Medienmitteilung angekündigt wurden ist. Laubtracker. In meinem Kopfkino sehe ich bei diesem Wort spontan zwei Bilder vor mir: Einen Laubsauger – die überflüssigste Erfindung seit der Atombombe. Oder aber die SwissCovid-App, der Corona-Tracker zur Eindämmung des Virus. Zwar nicht überflüssig, aber irgendwie auch kein Stimmungsheber.
Wie also soll mich der Laubtracker in Herbstferienstimmung versetzen? Wenn es nach Schweiz Tourismus geht, ganz einfach: Wer wissen will, wo sich der Herbst in der Schweiz gerade in seinem farbigsten Kleid zeigt, aktiviert den Tracker und hat auf einen Blick die aktuelle und die prognostizierte Blätterverfärbung in der ganzen Schweiz auf dem Handy-Bildschirm. Inklusive Ferienideen für den entsprechenden Ort. Die vier getrackten Bäume sind der Ahorn, die Birke, die Buche und die Lärche. Laub? Lärche? Handelt es sich bei der Lärche nicht um einen Nadelbaum? Nun, ganz so einfach ist es nicht, wie etwas Recherche im Internet zeigt. Die Lärche gehört zwar zu den Nadelbäumen, bedient sich aber mit dem Abwurf der nadelförmigen Blätter im Herbst der gleichen Überwinterungsstrategie wie die sommergrünen Laubbäume. Eine laubwerfende Nadelbaumart sozusagen.
Schweiz Tourismus hat also nicht ganz unrecht mit der Lärche und den Blättern. Aber zurück von der Botanik zum Marketing. Die interaktive Karte der Laubverfärbung – Entschuldigung, der Laubtracker – zeigt mir in Graubünden genau einen Ort an: Davos. Davos? Warum nicht Sils, Pontresina oder Scuol, wo doch jedes Kind weiss, dass es punkto Farben keinen schöneren Herbst gibt als im Engadin. Ein Anruf bei Schweiz Tourismus gibt Entwarnung. Davos als Ortschaft sei nur zur Orientierung auf der Karte (obwohl unter uns: St. Moritz ist viel bekannter), und selbstverständlich sei das Engadin mit einer Auswahl an schönen Wanderungen in den Laubtracker integriert. Und: Der Slogan der Herbstkampagne «Ich brauch eine Fahrt ins Gelbe. Ich brauch Schweiz.», wird mit einem prächtigen Engadiner Herbsujet illustriert. Ich bin fast versöhnt mit Schweiz Tourismus. Fast. Denn liebe Marketingexperten, Contentmanagerinnen und Social-Media-Profis: Verbannt den Laubtracker aus Eurem Vokabular und lasst ihn dort verschwinden, wo er hingehört: Ins Gebläse des Laubsaugers.

Autor: Reto Stifel

Foto: Jon Duschletta


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