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Visualisierung: Engadin St. Moritz Mountains

Visualisierung: Engadin St. Moritz Mountains

Durch Schneewasser-Recycling neue Massstäbe setzen

Engadin St. Moritz Moritz Mountains plant, oberhalb von Corviglia einen zweiten Speichersee für die Beschneiung zu bauen. Das Unternehmen spricht von einer «Weltneuheit». Für die Beschneiung wird weder Grundwasser noch Wasser aus Fliessgewässern benötigt.

Vor fünf Jahren hat die Engadin St. Moritz Moritz Mountains AG den Naturspeichersee beim Lej Alv fertiggestellt. Dieser leistete bereits im ersten, extrem schneearmen Winter gute Dienste: Ohne das Wasser aus diesem See hätte bei Saisonbeginn nur rund die Hälfte des Pistenangebotes bereitgestellt werden können. Dank des Speichersees konnte die Menge des aus dem Tal hochgepumpten Wassers um 50 Prozent reduziert werden – primär Grundwasser. Das wiederum spart Strom: 2,4 Gigawattstunden pro Jahr (GW/h), was im Durchschnitt dem jährlichen Verbrauch von rund 400 Vier-Personen-Haushalten entspricht.
Jetzt möchte das Bergbahnunternehmen einen Schritt weitergehen. Geplant wird der Bau eines zweiten Naturspeichersees. Mit einem Füllvolumen von knapp 280  000 Kubikmeter Wasser soll er kleiner werden als der erste See (400 000 Kubikmeter). Er benötigt deutlich weniger technische Infrastruktur wie beispielsweise ein Pumpwerk. Das Wasser würde vom Speichersee beim Lej Alv über die 60 Höhenmeter zum neuen See oberhalb von Corviglia beim Standort Nair Pitschen hochgepumpt. Die Kosten für den Bau dieses zweiten See werden sich auf rund zehn Millionen Franken belaufen, der grössere See beim Lej Alv kostete doppelt so viel.

100 % Schneewasser-Recycling
Wenn Adrian Jordan, Leiter Schneesport und Bergerlebnisse bei den Engadin St. Moritz Mountains, von einer «Weltneuheit» im Kontext der nachhaltigen Beschneiung spricht, dann deshalb, weil das Skigebiet international gesehen das Einzige wäre, welches für die Beschneiung einzig Schmelzwasser aus Winterschnee benötigt. «Wir brauchen also weder Grundwasser noch müssen wir Wasser aus Fliessgewässern entnehmen, um beschneien zu können. Das ist in unseren Augen nachhaltige Beschneiung», sagt Jordan. Dies umso mehr, als dass das gesamte Unternehmen seit vier Jahren schon auf CO2-neutralen Strom setze, welcher aus Schweizer Wasserkraft produziert werde.

Grundeinschneiung aus den Seen
Wie aber funktioniert dieses Schneewasser-Recycling? Die beiden Talkessel von Schlattain und Saluver mit ihren weitläufigen Hängen setzen jeweils im Frühjahr bei der Schneeschmelze enorme Wassermengen frei. Diese werden nach Abgabe der gesetzlich definierten Restwassermenge im Naturspeichersee Lej Alv aufgefangen. Ist dieser gefüllt, wird das Wasser zum neuen Speichersee hochgepumpt. So stehen den Bergbahnen im Herbst, wenn die Beschneiung startet, über 700 000 Kubikmeter oder 700 Millionen Liter Wasser zur Verfügung. «Damit sind wir auf den Tag X, wenn die Temperaturen tief genug sind, bereit, die Grundeinschneiung für das ganze Skigebiet machen zu können», sagt Jordan. Dabei sei der eigentliche Quantensprung mit dem Bau des ersten Sees erfolgt. Damals konnte die Grundeinschneizeit von zwei auf eine Woche reduziert werden. Dieser Zeitraum wird durch das Vorhanden-sein des zweitens See nicht wesentlich kürzer – dafür müssten zusätzliche Schneeerzeuger angeschafft werden, was ökonomisch wenig sinnvoll sei. «Aber wir haben dieses Wasser, welches wir im Frühjahr auffangen und am Berg lagern, sofort zur Verfügung. Wir werden viel agiler und können die einzelnen Kaltwetterperioden optimal nutzen», sagt Jordan.

Ortsplanungsrevision nötig
Bis dieser zweite See gebaut ist, werden mindestens weitere vier bis fünf Jahre ins Land gehen. Der Standort ist zwar vorgeprüft, die geologischen Grundvoraussetzungen sind gegeben und die Wirtschaftlichkeitsrechnung ist gemacht. Und sobald sich der Verwaltungsrat für die Weiterverfolgung des Projektes ausspricht, kann das Vorprojekt an die Hand genommen werden. Die grösste zeitfressende Hürde dürfte dann aber die Ortplanungsrevision sein, mit der überhaupt erst die planerische Grundlage geschaffen wird, um das Vorhaben auf St. Moritz Gemeindegebiet realisieren zu können.
Eine von einem Masterlehrgang der Uni St. Gallen erarbeitete Fallstudie kommt zum Schluss, dass aus Umwelt-, Wirtschafts- und gesellschaftliche Perspektive durch den Bau eines zweiten Speichersees die Ressourcen am nachhaltigsten genutzt werden. Ökologisch geht es um die bereits erwähnte Reduktion des Energieverbrauchs – durch den zweiten See können noch einmal 1,5 GWh pro Jahr eingespart werden und es kann zu 100 Prozent Grundwasser von jährlich rund 300 Millionen Litern eingespart werden. Vorteilhaft auf sozialpolitischer Ebene wirke sich nach den Erkenntnissen der Fallstudie die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen durch ein klares Bekenntnis zum Wintersport aus. Aber auch der See als Attraktivität im Sommer wird als Aspekt hervorgehoben, welchen Jordan bestätigt. «Wasser zieht die Leute an. Der Naturspeichersee beim Lej Alv ist zu einem eigentlichen Naherholungsgebiet geworden, welches von sehr vielen Gästen besucht wird.» Auch der zweite See soll darum im Sommer zum Anziehungspunkt werden, der unter anderem mit einem Wanderweg ab der Bergstation Corviglia erschlossen wird.

Keine Reinvestition in Pumpanlagen
Neben dieser ökonomischen Betrach-tung des Investitionsvorhabens mit einer starken Gewichtung der Nachhaltigkeitsaspekte hat die Engadin St. Moritz Moritz Mountains AG mit einer klassischen Investitionsrechnung geprüft, ob sich das Vorhaben auch rein wirtschaftlich gesehen rechnet. Jordan verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass heute acht Pumpstationen über den ganzen Berg verteilt in Betrieb sind. Diese sind in einem Alter, in dem Reinvestionen anstehen, die pro Pumpwerk rasch einmal zwischen 1,5 und 2 Mio. Franken kosten können. Reinvestitionen, die man mit dem Bau des zweiten Naturspeichersees nicht tätigen müsste.

Autor: Reto Stifel

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