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Weniger Fische wegen giftiger Wachse?

Weniger Fische wegen giftiger Wachse?

Noch ist es nur eine These. Doch wenn es nach dem Kantonalen Fischereiverband geht, soll in einer Studie geprüft werden, ob die Toxizität von Fluorwachsen zu einem Rückgang der Fischbestände führt. Gerade im Oberengadin, wo die Seen im Winter auch Langlaufloipen sind.

Umfrage beendet: Ergebnis

Ab diesem Sommer verbietet die EU den Verkauf von Produkten mit sogenannten C8-Fluorverbindungen. Der Internationale Skiverband geht noch einen Schritt weiter und möchte ab dem nächsten Winter sämtliche Fluor-Wachse verbieten. Wären Sie bereit, zum Beispiel beim Engadin Skimarathon, auf den Einsatz von Wachsen mit Fluor zu verzichten?


Ja
46 Stimmen

Nein
4 Stimmen

«Vergiften Langläufer unsere Fische?» Mit dieser provokanten Aussage hat Radi Hofstetter, Präsident des Kantonalen Fischereiverbandes Graubünden seine Kolumne in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Bündner Fischer» betitelt. Hofstetter verweist darauf, dass die Fischer und das Amt für Jagd und Fischerei seit Jahren über den Niedergang der Seesaiblingbestände in den Talseen rätseln. Gleichzeitig seien fluorhaltige Verbindungen, wie sie auch in Skiwachsen vorkommen, auch in kleinsten Dosierungen für Mensch und Tier extrem giftig und von der Natur nicht abbaubar. «Schon wenige Mikrogramm pro Liter Wasser können für Kleinlebewesen und Jungfische tödlich sein», schreibt Hofstetter und rechnet vor, dass am Engadin Skimarathon mehrere Kilos dieser hochgiftigen Substanz auf dem Schnee abgelagert und beim Schmelzen in den See gelangen. Hofstetter ist sich bewusst, dass diese These schwer zu beweisen ist. Auch werde es kaum nur eine einzige Ursache für den Fischrückgang geben.
Auf Nachfrage präzisiert er, dass die Giftigkeit der Fluorwachse für Kleinlebewesen im Wasser und im Boden bei der Erstzulassung der Stoffe durch die Herstellerfirma in verschiedenen Studien belegt worden sei. Dass die EU ab Juni bestimmte Fluorarten verbiete, sei auf norwegische Studien zurückzuführen. «Dabei wurden die Rückstände und ihre Giftigkeit für Kleinlebewesen im Waldboden unter den Langlaufloipen nachgewiesen», sagt er. Dass ein Volkslauf wie der Engadin Skimarathon auf dem ersten Drittel der Strecke fast nur über Seen verlaufe, sei einzigartig. Deshalb gebe es in der EU keine Studien zur Wirkung von Fluorcarbonen in Oberflächengewässern.

Kaum Datenmaterial für Nachweis
Das Thema Fluorwachse ist auch beim kantonalen Amt für Jagd und Fischerei in Chur präsent. «Ein klarer Zusammenhang zwischen den Fluorwachsen und dem Rückgang des Fischbestandes in den Oberengadiner Seen kann nicht bewiesen, aber auch nicht negiert werden. Dafür ist das vorhandene Datenmaterial bei Weitem nicht ausreichend», sagt Fischereibiologe Marcel Michel. Wo man aber gezielt nach solchen Stoffen gesucht habe, habe man diese im Blut und in der Leber von Fischen nachweisen können. Das sei aber vor wenigen Jahren auch bei organischen Chlorverbindungen wie PCB der Fall gewesen. Für Michel wäre es wünschenswert, wenn diese Hypothese weiter untersucht wird. «Wenn es konkrete Verdachtsmomente gibt, dann ist klar, dass diese Stoffe nicht ins Wasser gelangen dürfen und dann müssen sie allenfalls auch verboten werden. Marcel Michel gibt auch zu bedenken, dass sich bei der momentanen Diskussion der Fokus stark auf die Skiwachse konzentriere. Der Stoff komme aber auch in Teflon, bei Outdoor-Goretex-Jacken, Polituren oder wasserabweisenden Verpackungen vor.
Der Kantonale Fischereiverband hat mit Zustimmung des Schweizerischen Fischereiverbandes beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) eine Studie beantragt, mit der die Konzentration dieser Stoffe in den beiden grossen Oberengadiner Talseen mit Wasserproben an verschiedenen Stellen gemessen werden soll. Gleichzeitig soll gemäss Hofstetter die Toxizität und die Schädlichkeitsgrenze für Jungfische und ande‧re Wasserlebewesen von einer unabhängigen Institution wie beispielsweise dem Wasserforschungsinstitut (Eawag) in einer gross angelegten Studie eruiert werden. Das brauche Zeit und koste viel Geld, darum sei man als kantonaler Verband auf die Unterstützung des Bafu angewiesen.
Udo Raunjak ist Chemiker und Forschungsleiter des Wachsherstellers Toko/Swix. Er verweist auf Anfrage auf die offizielle Stellungnahme der Schweizer Firma. In dieser wird auf die EU-Richtlinie verwiesen und darauf, dass ab Sommer nur noch Wachse mit der sogenannten C6-Technologie verkauft werden dürfen, also kürzerkettige Fluorverbindungen, aus welchen keine Perfluoroctansäure (PFOA) entstehen kann, das eigentliche Problem der Fluorwachse. «Diese Säure kann in hohen Konzentrationen und über lange Zeit, oral verabreicht, ein gesundheitliches Risiko darstellen», schreibt Toko.

Nicht nur in den Wachsen
Untersuchungen zufolge könne bei einem angenommenen weltweiten Jahresverbrauch von zehn Tonnen Fluorwachs davon ausgegangen werden, dass nicht mehr als 300 bis 500 Gramm PFOA erzeugt würden, nur ein kleiner Teil davon gelange in die Umwelt. Als Vergleich nennt Toko China, welches im Jahr 2006 über 200 Tonnen PFOA für die Fluorkunststoffherstellung produziert habe. Toko kommt zu dem Ergebnis, dass der Beschluss der FIS dringend überarbeitet werden müsste. Die Wettkampfstrecken, auf denen Fluorwachse zum Einsatz kämen, seien im Vergleich zu den sonst vom Skisport genutzten Flächen klein. Eine Reduktion der PFOA-Belastung sei angesichts der vielen anderen Bereiche, in denen der Stoff verwendet werde, minim. Die neuen EU-Richtlinien seien geeignet und ausreichend. Auch schreibt Toko, dass die Wachse mit der neuen, umweltfreundlichen C6-Technologie den C8-Produkten ebenbürtig seien.
Menduri Kasper, Geschäftsführer des Engadin Skimarathons, findet es unfair, dass sich die Diskussion zu diesem Thema nun auf den Engadin Skimarathon fokussiert. Auf den Loipen seien den ganzen Winter über Langläufer unterwegs und auch bei den Alpin-Skifahrern kämen solche Wachse zum Einsatz. «Wir sind nicht die Spezialisten und stehen dem Ganzen zurzeit neutral gegenüber», sagt er. Sollte seitens der FIS das Reglement geändert werden, werde man das für den Engadin Skimarathon übernehmen, was keine grossen Auswirkungen auf die Organisation hätte. «Wenn allerdings ein Reglement kommt, welches von uns eine Kontrolle über die Einhaltung dieses Verbotes verlangt, wird es schwierig.»

Autor: Reto Stifel

Foto: www.swiss-image.ch


1 Kommentar

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Peter Bützer am 17.02.2020, 10:25
Sekundenbruchteile auf Kosten der Natur
Alle polyfluorierten Kohlenstoffverbindungen, mit einem oder vielen Kohlenstoffatomen sind biologisch kaum abbaubar und erscheinen früher oder später im Trinkwasser. Die Verbindung mit 8 Kohlenstoffatomen ist nun die erste, die weltweit geächtet wird, auch die mit sechs Kohlenstoffatomen (C6) ist schon als umweltschädlich eingestuft. Diese fluorierten Substanzen sind sogar noch schlechter abbaubar als das seit diesem Jahr verbotene Pestizid, überall im Trinkwasser gefundene Chlorothalonil. Chemisch gesehen sind alle chemischen Verbindungen mit vielen Fluor, Chlor oder Bromatomen kritisch. Da ist ein generelles Umdenken notwendig, denn auch kleine Mengen von so schlecht abbaubaren Substanzen kommen nicht einzeln, sondern zusammen über Pflanzen, Tiere und das Wasser schlussendlich beim Menschen an.
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