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Foto: www.shutterstock/peterschreiber.media

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Das Virus, welches Entschleunigung verordnet

Das Coronavirus diktiert unseren Alltag. Im Geschäft, in der Freizeit. Die Seuche zwingt zum Umdenken. Egoismus hat keinen Platz. Solidarität ist gefragt. Die Gesellschaft ist auf dem Prüfstand.Ein Leitartikel.

Epidemien gibt es, seit der Mensch sesshaft geworden ist. Pest, Cholera, Pocken oder Tuberkulose haben zu Millionen von Toten geführt. Die spanische Grippe wütete vor gut 100 Jahren mit schweren Folgen, auch in der Schweiz. Sars, Schweine- oder Vogelgrippe sind andere Seuchen, an die wir uns noch besser erinnern. Nicht, weil die Auswirkungen besonders verheerend gewesen wären, nein, weil sie noch gar nicht so lange zurückliegen und darum noch besser in unserem Gedächtnis haften geblieben sind.

Verzicht üben
Das neue Coronavirus hat es in kurzer Zeit zum alles bestimmenden Gesprächsthema geschafft. Was im fernen China begann, hat sich rasant nach Europa und dort zuerst in Italien verbreitet. Mittlerweile gibt es kein Land, welches nicht betroffen ist, keine Regierung, die nicht zu drastischen Massnahmen greifen muss.
In der Schweiz hat der Bundesrat im Kampf gegen den unsichtbaren Feind Coronavirus zu Mitteln gegriffen, die unser aller Leben ganz massiv beeinflussen werden. Eine Gesellschaft, die grossmehrheitlich ohne gravierende Krisen und in relativem Wohlstand durchs Leben gekommen ist, muss die wohl grösste Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg bewältigen. Eine Gesellschaft, die es gewohnt ist, alles jederzeit, überall und immer verfügbar zu haben, muss Verzicht üben. Keine Schule, kaum mehr soziale Kontakte, geschlossene Freizeiteinrichtungen, strenge Grenzkontrollen, verwaiste Büros – was in den ersten Tagen noch als spannende Herausforderung angesehen wird – kann, wenn die Massnahmen über Wochen oder Monate dauern, Ängste wecken, Frustrationspotenzial freisetzen, sozialen Unfrieden schüren. Wie kann jeder Einzelne, wie kann die Gesellschaft damit umgehen?

Gemeinsames Ziel vor Augen
Auf diese Fragen gibt es heute noch keine Antworten. Auch der jetzt oft gehörte Satz, dass wir aus dieser Krise für die Zukunft lernen können und das Erlebte die Gesellschaft im besten Fall weiterbringt, ist im Moment nicht mehr als eine These. Immerhin zeigt die Vergangenheit, dass Krisensituationen immer wieder dazu geführt haben, dass die Gesellschaft zusammengerückt ist, dass Energien freigesetzt worden sind, die man nicht für möglich gehalten hätte. Weil man plötzlich ein Ziel vor Augen hat: Die gemeinsame Bewältigung einer ausserordentlichen Situation. In den sozialen Netzwerken gibt es bereits Initiativen, die das Ziel haben, denen zu helfen, die es jetzt am Nötigsten haben. Die EP/PL wird dazu noch diese Woche das Projekt «Viva Insembel» lancieren, eine Plattform, welche Anbieter und Nachfrager von nicht kommerziellen Dienstleistun-gen zusammenbringen soll. Infos folgen.

Massnahmenkatalog ist richtig
Zurück zum Hier und Jetzt. Der vom Bundesrat am Freitag beschlossene- und von der Bündner Regierung am Sonntagabend verschärfte Massnahmenkatalog ist richtig. Er beruht auf Erkenntnissen der Wissenschaft, erhebt aber weder den Anspruch abschliessend zu sein noch das Problem aus der Welt zu schaffen. Kann er auch gar nicht, bei einem Virus, welches noch wenig bekannt ist. Was im Moment passiert, ist, dass sich ein Prozess in Gang gesetzt hat, beim dem alle Beteiligten laufend lernen. Dieses neue Wissen führt dazu, dass neue Massnahmen ergriffen oder bestehende gestrichen oder angepasst werden. Dass die Regierung diese Unsicherheit offen anspricht und nicht vorgibt, allwissend Massnahmen von oben herab zu verordnen, stärkt das Vertrauen und zeugt von Führungsstärke. Für uns alle bedeutet das trotz Ängsten, Unsicherheit und vielen offenen Fragen, die Restriktionen zu akzeptieren und die allgemeinen Verhaltensregeln einzuhalten. Zu unserem eigenen Schutz, aber auch zum Schutz all jener, die noch viel verletzlicher sind.

Absenz vom Corona-Liveticker
«Die menschliche Psyche neigt zur Negativverzerrung», wird Psychothe-rapeut Dietmar Hansch in der «NZZ am Sonntag» zitiert. Negative Informationen, Gefühle und Gedanken würden sich hochschaukeln, für Stress sorgen und höhere geistige Funktionen einschränken. Weichen Sie dem so aus, wie es für Sie stimmt und möglich ist. Patentrezepte gibt es keine, die Möglichkeiten sind aufgrund der Restriktionen eingeschränkter als sonst. Zumindest das Wetter zeigt sich in diesen Tagen krisenresistent und lädt dazu ein, für ein paar Stunden ohne Corona-Liveticker den Kopf zu lüften.
Bleiben Sie gesund!

Autor: Reto Stifel

Foto: www.shutterstock/peterschreiber.media


1 Kommentar

1000/1000
hns am 16.03.2020, 17:45
toller text!! und wahrlich wahr...
danke dafür....
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