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Foto: www.swiss-image.ch

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Der Tourismus bleibt im Blindflug

Die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden schrittweise gelockert. Von der langsamen Rückkehr zur neuen Normalität ist im Tourismus noch wenig zu spüren. Zu viele Fragen bleiben nach der Orientierung des Bundesrates offen. Ein Leitartikel.

Blindflug bedeutet in der Fliegersprache einen Flug, bei dem der Pilot keine Sicht hat und sich nach Instrumenten richten muss. Im Gegensatz zum Sichtflug ist es nicht der Pilot, der im Cockpit den Steuerknüppel in den Händen hält, er überlässt das Fliegen den Instrumenten. Keine Sicht – das hat die Schweizer Wirtschaft seit bald fünf Wochen – und fliegt im Blindflug. Mittels Notverordnung zur Bekämpfung von Covid-19 ist der Flug zwangsweise an den Bundesrat und die Experten delegiert worden.
Ab dem 27. April soll sich das schrittweise ändern. Am Donnerstag hat der Bundesrat bekannt gegeben, wie die einschneidenden Massnahmen in drei Etappen gelockert werden können. Im Grossen und Ganzen macht das Vorgehen der Landesregierung Sinn. Im Detail kann immer darüber gestritten werden, warum der Grossverteiler seine Bleistifte und Radiergummis zwei Wochen früher wieder ins Sortiment aufnehmen darf als die kleine Papeterie. Die etappenweise Lockerung steht vor dem Hintergrund, dass sich die Fallzahlen zum Coronavirus zwar in die richtige Richtung bewegen, Covid-19 aber noch lange nicht besiegt ist. Noch fehlt das detaillierte Wissen, um die Verbreitung der heimtückischen Seuche besser einschätzen zu können. Noch fehlen die Medikamente und die Impfstoffe, um das Virus in den Griff zu kriegen. Die Devise «so rasch wie möglich, so langsam wie nötig» tönt vernünftig, deren Umsetzung in der Praxis wird aber zur grossen Herausforderung. Für die Gesundheitsexperten dürfte es zu schnell gehen, für die Wirtschaft sind die angekündigten Schritte zu zaghaft.

Perspektiven für Tourismus fehlen
Letzteres dürfte vor allem auf den Tourismus zutreffen. An der Pressekonferenz des Bundes war die Branche – immerhin die viertgrösste Exporteinnahmequelle der Schweiz – kaum eine Randnotiz wert. Während verschie-denen Wirtschaftszweigen zumindest Perspektiven aufgezeigt wurden, müssen sich die Bergbahnen, das Gastgewerbe oder die Veranstalter weiter in Geduld üben. Was ab dem 8. Juni für die Tourismusbranche möglich sein wird, ist völlig offen. Ob es überhaupt einen touristischen Sommer geben wird, steht in den Sternen geschrieben. Gemäss dem Präsidenten von Hoteliersuisse hat eine Umfrage ergeben, dass jeder vierte Betrieb vor dem Konkurs steht. Das ist nicht einfach Schwarzmalerei, sondern lässt sich immer mehr aus den Statistiken ablesen. Die vorzeitige Beendigung der Wintersaison und die Schliessung der Grenzen im März haben zu Umsatzrückgängen im Tourismus um teilweise mehr als 90 Prozent geführt. St. Moritz verzeich-nete im März einen Logiernächterückgang von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr ‧– so etwas hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben.

Existentielle Fragen
Gesamtschweizerisch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus nicht gerade marginal, mit einem Anteil von unter drei Prozent am Bruttoinlandprodukt aber auch nicht matchentscheidend. Ganz anders im Kanton Graubünden. Knapp 26 000 Arbeitsplätze hängen am Tourismus, dieser steuert 30 Prozent der Bruttowertschöpfung bei. Im Unterengadin werden knapp 60 Prozent der Wertschöpfung über den Tourismus erwirtschaftet, im Oberengadin sind es sogar über 68 Prozent. Diese Zahlen stammen aus einer Studie aus dem Jahr 2008, die Abhängigkeit dürfte aber nicht kleiner geworden sein. Ohne Tourismus keine Arbeitsplätze, ohne Arbeitsplätze kein Einkommen, ohne Einkommen keine Lebensgrundlage: Die Corona-Krise kann für die Tourismusregionen und ihre Bewohner zu einem existenziellen Problem werden.

Auf dem Radar bleiben
Auch beim Flug nach Instrumenten ist unabdingbar, dass das Flugzeug auf dem Radarschirm des Lotsen sichtbar bleibt. Angesichts der immensen Herausforderungen für die gesamte Schweizer Wirtschaft aufgrund der Corona-Pandemie ist es essentiell, dass der Tourismus mit seinen Anliegen gehört wird und nicht vom Radar in Bundesbern verschwindet. Auch die Tourismuswirtschaft braucht Perspektiven in Form von Lockerungen der Massnahmen, um das Heft wieder selber in die Hand nehmen zu können. Wenn sie dabei von den Lotsen aus Bern umsichtig begleitet wird, könnte der Flug trotz schwierigen Begleitumständen sicher zur Landung ansetzen.

Autor: Reto Stifel

reto.stifel@engadinerpost.ch

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