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Aus dem Oberengadin nicht mehr wegzudenken: Das Spital Samedan mit all seinen Angeboten. Foto: Daniel Zaugg

Aus dem Oberengadin nicht mehr wegzudenken: Das Spital Samedan mit all seinen Angeboten. Foto: Daniel Zaugg

125 Jahre Spital Oberengadin – ein Zwischenschritt

Es war ein weiter und bisweilen steiniger Weg vom ersten Siechenhaus im Oberengadin bis zum heutigen Flaggschiff im Gesundheitswesen, dem Spital Oberengadin. Mit dem aktuellen Masterplan «Il Futur 2020» wird auch schon fleissig an der Zukunft gearbeitet.

370 Mitarbeitende alleine im Spitalbetrieb, knappe 2900 stationäre und gut 20 820 ambulante Fälle und über die ganze Stiftung Gesundheitsvorsorge Oberengadin (SGO) gesehen, 54 Millionen Franken Umsatz, das sind ein paar der wichtigsten Kennzahlen des letzten Geschäftsjahres.
Das zur SGO gehörende Spital in Samedan ist nach dem Kantonsspital Chur das zweitgrösste Spital Graubündens und verfügt über Abteilungen der Inneren Medizin, Chirurgie und Traumatologie, Gynäkologie, Pädiatrie, Anästhesie, Radiologie sowie über ein interdisziplinäres 24-Stunden- Notfallzentrum, über eine Sechs-Bett-Intensivpflegestation, Tagesklinik und verschiedene Beratungsdienste. Und eine lange, eine 125-jährige Geschichte.
Noch im 18. Jahrhundert kümmerten sich im Oberengadin laut geschichtlichen Überlieferungen gerade einmal sechs Hausärzte um das gesund-heitliche Wohlbefinden der hiesigen Bevölkerung. Brachen Seuchen und Pandemien aus, so wurden Kranke in Quarantäne gestellt und in sogenannte Absonderungshäuser abgeschoben (lesen Sie dazu nachfolgendes Interview mit dem CEO der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin, Beat Moll).
1880 keimen im Oberengadin jedoch erste Gedanken für ein zentrales Krankenhaus auf. Treibende Kräfte hinter dieser Idee sind vor Ort tätige Ärzte und einflussreiche Persönlichkeiten aus den Kreisgemeinden. Schon im Folgejahr wird ein Spitalverein gegründet und mit 140 000 Franken Spendengeldern der Grundstein für den Bau eines Spitals mit Absonderungshaus gelegt. Nach zweijähriger Bauzeit wird dieses erste Oberengadiner Spital am 12. Mai 1895 offiziell eingeweiht und erhält drei Jahre später elektrisches Licht. Noch einmal zehn Jahre später nimmt das heutige «Alte Spital» mit 80 Betten seinen Betrieb auf. 1953 wird die St. Moritzer Klinik Bernhard als Aussenstation in den Spitalbetrieb integriert, und zwar bis 1979, bis zur Eröffnung des «neuen», des heutigen Spitals.
2018 wird der bestehende Spitalbetrieb in die neu gegründete Stiftung SGO überführt, der Zürcher Gesundheitsökonom Beat Moll tritt die Nachfolge des pensionierten Spitaldirektors Heinz Schneider an und der Masterplan «Il Futur 2020» wird erarbeitet. Damit soll die fällig gewordene Gesamtsanierung des Spitalkomplexes übersichtlich, koordiniert und in einem laufenden Prozess abgewickelt werden. Angestrebt werden unter anderem ein optimiertes Raumprogramm, bessere Arbeitsabläufe sowie ein modernes Erscheinungsbild wie auch eine Anpassung an die modernen Bedürfnisse im Gesundheitswesen.
Laut Annina Notz, Kommunikationsassistentin der SGO, sind geplante Jubiläumsaktivitäten wie beispielsweise der Tag der offenen Tür coronabedingt ins Wasser gefallen. Der Publikumstag soll aber 2021 nachgeholt werden. Für weitere Informationen verweist Notz auf die Internetseite, Facebook und das spitaleigene Informationsmagazin «In Forma».
www.spital-oberengadin.ch

Interview mit Spital-CEO Beat Moll:

«Verantwortung für die Jungen liegt mir am Herzen»

Das 125-jährige Spitaljubiläum wird heuer von den Negativschlagzeilen rund um die Corona-Pandemie überschattet. Dank einer gut aufgestellten Gesundheitsversorgung und dem laufenden Umbauprojekt sieht Spitaldirektor Beat Moll trotzdem positiv in die Zukunft.

«Engadiner  Post/Posta  Ladina»: Beat Moll, wie sehr ist Ihnen und der Spitalbelegschaft aktuell zum Feiern zumute?
Beat Moll*: Im Moment ist das in der Tat eine schwierige Situation. Einerseits würde man natürlich gerne feiern, auch weil der Ernstfall erfolgreich geprobt wurde und wir diese Zeit ohne grosse Wellen gut gemeistert haben. Leider können wir das infolge der Gebote wie Distanz halten und dem Versammlungsverbot noch nicht. Trotzdem haben wir wichtige Erfahrungen gemacht, sind gut vorbereitet auf allfällige weitere Wellen und können so langsam wieder zur Normalität zurück.

Lange bevor das Spital vor 125 Jahren seinen Betrieb aufgenommen hat, gab es in der Region wegen Pest und anderen Epidemien vier Quarantäne-Häuser. Wie muss man sich die damalige Situation vorstellen?
In Samedan, Zuoz, Pontresina und St. Moritz gab es bereits im 17. Jahrhundert Siechenhäuser, sogenannte Absonderungshäuser. Man hat damals Kranke einfach aus den Zentren weggeschafft und in solchen Häusern isoliert. Deshalb waren diese Häuser von der Bevölkerung gefürchtet und wurden auch gemieden. Erst bei der Planung eines regionalen Spitals hat sich die Bevölkerung von Samedan davon überzeugen lassen, dass Ärzte in einem Spital die besten Möglichkeiten haben, eine Weiterverbreitung solcher Krankheiten zu verhindern.

Gibt es Parallelen zwischen damaligen und aktuellen Pandemien?
Die einzigen Informationen, die uns vorliegen, sind jene von der Spanischen Grippe aus dem Jahr 1918. Dort wurden im Laufe mehrerer Monate rund 680 Grippekranke aufgenommen, 107 davon gleichzeitig mit Lungenentzündungen. Das konnte dazumal nur wegen der vielen freiwilligen Helferinnen und zusätzlichen Betten aus den Hotels gemeistert werden. Auch bei der Corona-Pandemie waren wir auf viele Freiwillige angewiesen, brauchten aber die Hotelbetten nicht, und wir hatten mit maximal 15 Patienten auch deutlich weniger Erkrankte hier im Spital zur Pflege. Insgesamt haben wir rund 60 Corona-Patienten behandelt. Also eigentlich kein Vergleich zur Spanischen Grippe, ausser, dass beide Pandemien zu ihrer Zeit eine neuartige Krankheit darstellten. Interessanterweise hat man schon damals mit ähnlichen Massnahmen darauf reagiert, nämlich mit Hygienemassnahmen wie Hände waschen oder Versammlungsverboten.

Das Spital Oberengadin ist heute ein breit aufgestelltes Gesundheitszentrum und Teil der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin. Wie sind Sie im Vergleich zu anderen Regionen aufgestellt?
Wir sind mit der integrierten Versorgung sicher sehr gut aufgestellt. Seit Anfang Jahr gehört auch die Spitex zu uns. Da können wir uns gegenseitig unterstützen und gut zusammenarbeiten, was sich gerade in den letzten Wochen bewährt hat. So konnten Spitex und Pflegeheim von unserem Hygienefachwissen profitieren und wir hatten in der gesamten Organisation und im Gegensatz zu anderen Regionen immer auch genügend Schutzmaterial zur Verfügung. Es ist ein grosser Vorteil, dass wir hier integriert aufgestellt sind und die verschiedenen Betriebe zusammengehören. Auch wenn es für die weitere Zusammenarbeit noch Potenzial gibt. Dieses wollen wir sukzessive erschliessen, das geht jedoch nicht von heute auf morgen.

Das Spital Oberengadin ist mit über 300 Mitarbeitenden der grösste Ganzjahres-Arbeitgeber der Region. Was bedeutet das für Sie als CEO?
Im Spital sind es rund 370 und über die gesamte SGO gesehen sogar über 500 Mitarbeitende. Diese Grössenordnung ist eben nicht nur relevant für Patienten, Bewohner und Klienten, sondern auch für die arbeitstätige Bevölkerung. Als Arbeitgeberin bezahlen wir Löhne, welche über die Steuern wieder den Gemeinden zugute kommen. Insofern ist der Erhalt und die Zukunftssicherung der SGO als Ganzes ein ganz wichtiges Ziel, welches ich auch persönlich verfolge. Dazu gehören solide Ergebnisse und auch eine stabile Finanzsituation. Da sind wir sehr gut aufgestellt und können zuversichtlich in die Zukunft schreiten. Mir persönlich liegt die Verantwortung für die Jungen am Herzen. Es freut mich immer sehr, dass wir viele verschiedene Lehrstellen und Ausbildungsplätze anbieten und immer wieder jungen Einheimischen eine Arbeitsstelle anbieten können. Verbunden natürlich mit der Hoffnung, dass sie irgendwann nach ihren Lehr- und Wanderjahren den Weg zurück ins Engadin wiederfinden. Umgekehrt spüre ich neben der grossen Verantwortung auch immer die Solidarität aus der Bevölkerung. Auf diesem Weg kommt vieles zurück, indem die Bevölkerung zeigt, wie wichtig ihr ein gut funktionierendes Spital ist und wir hier oben eine bedeutende Rolle einnehmen können.

Stichwort Masterplan «Il Futur 2020». Das Spital in Samedan wird in den nächsten Jahren in Etappen um- und ausgebaut. Weshalb ist dies nötig geworden?
Das heute bestehende Haus wurde 1979 fertiggestellt und ist als Bau ganz grundsätzlich in die Jahre gekommen. Weniger aber seiner Infrastruktur und der baulichen Qualität wegen, sondern mehr aufgrund neuer Anforderungen von Medizin, Patienten oder Versicherern. Grosse Veränderungen hat auch die Behandlungsstrategie «Ambulant vor stationär» mit sich gebracht. Da ist es zwingend angebracht, dass wir eine effizientere Raumverteilung erreichen, schnellere und optimierte Prozesse installieren können, kürzere Patientenwege haben und nicht zuletzt auch ein moderneres Erscheinungsbild erreichen. Das waren alles relevante Gründe, den Masterplan anzugehen und umzusetzen.

Sie sagten einmal, das Spital befinde sich in einer Phase des Umbruchs: «Weg vom Verwalten, hin zum Gestalten». Was meinten Sie damit?
Das Gesundheitswesen ist sehr stark unter Druck und auch im Umbruch. Beispielsweise kann die Medizin immer mehr leisten und damit auch Leben verlängern. Diesen Fortschritt gibts aber nicht umsonst, wir alle zahlen dafür einen doch recht hohen Preis in Form von Steuern und Versicherungsprämien, was denn auch seit Jahren unter dem Stichwort der Kostenexplosion diskutiert wird. Gerade in einer peripheren Region gilt es aber, die Möglichkeiten zu nutzen und die Zukunft aktiv zu gestalten. Das sind oftmals viele kleine Dinge wie die Zusammenarbeit zwischen Pflegeheim und Spitex oder auch die Kooperationen mit der Klinik Gut und anderen Spitälern. Das sind Sachen, die man nicht einfach nur verwalten kann, sondern aktiv angehen, pflegen und weiterentwickeln muss, also gestalten.

Wie sehen Sie das Spital Oberengadin in 25 Jahren, zum dann 150. Jubiläum?
Schwierig vorauszusehen, so ohne Glaskugel. Ich wünsche mir aber, dass das Tal an Einwohnern zulegen kann und dass sich der saisonale Tourismus mehr zu einem Ganzjahrestourismus entwickelt. Wenn dem so wäre, dann können wir im Spital eine gute, erweiterte Grundversorgung und als Spezialist für die Behandlung von Unfällen eine gute Chirurgie anbieten und entsprechendes Fachpersonal anziehen. Damit sind wir als Ausbildungsspital bei jungen Medizinern diverser Fachrichtungen sehr beliebt, verfügen über eine gute geriatrische Versorgung und eine ausgebaute Palliativmedizin, und ich denke, auch die integrierte Versorgung wird bis dahin längst etabliert sein. Ob sich das alles in 25 Jahren realisieren lässt, ist schwierig zu sagen und hängt stark von äusseren Faktoren ab, von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung und nicht zuletzt auch ein Stück weit von den klimatischen Bedingungen. Noch ist der Einfluss von einem oder zwei Grad Erwärmung auf die hiesige Entwicklung des Tourismus nicht wirklich vorstellbar.

*Beat Moll (57) ist CEO der Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) und leitet in dieser Funktion das Spital Oberengadin wie auch das Pflegeheim Promulins und die Spitex Oberengadin in Samedan.

Autor: Jon Duschletta, Foto: Daniel Zaugg


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