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Jenny Kollmar, Leiterin der Geschäftsstelle der Region Maloja im Gespräch mit dem Pontresiner Werkmeister Marco Tuena und dem Recycling-Berater Roland Habermacher von Swiss Recycling (von links). Foto: Jon Duschletta

Jenny Kollmar, Leiterin der Geschäftsstelle der Region Maloja im Gespräch mit dem Pontresiner Werkmeister Marco Tuena und dem Recycling-Berater Roland Habermacher von Swiss Recycling (von links). Foto: Jon Duschletta

«So darf man Sonderabfälle nicht lagern»

Abfallbewirtschaftung ist ein komplexes Themenfeld und der Mensch als Abfallverursacher nicht selten uneinsichtig. Das bekommen zusehends auch die Gemeinden zu spüren. Um diesen helfen zu können, hat die Region Maloja einen Spezialisten für Recycling aufgeboten.

Die nachfolgende Geschichte hat sich kürzlich auf dem Pontresiner Werkhof abgespielt, steht aber stellvertretend für die restlichen Vertragsgemeinden der Region Maloja. Dort hat sich Gleiches bereits zugetragen oder steht in den nächsten Tagen und Wochen noch an, ein Recycling-Check-up.
Jenny Kollmar, die Geschäftsleiterin der Verwaltungseinheit Region Maloja, hat ein klares Ziel vor Augen: Sie will den Gemeinden baldmöglichst verbindliche Handlungsempfehlungen für die Abfallbewirtschaftung aushändigen, damit diese ihrerseits ihre Systematik beim Sammeln, Verwerten und Entsorgen von Siedlungsabfällen vereinheitlichen und, wo nötig, anpassen können. «Wir dürfen und wollen den Gemeinden nicht in jedes Detail reinreden, wissen aber, dass diese froh sind, wenn sie nicht alles selbst erfinden müssen», so Kollmar.

Swiss Recycling mit ins Boot geholt
Hilfe hat sich Jenny Kollmar bei der 1992 gegründeten Non-Profit-Organisation Swiss Recycling und in der Person des Recycling-Beraters Roland Habermacher geholt. Zusammen mit ihm besucht Kollmar die einzelnen Vertragsgemeinden und schaut sich dort im Beisein der jeweils Verantwortlichen die örtliche Umsetzung der Abfallbewirtschaftung an. Ein vorgängig an die Gemeindepräsidenten verschickter Fragebogen hilft dabei, den sogenannten Recycling-Check-up speditiv durchzuführen.
Mit Fragebogen, Kontrollliste und Kugelschreiber ausgerüstet macht sich Roland Habermacher an seine Arbeit. Er befragt den Pontresiner Werkmeister Marco Tuena, diskutiert mit dem Gemeindevorstand, Vizepräsidenten und Abfalldelegierten Claudio Kochendörfer und hakt bei Jenny Kollmar nach, wenn er regionale Aspekte vertieft verstehen will. Der vor drei Jahren neu konzipierte Werkhof ausgangs Pontresina ist aufgeräumt, übersichtlich gestaltet und die einzelnen Sammelbehälter perfekt angeschrieben. Scheinbar perfekt. Habermacher streckt sich und schielt über den Rand des improvisierten Sammelcontainers für «Farben» auf dessen Inhalt. Er runzelt die Stirn: «Lasst es mich so sagen, so darf man Sonderabfälle nicht lagern.» Mit einem Blick auf den nahen, mit Elektroschrott gefüllten Palettrahmen ergänzt er, «und so auch Elektroschrott nicht».
Roland Habermacher weiss von unglücklichen Vorfällen mit Kindern, die auf solchen Sammelstellen spielend, auch schon giftige Knopfbatterien oder Chemikalien verschluckt haben, von gefährlichem Quecksilber in Sparlampen und Leuchtstoffröhren, von potenziellen Brand- und Explosionsgefahren bei Sondermüllsammelstellen, von brennenden Kehrichtwagen wegen unsachgemäss entsorgter Lithium-Ionen-Akkus von E-Bikes oder von Datenschutzproblemen bei unsachgemässer Entsorgung von Computer-Festplatten. Und auch von Fragen rund ums Thema Arbeitsschutz oder von unangenehmen Versicherungs- und Haftungsfragen, welche – geschieht wirklich einmal ein solcher «Worst-case-Unfall» – unweigerlich auf die Gemeinden zukommen würden.

Gefahrengut gehört nach Samedan
Roland Habermachers Vor-Ort-Empfehlung wird später auch auf seinem Rapport stehen: «Ihr werdet nicht umhinkommen, hierfür spezielle und sichere Sammelbehälter anzuschaffen», sagt er. «Oder», wie Jenny Kollmar ergänzt, «Kunden mit solchen Gefahrengütern nach Samedan in die regionale Abfallbewirtschaftungsanlage nach Cho d’Punt zu schicken, wo auch Gefahrengut angenommen wird».
Auch wenn sich die Hauptsammelstelle auf dem Pontresiner Werkhof befindet, so ist eine lückenlose Überwachung der Anlage durch die Gemeindeangestellten nicht gewährleistet. Das wissen auch die Verantwortlichen auf Gemeindeebene. Die personelle Bewirtschaftung der Sammelstelle, so wie sie in Cho d’Punt, auf der Reaktordeponie Sass Grand in Bever oder von der Gemeinde St. Moritz in der Wertstoffhalle (siehe Bericht in der EP/PL vom 5. Mai) praktiziert wird, ist für viele andere Gemeinden finanziell meist gar nicht tragbar.
Dank dem regionalen Recycling-Check-up sollen die Gemeinden auch eine Handhabe haben, um, wo nötig, veraltete Abfallreglemente zu überarbeiten. Regional zu koordinieren gelte, so Jenny Kollmar, auch das Kunststoff-Recycling. Dieses haben zwei private Unternehmen im Engadin unlängst lanciert ohne von den Gemeinden dafür aber konzessioniert worden zu sein (siehe EP/PL vom 16. November 2019). Kürzlich ist auch die Gemeinde Silvaplana diesbezüglich vorgeprescht und hat eine eigene Kunststoffsammlung eingeführt. Zudem wird auch die Grünabfuhr in fast allen Gemeinden individuell gehandhabt.

Das Rad nicht neu erfinden
Was aber sagt Roland Habermacher, kurz bevor er sich in Pontresina verabschiedet und sich der nächsten Gemeinde annimmt? «Hier ist eigentlich alles vorbildlich und gut eingerichtet, aber es besteht noch Handlungsbedarf, vor allem beim Sondermüll.» Manchmal sei der Blick von aussen halt hilfreich, so Habermacher, «das Rad muss man ja nicht neu erfinden, aber man kann es manchmal etwas runder machen.»

Autor und Foto: Jon Duschletta


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