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Selma Mahlknecht und Kurt Gritsch während des poetischen Abends im Silser Hotel Waldhaus. Foto: Jon Duschletta

Selma Mahlknecht und Kurt Gritsch während des poetischen Abends im Silser Hotel Waldhaus. Foto: Jon Duschletta

«Hinter tausend Pässen keine Welt»

Fast auf den Tag genau sieben Monate nach ihrem letzten öffentlichen Auftritt waren Selma Mahlknecht und Kurt Gritsch kürzlich eingeladen, in Sils einen poetischen Abend zu bestreiten. Sie bewiesen mit Sketch, Texten und Liedern, dass sie die coronabedingte Pause kreativ zu nutzen wussten.

Tagebucheintrag, 28. Februar 2020: «Wir geborenen – Zaungäste, geübt im hineinstarren ins Elend der anderen ...», beginnt Selma Mahlknecht einen ganz zu Beginn der aufkommenden Coronakrise notierten Gedanken leise aber eindringlich vorzulesen – «... stehen ungläubig, schreckensstarr, still, entsetzt, empört und überfordert, wenn wir sehen – die Eingezäunten, sind wir» – Stille.
Selma Mahlknecht weiss als ausgewiesene Theaterdramaturgin und -pädagogin, als Autorin von Büchern, Kolumnen oder Gedichten, vorzutragen, vorzulesen, zu singen und ist an diesem Abend sichtlich erleichtert, «endlich mit ihnen zusammen darüber nachdenken zu dürfen, was wir bisher hinter uns gebracht und was wir gemeinsam erlebt haben in dieser schwierigen Zeit». So las sie zum Einstieg weitere kurze Tagebucheinträge vor und nahm die Zuhörer mit auf ihren ganz persönlichen Weg durch eine unvorhersehbare Gesundheitskrise, welche sie und ihr Mann, eingesperrt quasi in ihrem Wohn- und Lebensort Zernez – vor allem aber über Monate ausgesperrt aus ihrem zweiten Lebensmittelpunkt, ihrer Südtiroler Heimat – kreativ zu nutzen wussten.

«Andrà tutto bene»
Und wie. An der Gitarre und im Gesang feinfühlig begleitet von Ehemann Kurt Gritsch, sang Selma Mahlknecht beispielsweise das im heimischen Dialekt vorgetragene Lied «Weltuntergang» frei nach dem italienischen Motto zu Beginn der Coronapandemie – «andrà tutto bene», wie sie schalkhaft einführte.
Beide sind sie auch Deutschlehrer, und hätten, oh Wunder, während der Zeit, wo sie nicht nach Hause reisen durften, begonnen, «in anderen Zeitformen zu denken, in Konjunktiv- und Futur-zwei-Formen» und so endlich auch einen praktischen Verwendungszweck dieses Schulstoffs gefunden: «Wie süss die Luft schmecken wird, wenn wir es überstanden haben, werden ...», sinnierte Mahlknecht, «... wie greifbar die Zukunft sein wird, wenn die unbegreifliche Gegenwart, Vergangenheit geworden sein, wird.»
In ihrem Tagebucheintrag vom 22. April befasste sich Selma Mahlknecht mit dem aufkommenden Druck, sich in Ermangelung von öffentlichen Auftritten umso mehr auf digitalen Kanälen austoben zu müssen, um schlicht nicht in Vergessenheit zu geraten. «Nimm die Herausforderung an, lass dir was einfallen, etwas einmaliges», so die vermeintliche Losung, die aber ihrerseits bloss «Energien blockiert, die Selbstzerfleischung befeuert und Spannungen verschärft». Sich aus solcherlei «Chancenaktivismus» und «Schulddenken» selbst zu befreien – beileibe keine leichte Aufgabe.

Plötzlich Touristin
Gelungen ist das Selma Mahlknecht trotzdem. Unter anderem mit dem Text «Hinter tausend Pässen keine Welt», welcher dem poetischen Abend den Titel gab. Entstanden ist auch dieser während der Corona-Krise und ringsum geschlossenen Pässen. Es sind Gedanken zur abgesperrten, zerschlagenen Heimat auf der anderen Seite des einen Passes, «die mich zur Touristin gemacht – eingesperrt im engen, stillen Dreiländereck – wir hocken hier hinter den Bergen und können nirgends hin». Gedanken aber auch zur Region, die als Bezugspunkt plötzlich eine viel wichtigere Rolle spielt als die Nation: «Hier, wo Herkunft auch mal ungeklärt bleiben kann – wo die einzigen Grenzen, welche im Hier und Jetzt gerade eine Rolle spielen, die Waldgrenzen und die Schneefallgrenzen sind.»

www.selma-mahlknecht.info

Autor und Foto: Jon Duschletta


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