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«Ich lebe ‹carpe diem› und nehme das Leben so, wie es kommt», sagt der scheidende Standespräsident Alessandro Della Vedova. Foto: Daniel Zaugg

«Ich lebe ‹carpe diem› und nehme das Leben so, wie es kommt», sagt der scheidende Standespräsident Alessandro Della Vedova. Foto: Daniel Zaugg

«Als Standespräsident kann man die Welt nicht verändern»

Zum Start der Augustsession des Grossen Rates hält der Puschlaver Alessandro Della Vedova seine letzte Ansprache als Bündner Standespräsident. Er blickt auf ein in vielerlei Hinsicht schwieriges Jahr zurück, bleibt aber, treu seinem Naturell, zuversichtlich und frohgemut.

Die italienischsprachige Lokalzeitung «Il Grigione Italiano» hat ihren «San Carlot» Alessandro Della Vedova unlängst als «Bindeglied zwischen der Alpensüd- und der Alpennordseite bezeichnet». Eine Einschätzung, die dem 49-jährigen Netzwerker und leidenschaftlichen Politiker sehr gefallen hat.
Tatsächlich pendelt Della Vedova seit Jahren zwischen der Valposchiavo, dem Veltlin und der Bündner Hauptstadt hin und her. Wenn in zwei Jahren die laufende Legislatur zu Ende geht, wird der CVP-Politiker seinen Wahlkreis Poschiavo zwölf Jahre lang im Bündner Grossen Rat vertreten haben. Zusammen mit dem jetzt endenden Präsidialjahr sei das wohl das Maximum, was ein Vertreter der italienischsprachigen Valli erreichen könne, so Della Vedova.

Was war, was ist und was kommt
Bildungs-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik sind seine politischen Spezialgebiete, und das kommt nicht von ungefähr. Alessandro Della Vedova hat im italienischen Tirano die Primar- und Sekundarschule besucht und dort auch Kunsttischler gelernt. Ende der 1980er-Jahre hat er – diesseits der Grenze – in Poschiavo seiner Grundausbildung eine Schreinerlehre angefügt, danach in Bern die Schreinermeisterschule und – wieder zurück in Italien – in Mailand am Institut für Design ein Innenarchitekturstudium absolviert und sich später auch am Institut für Technologie, Industrie und Automation (CNR-ITIA) in Betriebsleitung und Benchmark weitergebildet. Von 2016 bis 2020 präsidiert er den Fachverband Graubünden Holz.
Zur Politik fand Alessandro Della Vedova 2007. Vier Jahre politisierte er im Gemeinderat von Poschiavo und war gleichzeitig auch Präsident des Regionalverbandes Valposchiavo. 2010 wurde er als 39-Jähriger in den Grossen Rat, im gleichen Jahr auch zum Podesta der Gemeinde Poschiavo und 2011 zum Vizepräsidenten der CVP Graubünden gewählt. Als Südbündner und damit einhergehend auch als «Grenzgänger» ist ihm die Sicherheit in der Region ein wichtiges Anliegen. Einbringen kann er sich diesbezüglich in der grossrätlichen Kommission für Justiz und Sicherheit, welche er von 2014 bis 2016 präsidierte.

Aus der Sicht der Randregionen
Themen, welche auch seiner heutigen, letzten Ansprache als Standespräsident den Rahmen geben: «Ich werde über den Kanton sprechen, über die Entvölkerung der Randregionen und auch versuchen, mögliche Massnahmen aufzuzeigen, welche der negativen Entwicklung entgegenwirken könnten, gerade auch für Jugendliche.» Della Vedova wird dies aus Sicht eines Vertreters einer ebensolchen Randregion tun.
«Ich gehe ganz ruhig in diese intensive Schlussrunde», sagt er, «ich wusste von Beginn weg, dass das Präsidium ein Jahr dauert und man als Standespräsident in dieser Zeit nicht die Welt verändern kann». Einzig mit der globalen Corona-Pandemie konnte er zu Beginn seines Präsidialjahres nicht rechnen: «Viele Anlässe wurden deswegen abgesagt. Trotzdem war ich aber viel unterwegs im Kanton, habe grössere und kleinere Unternehmen besucht, auch Bauernbetriebe oder Gewerbeschulen, einfach um zu verstehen, wie der Staat in einer Krisenzeit funktioniert», sagt er und bedauert gleichzeitig, dass er es, coronabedingt, leider nicht mehr geschafft hat, auch die Regionen Safiental und Avers zu besuchen.
Corona war allerdings nicht das einzige Ungemach der letzten Zeit. 2018 wurde er als Podesta abgewählt und auch das von ihm initiierte Holz-Kompetenzzentrum in Poschiavo kam nicht zum Fliegen. «Ich beschönige nichts und stehe zu den Fehlern die ich gemacht habe. Beispielsweise beim Versuch, Dynamik in die Gemeinde zu bringen, anstatt sie einfach zu verwalten.» Das sei eben Politik, resümiert er, «was dich nicht umbringt, macht dich stark». Einfluss hatte auch seine familiäre Situation. Seine Frau Heliana lebt mittlerweile in Chur, Della Vedovas zweitem Wohnsitz. «Sie stammt aus der Dreimillionenmetropole Brasilia, ihr war die Valposchiavo einfach zu klein und zu eng. Dass sie nach Chur zog, kam im Tal nicht überall gut an.» Nicht alles davon habe er gesucht, «aber es gibt im Leben immer wieder Situationen, die man akzeptieren und sich daran neu orientieren muss – carpe diem, eben.»
Alessandro Della Vedova ist seit letztem Jahr Geschäftsleiter der Caritas Graubünden in einem 80-Prozent-Pensum. Fragt man ihn heute, so würde er seine politische Laufbahn 2022 zum Ende seiner dritten Grossrats-Legislatur beenden. Della Vedova wäre aber nicht mit Leib und Seele Politiker, wenn er diesen Entscheid schon heute unterschreiben würde.
www.alessandrodellavedova.ch

Infobox:
Reichbefrachtete Augustsession des Grossen Rates
Heute Dienstagnachmittag eröffnet der scheidende Standespräsident Alessandro Della Vedova die bis Freitag dauernde und um einen Tag verlängerte Augustsession. Als Della Vedovas Nachfolger wird gemäss Protokoll der diesjährige Vize, der Trinser FDP-Grossrat Martin Wieland gewählt werden. Für ihn rückt die BDP-Grossrätin Aita Zanetti aus Sent (Wahlkreis Suot Tasna) als Vizepräsidentin nach (siehe Samstagsausgabe). Gleichentags behandelt der Grosse Rat noch die Teilrevision des Gesetzes über die Förderung der Krankenpflege und der Betreuung von betagten und pflegebedürftigen Personen (KPG). Am Mittwoch findet die Wahl des Regierungspräsidenten statt. Turnusgemäss wird Regierungsratspräsident Christian Rathgeb das Zepter an seinen Amtskollegen Mario Cavigelli weiterreichen. Ansonsten wird der zweite Sessionstag ganz im Zeichen des Berichts der Kommission für Justiz und Sicherheit zum Amtsenthebungsverfahrens gegen den Kantonsrichter Davide Pedrotti und auch im Zeichen des Strassenbau-Berichts stehen.
Am Donnerstag finden unter anderem die umstrittenen Wahlen für das Kantons- und das Verwaltungsgericht Graubünden für die Amtsperiode 2021 bis 2024 statt. Ferner werden im Rat die geplanten Beitritte des Kantons Graubünden zum Gesamtschweizerischen Geldspielkonkordat und zur Interkantonalen Vereinbarung betreffend gemeinsamer Durchführung von Geldspielen sowie das kantonale Geldspielgesetz behandelt.
Der letzte Sessionstag ist traditionellerweise der Behandlung der zahlreich anstehenden Anfragen und Aufträge der Grossrätinnen und Grossräte reserviert, ehe die Augustsession mit der Ehrung des neugewählten Standespräsidenten zu Ende geht. Coronabedingt findet heuer keine eigentliche Feier statt. 

Weil coronabedingt keine Zuschauer an der Session in der Churer Stadthalle zugelassen sind, wird diese via Livestream übertragen: www.gr.ch mit den Suchbegriffen «Parlament, Session».

Autor: Jon Duschletta, Foto: Daniel Zaugg


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