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Restaurantbetreiber Ziberi Satki: «Wir sind froh um jeden einzelnen Gast, aber es reicht nirgends hin.» Foto: Jon Duschletta

Restaurantbetreiber Ziberi Satki: «Wir sind froh um jeden einzelnen Gast, aber es reicht nirgends hin.» Foto: Jon Duschletta

«Es reicht ja kaum fürs Brennholz»

Es ist zum Verzweifeln. Der 45-jährige Ziberi Satki betreibt in Zernez die Pizzeria Mirta und das gemeindeeigene Center da Sport. Letzteres musste er im Dezember nach nur drei Betriebstagen auf behördliche Anordnung hin schon wieder schliessen. Trotz Take-away reichen die Einkünfte nirgends hin.

Mit jedem Tag wird die Hoffnungslosigkeit des 45-jährigen Gastronomen Ziberi Satki grösser. Der gebürtige Mazedonier ist in Livigno aufgewachsen und wohnt in St. Moritz, wo er früher einen Kebab-Döner-Stand betrieb. Später dislozierte er das Geschäft nach Zuoz und übertrug die Geschäftsführung seiner Tochter.
Er selber ist seit 25 Jahren in der Gastronomie tätig, hat als Kellner und Barista gearbeitet und im Mai 2019 die Pizzeria Mirta in Zernez als Pächter übernommen. Das als GmbH geführte Restaurant beschäftigt im Normalfall sechs Angestellte. Am 1. Dezember 2020 übernahm Satki von der Gemeinde Zernez die Führung des Center da Sport beim Eisplatz und dem Langlaufzentrum. Nur drei Tage später musste er das Restaurant aber auf behördliche Anordnung hin wieder schliessen. Seither verkaufen er und zwei Mitarbeiter an den beiden Standorten Pizzen, Döners, Kebabs sowie andere Gerichte ihrer italienischen Küche über die Strasse. «Wir behalten unsere Restaurants einzig offen, um Präsenz zu markieren und um unsere Kunden nicht zu verlieren», so ein desillusionierter Ziberi Satki.
Auf noch fünf bis maximal zehn Prozent des normalen Umsatzes schätzt er, was Tag für Tag dank Take-away reinkommt. Viel zu wenig, um zu überleben, da macht er sich nichts vor. «Gäste und auch Einheimische sind uns wohlgesonnen, aber wir arbeiten hier in einem kleinen Dorf und nicht in einer Stadt. Logisch, dass nicht jeder und jede jeden Tag Pizza bestellt.» Dass sie das Center da Sport betreiben können, betrachtet Satki als grossen Vertrauensbeweis seitens der Gemeinde. Die kommt dem leidgeplagten Gastronomen angesichts der Krisensituation auch finanziell entgegen.
Auf weitere Hilfe hofft er indes weiterhin vergebens. Noch immer seien im Zusammenhang mit der Kurzzeitregelung viele Fragen offen, und die Hoffnung auf eine Wende hin zur Normalität schwinde von Tag für Tag. Auf der anderen Seite flattern zuverlässig Rechnungen ins Haus, von Lieferanten für Lebensmittel oder für die inzwischen unbenutzt rumstehenden Plexiglas-Trennwände im Restaurant, von Steuerbehörden oder dem Branchenverband Gastro Suisse – und natürlich sind auch Löhne und Mieten fällig. «Den Fehlbetrag im Dezember habe ich aus der eigenen Tasche bezahlt. Aber wenn du am Mittag vier Pizzen verkaufst, dann reicht das Geld ja nicht mal fürs Brennholz.» Einnahmen fallen weg, Rechnungen bleiben liegen, es ist ein Teufelskreis. «Wir wissen schlicht nicht, ob und wie es weitergeht. Schlimmer als so geht nicht mehr.»
Ziberi Satki hält kurz inne und fügt dann nachdenklich an: «Hier habe ich eine sechsmonatige Kündigungsfrist. Ich weiss nicht mal, ob diese auch in Krisenzeiten ihre Gültigkeit hat.» Für ihn ist klar, dass das bisschen Hoffnung, welches ihm geblieben ist, endgültig schwindet, wenn es im Frühling und Sommer zu weiteren Einschränkungen kommt. «Dann passiert das, was anderen schon passiert ist, dann droht nämlich die Schliessung und der Konkurs.» Satki nimmt eine telefonische Bestellung entgegen und seine Miene hellt sich für einen Augenblick auf. «Unsere Gäste sind toll, aber was soll ich machen, ich kann ja nicht meine Ersparnisse verscherbeln oder stehlen gehen.» Und ein Bankkredit? «Banken wollen Sicherheiten. Verstehst du? Sicherheiten!»

Autor und Foto: Jon Duschletta


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